14.09.2012 – Hell On Earth Tour 2012 – Walls Of Jericho, Death Before Dishonor, Hundreth, Betraya, Bitter Verses – Backstage Halle, München

no images were found

Death Before Dishonor
Das erste echte Highlight an diesem Abend waren die Bostoner Hardcoreler Death Before Dishonor. Mittlerweile hat sich diese Combo einen fast schon legendären Ruf als beinharter Live-Act in der Hardcore-Szene erarbeitet, den sie bei enthusiastischer Spiellaune immer wieder unter Beweis stellt. Leider waren diesmal einige Bandmitglieder ziemlich angetrunken und taumelten streckenweise wie ein angeknockter Boxer über die Bühne. Machte aber letztendlich nicht viel aus, da der Proll-Faktor ihrer Musik ohnehin Richtung Saufen, Prügeln und einen auf dicke Hose machen zu reduzieren ist. Nichtsdestotrotz entspringt aber genau dieser Mischung ihre große Popularität in der Gemeinde, so dass man ihnen einen versoffen-verstolperten Gig eigentlich nicht ankreiden kann. Wenn dann aber noch der Sound ziemlich breiig und undifferenziert aus den Boxen quillt, gibt dies dann doch in der Schlusswertung einige Minuspunkte. Wer keinen Ohrschutz dabei hatte, dem taten danach gehörig die Lauscher weh, fast schon unerträglich schlecht war der Mix aus dem Mischpult. Hinzu kamen dann noch die halbstarken Leibesübungen der Hardcore-Turner im Moshpit, in die man ohne Helm und Schutzanzug freiwillig nicht geraten sollte, ein diesmal echt selten dämlich wirkendes und rücksichtslos-anmutendes Getrete war da am Start- keine Ahnung, wen solch kindisches Gepose beeindrucken soll, den wenigen anwesenden weiblichen Fans offenbar nicht, versteckten sich diese im sicheren hinteren Bereich der Halle. Aber gut, man weiß worauf man sich einlässt, wenn man zu Konzerten solcher Bands geht, daher kann man sich auch nicht beschweren. Selbiges konnte man dann am Ende auch nicht, da wie immer zum Abschluss eines jeden Death Before Dishonor-Gigs ihre Hymne „Boston Belongs To Me“ angestimmt wurde, die mittlerweile in einer Liga mit Pennywises „Bro Hymn“ spielt, so eingängig und beliebt ist sie. Ein immerhin akzeptabler Abschluss eines eher durchschnittlichen Gigs.

no images were found

Walls Of Jericho
Sehnlichst erwartet wurde nun schon die allseits geliebte und beliebte Metalcore-Truppe aus Detroit, die ein steter Garant für intensive und oftmals auch unvergessliche Live-Shows sind. Frontbrüllwürfel und Eye-Catcher Candace Kucsulain ist mittlerweile Mum geworden, was man ihr auch ansieht: Sie sieht besser denn je aus, fit, durchtrainiert und ist nach wie vor bereit,die Bude zu rocken. Und wie sie das tat. Als gäbe es kein Morgen, ging von Minute eins so dermaßen der Punk ab, dass einem als neutraler Zuschauer fast der Atem stockte. München ist bekannt für sein beinahe divenhaftes und bisweilen arg lethargisches Konzertpublikum, doch bei diesem Gig bewies es das genaue Gegenteil. Wildes aber gleichzeitig rücksichtsvolles Gemoshe der Güteklasse A, wahnsinnig-anmutende Stagediving-Stunts und eine dadurch mehr und mehr euphorisierte Band machten diesen Auftritt zum Besten, was ich seit langer Zeit erleben durfte. Die heimelige Club-Atmosphäre der Halle war sicherlich ein zusätzlicher Faktor. Müßig zu erwähnen, dass der perfekte und überaus druckvolle Sound sein nicht unwesentliches Scherflein dazu beitrug. Es geht also doch, dass man in die Backstage-Halle durch ihre architektonisch-bedingte suboptimale Akustik einen anständigen Sound zaubern kann. Und wenn dann noch ein intensiver Live-Act hinzukommt, ist eigentlich alles bereitet für ein anständiges Konzert. Das Zünglein an der Waage spielt dabei das Publikum.
Candace gab mal wieder alles, inklusive ermunternder und positiver Botschaften zum Zusammenhalt und der Bedeutung der Szene für jeden einzelnen Beteiligten, als auch der oftmals verwendete Spruch: „You are the best audience so far on this tour“. Diesmal wohl wahr, zu 100% nämlich. Kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Club in einer anderen Stadt dieses Level an ausgelassener Begeisterung abrufen konnte. Dabei unterstelle ich der Sängerin aufgrund ihres unglaublichen Charismas einen wesentlichen Beitrag an der explodierten Stimmung, schafft sie es doch immer wieder mit ihrer vereinnahmenden Persönlichkeit, aus einer scheinbar teilnahmslos-neutralen Menge einen wilden Hexenkessel zu machen. Eine heutzutage wirklich seltene und fantastische Eigenschaft, sollte man seines Zeichens Frontmann/-frau einer Band sein. Ich liebe einfach diese Band und ihre Frontfrau. Und rückblickend betrachtet, habe ich eigentlich nie ein schlechtes Konzert mit ihnen erlebt.

Fazit: DEATH BEFORE DISHONOR machten das, was sie immer am Besten machen, nur leider mit der abstoßend-wirkenden übertrieben aggressiven Stimmung; WALLS OF JERICHO aber das genaue Gegenteil: Positive Aggressivität, unterstützt durch ein fantastisches Publikum, welches an diesem Abend der klare Gewinner war. Würde mir wünschen, mehr Konzerte dieser Sorte zu erleben.

 

22.09.2012 Sabaton, Backstage Werk

„Noch ein Bier, noch ein Bier…“

Nachdem Mitte des Jahres vier von sechs Bandmitgliedern die Band SABATON verließen, befürchtete die Musikbranche, die Gruppe würde sich komplett auflösen und die Musik an den Nagel hängen. Umso erfreulicher war die Meldung, dass die Verbleibenden schnell Ersatz für Gitarren und Schlagzeug gefunden hatten. SABATON begaben sich also wieder on the Road und machten mit ihrer „Swedish Empire Tour“ auch in München halt. Zur Unterstützung und zum Warm-werden für die Fans konnten sie WISDOM und ELUVEITIE gewinnen.
Bei der Anfahrt auf das Backstage Werk konnte man bereits sehen, wie groß der Ansturm auf die Karten gewesen sein muss. Das Konzert war komplett ausverkauft, eine scheinbar endlose Schlange wand sich auf der Straße. Leider hatte diese Information nicht alle erreicht, so dass das die Veranstalter und die Security zwei voll beladene Busse wieder heim schicken mussten. Aber zum Glück hatte ja die Wiesn-Zeit begonnen, vielleicht haben sie die Gelegenheit genutzt, um dahin einen Abstecher zu machen.

WISDOM
Die Ungarn sind außerhalb des Heimatlandes noch nicht wirklich bekannt, doch mit ihren Auftritten bei der „Swedish Empire Tour“ wird sich das recht schnell ändern.
Nach den ersten Takten und Klängen hatte die Band bei mir schon den „Wow“- Effekt erzielt und konnte nicht nur meine Aufmerksamkeit schnell auf sich ziehen. Von Beginn an spielten sie mit dem Publikum und animierten die Leute zum Klatschen, die sich auch nicht lange bitten ließen. Für das neue Album „Judas“ holte sich die Band einen neuen Sänger ins Boot. Gabor Nagy war definitiv eine sehr gute Wahl. Fans des hochmelodischen Power Metal kommen mit der Musik von WISDOM voll auf ihre Kosten. Dominant, ohne Scheu, mit vollem Körpereinsatz und starker, klarer, eindrucksvoller Stimme hatten sie die Münchner recht schnell im Griff. Mit der Version von IRON MAIDENS „Wasted Years“ konnten sie weitere Pluspunkte sammeln und dem Publikum zeigen, dass sie zurecht in einem Zug mit Namen wie HELLOWEEN und BLIND GUARDIAN genannt werden dürfen. Für mich eine absolut positive Neuentdeckung.

ELUVEITIE
Die Schweizer feiern aktuell zehnjähriges Jubiläum. Für die Fans gab es gleich zwei Alben in diesem Jahr zu ergattern. Anfang 2012 „Helvetios“ und im August „The early Years“. Zwei tolle Alben, die die gesamte Bandbreite des Könnens von Eluveitie umfassen. Seien es ruhige, mystische Momente oder rauchige, kraftvolle, die Band weiß, wie sie all diese Elemente in Harmonie bringen muss, um Stücke zu schaffen, welche wirklich einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Das bekamen die Münchner an diesem Abend auch zu sehen. Die meisten Songs stammten von dem „Helvetios“-Album. Auf der Bühne stand eine starke Band. Sie überzeugte mich ein wenig mehr als die letzten Male, zudem war auch das Licht deutlich besser, so dass man diesmal die Mitglieder auch sehen konnte. Leider war die Abmischung für mein Empfinden wieder ein wenig misslungen. Sänger „Chrigel“ ging in seinen tiefen Parts oft zwischen den anderen Instrumenten unter, das Schlagzeug war zu dominant, die Gitarren hätten auch ein bisschen mehr Pegel vertragen können. Hinzu kommt, dass die Stimme von Sängerin Anna teilweise zu schrill und hoch klang, so dass man schon fast Ohrenschmerzen bekam. Ich stellte auch fest, dass bei diesem Auftritt etwas weniger Leute im Werk waren; schade, denn im Großen und Ganzen war es eine sehr schöne Show.

SABATON
Sie ließen die Fans ja schon ein wenig zappeln. Alle versuchten soweit wie möglich in die ersten Reihen vorzudrängen, dabei war die Luft eh schon stickig und heiß. Doch einen richtigen Fan hält das natürlich nicht ab. Nach scheinbar einer halben Ewigkeit erklangen dann endlich die ersten Takte des Intros „The Final Countdown“. Die Menge flippte aus, grölte in voller Lautstärke den Text mit und war in großer Erwartung. Mit „Ghost to Vision“ springen die Mannen von Sabaton voller Elan auf die Bühne und geben sofort ordentlich Gas. Was anderes war auch nicht zu erwarten, gilt Sänger Joakim doch als absolute Rampensau. Bereits nach den ersten beiden Liedern erklangen die „Noch ein Bier, noch ein Bier“-Chöre. Joakim stellte mit einem Grinsen im Gesicht fest, dass die Deutschen anscheinend lieber Bier trinken als gute Songs hören. Noch ließ er sich nicht zu einem Schluck hinreißen und Sabaton spielten lieber ein paar weitere Stücke. Das Trinken überließ er dann doch den Fans. Die Setlist war sehr gut gemischt, einem alten Song folgte wieder ein neuer, so dass es den Fans nicht langweilig werden konnte. Auch an diesem Abend merkte man wieder, dass SABATON ihr Geschäft verstehen und dass es schon ein Verlust für die Metal-Szene wäre, wenn sie sich auflösen würden. Nach dem Ausstieg einiger Mitglieder konnte für Bass, Gitarre und Schlagzeug schnell Ersatz gefunden werden, für den Posten des Keyboarders jedoch wurde noch nicht der richtige Mann eingestellt . Der fehlte nämlich auf diesem Konzert, war aber gut zu verkraften.

Fazit: Metal und Bier kommen bei den Münchnern sehr gut an, besonders, wenn so eine Größe wie SABATON das Schlusslicht bilden. Die Masse hatte Spaß und feierte ausgiebig bis zum bitteren Ende.

Setlist:

Intro:
The Final Countdown

Ghost Division
Gott Mit Uns
Uprising
40:1
Cliffs of Gallipoli
Midway
Carolus Rex
Into the Fire
Swedish Pagans
The Price of a Mile
The Lion From the North
The Art of War
Attero Dominatus
Encore:
Primo Victoria
Metal Crüe

19.09.2012 Royal Republic, 59:1 München

Exklusiver Abend

Die Alternative-Rock-Band Royal Republic aus Schweden verlosten im August zusammen mit Amazon und Warner Bros. Music Germany 125 x 2 Karten für ein Exklusivkonzert in München im 59:1. Und zwei von diesen besonderen Tickets wanderten in meine Tasche. Bereits im Jahre 2011 hatte ich das Vergnügen die Band beim Masters of Rock Antenne erleben zu dürfen. Schon bei diesem Auftritt überzeugten sie mich mit ihrer sympathischen Art und großartigen Musik.
Mitte des Jahres 2012 kam das neue Album „Save the Nation“, das sich nicht hinter dem Debüt „We are the Royal“ aus dem Jahre 2010 zu verstecken braucht. Die Band hat sich weiterentwickelt, die neue Scheibe ist durchdachter, aber ebenso rockig und dreckig wie die erste.

Der Einlass zog sich ganz schön in die Länge, fast eine Stunde benötigten die Gewinner, um den kleinen Club zu entern. Das Publikum war recht gemischt, die hartgesottenen Fans hatten es sich natürlich direkt vor der Bühne gemütlich gemacht. Ich hätte das jedoch nicht unbedingt getan, denn Sänger Adam Grahn schwitzte während des Auftrittes recht ordentlich bei den Temperaturen im Club und die kleinen feinen Tröpfchen flogen nur so ins Publikum.
Um 21.15 Uhr traten die vier jungen Schweden gut gelaunt auf die Bühne und rockten auch gleich los mit „Save the Nation“. Ein Kracher folgte dem nächsten. Sie gaben den Zuschauern keine Minute zum Durchatmen. Das Publikum war sehr ausgelassen, jubelte, sprang und moshte. Die Stimmung war hervorragend in dem kleinen Club und die Band merkte auch, dass vor ihnen wirkliche Fans standen. Nicht nur die alten, auch die neuen Songs konnten bis auf die letzte Textzeile mitgesungen werden. Sänger Adam hielt immer wieder den Kontakt zum Publikum aufrecht, widmete sich auch den Fans auf der rechten und linken Seite, ließ sogar zwei Mädels an seine Gitarre ran.
In Schweden, erzählte er dann, hieß es nach einem ihrer Auftritte, sie wären die neue Boyband des Rocks. Nach diesem Statement kam dann auch gleich die Aufforderung aus dem Publikum, „Cry Baby cry“ in der Softie Version zu spielen. Zunächst überlegte es sich die Band noch, doch ich denke, sie wollten sich selber den Spaß nicht nehmen lassen und gaben den Zuschauern eine sehr gefühlvolle Akustikversion des Songs, natürlich mit einem Hauch von Ironie. Doch der Charme der Band verfehlte nicht seine Wirkung. Sie wurden bejubelt und gefeiert bis in die letzten Reihen. Das sollte auch nicht die einzige Akustikdarbietung an diesem Abend bleiben und jede einzelne hinterließ eine Gänsehaut bei mir. Adam Grahns Stimme geht einfach unter die Haut. Die Setliste war wirklich bunt gemischt, die Münchner hatten die Ehre, dieses Programm als erste erleben zu dürfen. Richtig gute Stimmung kam aber vor allem bei den alten bekannten Liedern auf. „Full Steam Spacemachine“, „Tommy Gun“ und „Underwear“ ließen keinen mehr stillstehen. Es sind aber auch sehr rockige und geniale Songs.

Ich muss sagen, es war ein sehr schöner Abend. Die Jungs harmonierten wirklich sehr gut, sie kamen auch diesmal wieder sehr sympathisch und witzig rüber. Sehr angenehme und lockere Stimmung herrschte im gesamten Raum. Das 59:1 war als Location für dieses Event hervorragend ausgewählt. Es vermittelte eine familiäre Atmosphäre, bei der man der Band wirklich sehr nahe kam. Ein großartiges Ereignis und die Verlosung war eine hervorragende Aktion. Vielen Dank an die Band, Amazon und natürlich auch Warner Music Group Germany.

22.07.2012 Schandmaul – Vroudenspiel, Backstage Werk

Feel Free & Easy

Für alle, die das Free & Easy nicht kennen: Man kann auf Konzerte gehen für lau. Nur wenn die Hallen und Clubs mal voll sind hat keiner mehr eine Chance, dem Vergnügen beizuwohnen. Vroudenspil und Schandmaul, zwei Bands, die jede für sich ihre Fans haben. Die eine schon seit Jahren bekannt und aus dem Mittelalter-Folk-Rock nicht mehr wegzudenken. Die andere jung, dynamisch und ehrgeizig. In den letzten Jahren konnten Vroudenspil ihren Fankreis deutlich erweitern und nicht mehr nur in der Rosenheimer Gegend halten. Dass dieses kostenlose Spektakel lockte, ist nicht verwunderlich. So fanden sich bereits eine Stunde vor Einlass die Ersten ein, damit sie ganz sicher im Backstage Werk einen Platz bekämen. Und es wurden von Minute zu Minute immer mehr. Die Türen öffneten sich mit guten 15 Minuten Verspätung. Viele waren ein wenig ungeduldig und die Hitze schlug ebenfalls auf die Gemüter. Umso erleichterter waren die Massen, als sie endlich einströmen und an den Bars etwas Kühles kaufen konnten.
Schnell fand sich ein Platz vor der Bühne, wer jetzt da stand, sollte lieber dort bleiben. Sich durch die Menge zu kämpfen, um nur mal auf das Klo zu gehen oder sich was zu trinken zu kaufen, war gut zu überdenken. Wer daran dachte, mal zwischendrin eine Zigarette zu rauchen, musste befürchten, nicht wieder eingelassen zu werden. Also hieß es aus- und durchhalten.

Vroudenspil betraten mit gewohntem Intro die Bühne. Sie wirkten nicht ganz so lebhaft wie auf anderen Konzerten. Ohne großer Ankündigung stellten sie sich auf ihre Positionen und legten gleich los. Zu Beginn schienen sie noch ein wenig verhalten. Doch sie spielten sich recht schnell ein und gewöhnten sich an die Menschenmenge, die vor ihnen stand und ihnen zujubelte. Wahrscheinlich war dies der Grund, warum die Freibeuter ein bisschen schüchtern waren. Die Nervosität merkte man auch Sänger Ratz an, der ab und an eine wirre, komische Aussage herüberbrachte. Aber das machte ihn nur sympathisch, schließlich war das für die Band ein großer Auftritt, der ihnen sicherlich auch zahlreiche weitere Fans einbrachte. Das Publikum feierte, tanzte und pogte zu den Liedern der Truppe und ließ sich mitreißen. Ein sehr schöner, gelungener Auftritt.

Von Veldenstein nach München benötigt man gute zwei Stunden. Für Schandmaul ein kurzer Weg und Staugefahr bestand auch nicht. Sie schienen nicht müde als sie die Bühne betraten, nach dem neuen „A-Team“- Intro. Da sah man auch einige verwunderte aber amüsierte Gesichter. Die Setliste hatten sie vom Tag vorher einfach mitgebracht und warum sollte es mit diesen Liedern nicht auch im Werk klappen, wenn es schon auf dem Veldensteiner so gut funktionierte. Und das tat es auch im Werk; es war voll, laut, heiß, überfüllt und eine wahnsinnig tolle Stimmung. Es gab tatsächlich ein paar Probleme beim Einlass, einige Besucher durften nicht herein und mussten von draußen dem Konzert lauschen. Und das war wieder wirklich gut. Der Klang im Werk machte das Ganze wieder zu einem besonderen Auftritt. So wie die Vroudenspil-Mitglieder hatten auch Schandmaul viel Spaß auf der Bühne, diesmal ohne Tonprobleme. Und zum zweiten Mal überzeugte mich die Band. Ich konnte mich wieder darauf einlassen und mitfeiern.
Es war ein großartiger Abend mit sehr, sehr guter Musik und viel Spaß. Vroudenspil und Schandmaul: Eine durchaus gelungene Kombination.

21.07.2012 Veldenstein Festival

Die Burg mit Ambiente

Ein tolles Ambiente für ein wundervolles Festival bietet die Burg Veldenstein in Neuhaus an der Pegnitz. Bereits zum elften Mal versammelten sich die Freunde und Fans dieses besonderen Events im Burghof. Diesmal war es ratsam, Regenjacke und warme Kleidung im Gepäck zu haben, denn der Wettergott meinte es in diesem Jahr nicht gut. Doch es kam bei weitem nicht so schlimm wie erwartet und von den Meteorologen behauptet. Ein paar kurze heftige Schauer mussten die Besucher über sich ergehen lassen. Den meisten machte es aber überhaupt nichts aus und sie ließen sich ihre Fröhlichkeit nicht nehmen.

Pünktlich um 14 Uhr betrat Donar von Rabenschrey die Bühne, begrüßte das Publikum und kündigte die erste Band an. Den Auftakt durften Vermaledeyt aus Memmingen machen, die nach ihrem Auftritt die Pausen auf dem Mittelaltermarkt musikalisch verkürzten. Die junge Band überzeugte schnell mit ihren mittelalterlichen Klängen, die ersten Anwesenden begannen im Hof zu tanzen, die ersten Füllhörner streckten sich dem Himmel entgegen. Die Jugendlichkeit der Mitglieder konnte man deutlich in den Stücken hören: beschwingt, viel Elan und Fröhlichkeit. Der Mix aus deutschen und französischen Texten vermittelt ein unvergessliches Flair.

Die Band Rabenschrey gehört auf dem Veldensteiner Festival schon fast zum Inventar. So waren sie auch in diesem Jahr wieder auf dem Line-Up zu finden. Mit neuen Bühnenoutfits und neuem Make-up stellten sie sich dem angeheiztem Publikum gegenüber. Der Jubel klappte an diesem Tag nicht so besonders, vielleicht fehlten die zusätzlichen Endorphine der Sonne. In gewohnt rockiger Manier und bei bester Laune unterhielt Donar seine Fans mit bekannten alten Stücken wie „Dreckstück“, „Wir sind Heiden“ und natürlich auch „Walhalla“. Am 31.08.2012 erscheint die neue CD Hart aber ehrlich auf dem Musikmarkt. Einen kleinen Vorgeschmack hatte die Band für die Anwesenden im Gepäck. Die Stücke schienen sehr gut anzukommen und sicherlich wird die ein oder andere Scheibe über die Ladentheke gehen.

Schon eine halbe Ewigkeit sind die Mannen von Tanzwut auf den Beinen und auf den Bühnen unterwegs. Mit viel elektronischen Klängen und einem harten Industrialsound trafen sie genau den Geschmack des Publikums, wer jetzt noch saß, war entweder schon betrunken oder mochte die Band halt einfach nicht. Tanzwut wissen, wie sie sich in Szene setzen müssen, gekonnt binden sie ihre Fans mit ein und schaffen es auch die letzten Reihen zum Tanzen zu animieren. Im letzten Jahr brachten sie Weiße Nächte heraus; ein durchaus gelungenes Album, wie die Anwesenden mit Applaus bestätigten. Ein altbewährtes Stück durfte aber auch nicht fehlen, ohne „Bitte Bitte“ durften Tanzwut die Bühne nicht verlassen.

Die eigenwillig geformte Zigarette, die Donar während der nächsten Ankündigung rauchte, ließ schon erahnen, welche Band nun kommen sollte. Die niederländische Gruppe Omnia nahm ihren Platz auf der Bühne ein. Nach vielen elektronischen Klängen kehrte nun etwas Ruhe und Besinnlichkeit ein. Unterstützt von Harfe und Didgeridoo versetzten Jenny und Sic ihre Fans in einen Traum. Leider schüttete es bei diesem Auftritt dermaßen, dass doch viele versuchten, Zuflucht unter einem schützenden Dach zu finden. Laut Sic rächte sich Gott wohl in diesem Moment an den Menschen, die Umwelt und Natur nicht achten und schützen. Musikalisch gab es nichts auszusetzen, aber es fehlte ein bisschen an Schwung und Lebendigkeit.

Dass Fiddler’s Green eine Garantie für gute Stimmung und viel Spaß sind, bewiesen sie auch an diesem Abend. In der letzten Zeit waren sie recht viel unterwegs und ihre Stimmen hatten nicht viel Schonzeit. Wer nun meint: Die müssen doch auch mal müde werden, den muss ich enttäuschen: Ihr Bühnenprogramm riss jeden mit, gute irische Folkmusik, die einfach in Mark und Bein überging. Es ist immer wieder ein Genuss, diesen gutgelaunten Musikern zuzusehen und zuzuhören. Da kann man definitiv nichts falsch machen. Die Stimmung im Publikum war jedenfalls wieder deutlich gestiegen und die Menschen waren bereit für das große Finale.

In diesem Jahr waren Schandmaul die Headliner. In recht dunkel gehaltenem Bühnenlicht positionierten sich die Musiker und warteten auf ihren Einsatz. Die Klänge unter der beleuchteten Burg zu hören, verzauberte und faszinierte. Nach ein paar Stücken musste Thomas allerdings ein bisschen improvisieren, da es Tonprobleme gab. Doch alle nahmen es mit Humor und die Fehler wurden recht schnell beseitigt. Was mir persönlich an diesem Abend besonders gut gefiel? Schandmaul spielten viele alte Stücke, zum Beispiel: „Die goldene Kette“, „Herren der Winde“, „Vogelfrei“ und „Walpurgisnacht“. Das sind alles Lieder, die mich damals auf die Band aufmerksam gemacht haben. Und ich genoss die Reise in die Vergangenheit, genau wie die restlichen Anwesenden, die mitsangen und im Takt mitwippten. Und das sollte auch zwei Stunden anhalten. Dieser Auftritt war für mich einer der besten, den ich von Schandmaul gesehen habe, deswegen ein sehr gelungener und großartiger Abschluss.

Ein Highlight gab es auf dem Veldensteiner Festival auch noch. Ich warte ja schon seit Jahren darauf, dass ein Heiratsantrag auf der Bühne gemacht wird und an diesem Tag war es soweit. Es war zuckersüß, die Angebetete da oben stehen zu sehen. Erst der überraschte Ausdruck in ihrem Gesicht, gefolgt von strahlendem Lächeln, Berührtheit und Glück. Möge den beiden eine schöne Zukunft mit viel Liebe bevorstehen. Alles Gute.
Leider sieht es für ein erneutes Veldensteiner Festival im nächsten Jahr sehr schlecht aus. Der bisherige Pächter steigt aus und es wird immer noch ein Nachfolger gesucht. Drücken wir die Daumen, dass die Tradition fortgesetzt werden kann.

05.05.12: Die Apokalyptischen Reiter im Hirsch Nürnberg

Reiter rocken im heißen Hirsch

Konzerte beginnen nicht mit dem ersten Ton, nein, sie beginnen bereits vor dem Einlass. Da stehen viele schwarzgekleidete Personen und lauschen dem letzten Soundcheck, manche hauen sich noch schnell eine Pizza rein oder trinken das Bier aus, das sie in Händen halten. Man begrüßt sich, hört im Auto Musik, raucht. Es ist eigentlich eine sehr friedliche Sache und auch wenn man es uns nicht zutraut: Wir stellen uns brav und ohne zu drängeln in einer Schlange an, auf den Einlass wartend. Dennoch ist es faszinierend, wie die Außenwelt auf uns reagiert: Da ist der ältere Herr auf seinem Abendspaziergang und wird natürlich aufmerksam. Als schließlich Musik einsetzt, mit viel Drums und Bass, bleibt er stehen, die Augen nehmen einen ängstlichen Ausdruck an. Er guckt um sich, macht noch ein paar Schritte und wendet sich dann in die Richtung, aus der er gekommen ist, um in erhöhtem Tempo wegzukommen. Und da sind die beiden Jungs, die eigentlich schon ganz cool sind und einer von ihnen hat sogar leuchtendgrüne Sportschuhe an – vermutlich hat die auch sein Fußballidol. Nein, durch die Menge der Schwarzgewandeten trauen sie sich dann doch nicht und auch nicht an uns vorbei. Man weiß ja nie… Da versagt die Coolness ein wenig. Aber schmunzeln können wir darüber, schließlich sind wir das ja gewohnt.

„Ihr habt gutes Bier!“

Im Hirsch selbst ist noch gar nicht so viel los, wie zuerst vermutet. 18:00 Uhr ist auch am Samstag zu früh, um auf ein Konzert zu gehen. Viele sitzen draußen oder stehen an der Bar. Als es dunkel wird, betreten fünf Männer die Bühne und machen bereits mit den ersten rockigen Klängen auf sich aufmerksam. Als Malrun aus Dänemark stellen sie sich vor, zunächst noch auf Englisch. Sie rocken, sind gut drauf und schaffen es, ihre gute Laune langsam auf das Publikum zu übertragen. Und tatsächlich: Der Hirsch füllt sich immer mehr und Malrun geben Gas. Jacob Lobner, Leader und kraftvolle Stimme der Band, spricht schließlich Deutsch und erklärt, dass er total begeistert davon ist, mit den Apokalyptischen Reitern unterwegs zu sein. Wir seien sicherlich überrascht, weshalb er „ein bisschen“ unsere Sprache spreche: Er habe als Kind immer deutsche Serien geguckt. Fernsehen bildet eben doch. Sofort geht es weiter. Die Dänen bieten Rock, gemischt mit Shouts und hymnischen Elementen. Es scheint kein fester Stil zu sein, kein reines Genre, das sie liefern, aber genau das macht sie hörenswert: die Abwechslung. Manchmal erinnern sie sogar ein bisschen an Queen, wenn Jacob den Arm in den Himmel – oder zumindest zur Saaldecke – reckt, die Augen schließt und seine Textzeilen ins Mikro schmettert.
Gute Riffs bieten sie, hier fällt mir spontan HammerFall ein, und dann sogar Passagen, die richtig guter Black Metal sind. Ich kann sie nicht einordnen, aber das ist vielleicht auch gar nicht nötig. Wichtig ist, dass Malrun rocken und die Stimmung schon mal gut anheizen. Nach vierzig Minuten ist es vorbei und die Dänen teilen uns noch zwei Erkenntnisse mit: „Mann, die Jungs (Anm. d. Red.: Die Apokalyptischen Reiter) können saufen!“ und: „Ihr (Anm. d. Red.: Deutschen) habt gutes Bier!“. Dem kann man einfach nicht widersprechen.

Neue Schuhe

Der Umbau geht schnell vonstatten und auf der Bühne gibt es für den zweiten Support etwas mehr Bewegungsfreiheit. Diese hatte Malrun absolut gefehlt.
Mit Drums, Percussion, Bass, Gitarre, einem Sänger und einer fetzigen Sängerin geht es weiter. Bevor Kontrust die Bühne erobern, ertönt Jahrmarktsmusik, dann diabolisches Lachen, als beträte man ein Gruselkabinett. Diese Elemente wiederholen sich auch während des Auftritts immer wieder.
Nun stürmt aber endlich die Band auf die Bühne und legt sofort los. Aus Wien kommen sie und einmal mehr wird festgestellt, dass Bayern und Österreich ja doch irgendwie zusammengehören.
Sänger Stefan zeigt sich omnipräsent: Er nimmt die gesamte Bühne ein, tanzt, springt, rennt von einer Seite zur anderen, spielt mit den Mikroständern, die mit Fahnen geschmückt sind und ist kaum zu fassen. Voll in seinem Element singt er, flirtet mit Publikum und Bandkollegin Agatha, die ebenfalls wilde Textzeilen ins Mikro schreit.
Ihre Ansagen sind lang, die beiden unterhalten sich, haben Spaß und übertragen diesen auf die Zuschauer, die mittlerweile zahlreich geworden sind und ordentlich mitfeiern.
Einen politischen Song wollen sie darbieten und fragen, wo die Streber sind. Doch wer würde sich schon freiwillig als ein solcher outen? Niemand, genau. Daher meint Agatha auch „Keiner? Das ist so, wie: Keiner wählt FDP. Wobei, mittlerweile tuts doch jeder!“ Sogar an deutscher Politik scheinen sie interessiert zu sein, ist einen Tag nach dem Konzert doch Landtagswahl in Schleswig-Holstein.
Kontrust werden sehr gut angenommen: Bei ihnen klatscht man den Takt mit, singt einzelne Zeilen nach und macht auch mit, wenn es gefordert wird. Bei einem Song werden Feuerzeuge geschwenkt, beim nächsten schüttelt das Publikum begeistert die Köpfe und schwingt die Arme durch die Luft. Ihre Musik zu beschreiben ist gar nicht so einfach. Teilweise könnte man sie als Punk bezeichnen, am besten kann man sich Kontrust aber vorstellen, wenn man an die Guano Apes denkt. Eine sehr sympathische Frontfrau, ein äußerst agiler Sänger und die Instrumentalisten verstehen ihr Handwerk.
Vergangene Woche erst wurde das neue Album „Second Hand Wonderland“ veröffentlicht und natürlich bekommen wir einige Songs daraus zu hören. Zwischendurch erfahren wir auch noch, dass Stefan neue Schuhe braucht, mit Klettverschluss, aber keiner möchte seine abgeben. Schade. Doch es bleibt keine Zeit für Traurigkeit, denn das nächste Lied reißt mit: Mit viel Bass, schnellem Rhythmus und der Aufforderung, zu „jumpen“, wird weitergefeiert. Nach 45 Minuten steht fest: Nürnberg mag die Österreicher – und die finden die Stimmung „leider geil“!

„Die Sonne scheint mir aus dem…“

Der Umbau ist rasch abgeschlossen an diesem Abend. Das reicht für eine Zigarette, den letzten Schluck Bier und das Vordrängeln in die ersten Reihen. Der Hirsch ist mittlerweile bis auf den letzten Platz gefüllt und das Publikum wird unruhig. „Wir wollen die Reiter sehen!“, wird lautstark bekanntgegeben und es missfällt manchen, dass ein schwarzer Vorhang aufgehängt wurde, damit die Umbauarbeiten nicht verfolgt werden können. Außerdem wird dieser bei Konzertbeginn von hinten mit grünen Lichtern angestrahlt, während ein langer Text vorgetragen wird – der niemanden zu interessieren scheint und der leider in oben genannten Rufen untergeht. Doch endlich stehen die Reiter auf der Bühne, der Vorhang fällt, die Musik erklingt und man sieht… nicht ganz so viel: Hauptsächlich ist da Nebel, der nur die Silhouetten von Gitarrist Ady und Bassist Volk-Man enthüllt. Die legen sich auch gleich ins Zeug, genauso wie der unsichtbare Schlagzeuger Sir G. Von einer kleinen Erhöhung im hinteren Teil der Bühne springt schließlich Fuchs nach vorne und beginnt eine exzellente Show. Die Töne sitzen, die Texte werden uns entgegen geschmettert und der Sänger läuft hin und her, dreht sich, grinst und gibt bereits jetzt alles.
Die Menge dankt es ihm. Es wird gemosht, wild mit den Haaren um sich geschlagen, im Takt geklatscht. Auch erweisen sich die zahlreichen Fans als äußerst textsicher: Eigentlich könnte Fuchs still bleiben, jeder noch so kurze Vers ist bekannt. Die Stimmung ist großartig! Einige Mutige lassen sich auf Händen von der Menge tragen, einmal durch den ganzen Hirsch. Zwischendurch wird auch die Kanone gezündet, die auf der Bühne steht und Papierschnipsel in die ersten Reihen pustet.
Es wird wärmer, nein, es wird brütend heiß! Wie das die ersten Reihen aushalten, die so dicht stehen, dass die sprichwörtliche Maus nicht mehr dazwischen passt, ist mir ein Rätsel. Immerhin wird auf Bitte des Sängers hin Wasser verteilt – das scheint auch dringend notwendig zu sein.
Bewundernswert ist der Gitarrist, der die ganze Zeit über ein Lächeln auf den Lippen trägt, das zeigt, wie viel Freude er an dem Gig hat.
Ach ja, nicht zu vergessen der Keyboarder. Dr. Pest im gewohnten knappen Lederoutfit und hin und wieder die aufgebaute „Schaukel“ benutzend, steht zwar im Hintergrund, trotzdem ist seine Show perfekt. Sichtlich Freude bereitet ihm das Schwingen der Lederpeitsche.
Musikalisch bieten die Reiter das, was sie versprochen haben: The greatest of the best. „Wir reiten“ animiert zum Feuerzeug-Schwenken und ist nahezu das einzige ruhige Lied auf der Setlist. Die Nebelmaschinen sprühen drei Rauchsäulen in die Höhe, die mit rotem Licht angestrahlt werden: Die Effekte sind gekonnt eingesetzt.
Wo es passt, stimmt das Publikum „Hey“-Rufe an, da bedarf es nicht einmal mehr einer Aufforderung.
Die Reiter hauen ordentlich rein. Gewohnt schnelle Rhythmen, viel Bass, wirklich guter Sound und eine tolle Show. Auch die Hitze kann die Fünf von nichts abhalten. Anfangs wechselt Fuchs noch sein Hemd, tauscht es gegen Weste oder gar einen langen Mantel ein, schließlich aber steht er oben ohne da.
Ein Keyboardsolo sorgt für eine kurze Verschnaufpause, doch die ist auch schnell wieder vorbei. Es geht weiter mit Songs wie „Die Flut“, „The Iron Fist“ oder „Reitermania“. Auch das „Seemannslied“ fehlt nicht. Ein weiblicher Fan wird in ein knallschwarzes Gummiboot gesetzt und einmal durch den Hirsch über die Köpfe der Zuschauer getragen. Die Seemannsbraut wagt dann auch noch ein Tänzchen mit Fuchs auf der Bühne und grölt den Refrain mit.
Ob es die danach geforderte Wall of death wirklich gibt, kann ich nicht sehen.
Nach etwa einer Stunde verschwinden die Reiter, aber man will sie noch nicht gehen lassen. Klar, sie lassen sich nicht lange bitten und kommen zurück. Drei Songs werden gespielt und der emotionalste Moment des Abends ist wohl der Refrain von „Roll My Heart“, der einstimmig von den Anwesenden gesungen wird. Es klingt nach eher tausend Zuschauern, nicht nur nach geschätzten 300.
Die Musiker sind noch nicht einmal von der Bühne gegangen, da ertönt erneut der einstimmige Ruf nach einer weiteren Zugabe. Wir haben noch lange nicht genug, auch wenn es brütend heiß ist.
Ja, es gibt noch ein letztes Lied und auch wenn es unmöglich scheint, drehen Band und Publikum noch einmal auf. Die letzten Reserven werden zusammengekratzt, nun headbangen auch die hintersten Reihen und grölen mit. Und ja, uns allen scheint in diesem Moment „die Sonne aus dem Arsch“. Es ist eine berauschende Stimmung, wie auf einem Festival vor der Hauptbühne. Unglaublich, wie Die Apokalyptischen Reiter begeistern, wie stark die Anwesenden mitgehen.

Fazit für diesen Abend: Drei tolle Bands und ein fantastisches Publikum. Die Reiter haben das Beste vom Besten gezeigt – nur leider viel zu kurz.

24.02.12: Eisbrecher + Lord Of The Lost im Löwensaal Nürnberg

Stimmengewalt aus St. Pauli trifft Münchener Härte


Chris „The Lord“ Harms in seinem Element
Der Löwensaal ist gut gefüllt mit Eisbrecher-Fans und wir warten sehnsüchtig darauf, dass es losgeht. Um 20 Uhr kommt dann auch schon ein gut gelaunter Alexx auf die Bühne und begrüßt uns mit einem Lächeln. Im Zoo war er gewesen, er hat den Eisbären – Flocke, wie wir dann herausfinden – besuchen wollen. Nur ist Flocke in der „für Eisbären typischen Umgebung“, nämlich in Frankreich. Dafür waren die Geschwister da und der Papa, der etwas seltsam im Kreis lief. Kleine Anekdoten aus dem Hause Wesselsky und wir haben Spaß dran.
Doch dann wird es ernst, denn Alexx kündigt endlich seine guten Freunde aus St. Pauli, Hamburg an: Lord of the Lost. Die kommen nach und nach auf die Bühne, die von blauem Licht erhellt wird. Ganz zum Schluss läuft Chris Harms ans Mikro und es geht los. Die Band gibt von Beginn an alles, lässt gleich einen Song hören, der auf das neue Album kommen soll, das aber erst im September erscheinen wird. Die Menge geht mit. Nürnberg scheint die Hamburger zu lieben, die eine tolle Show abliefern. Nicht nur der neue Drummer Disco, der zum ersten Mal in der Frankenmetropole spielt, gibt Vollgas und bewährt sich bei dieser Show. Gared Dirge ist an der Gitarre zu sehen und gibt ein wirklich gutes Bild ab, wenngleich für einige etwas ungewohnt. Bo Six spielt wie immer mit viel Leidenschaft auf seiner Cyan, „Musik ist meine Religion“, gibt er selbst an, was bereits nach den ersten Akkorden überdeutlich ist. Class Grenayde bedient seinen Bass, während er ordentlich headbangt und leider sehr schlecht beleuchtet wird. Lord of the Lost spielen ein Gemisch aus alten und neuen Songs und heizen damit ordentlich ein. Die Temperatur im Löwensaal steigt und das Publikum steht nicht mehr still. Es wird geschrien, geklatscht, mitgesungen – und da ist es egal, ob das Lied noch gar nicht auf Platte ist, die Refrains sind eingängig genug. Sänger Harms mit seiner unverkennbar tiefen Stimme beweist einmal mehr, was er kann. Ob es sanfte Klänge sind oder die Schreie ins Mikro, die zeigen, wie er lebt, was er singt: Es gelingt und begeistert bis in die letzten Reihen.
Selbst auf der Empore, wo der Sound nicht ganz klar ankommt, findet man die teilweise komplett unbekannten Hamburger spitze und möchte mehr, mehr, mehr!


Hochkonzentriert an der Gitarre: Bo Six

Für eine Supportband selten, darf die Truppe fast 50 Minuten auf der Bühne stehen und nutzt das auch voll aus. Mit dabei das Lady Gaga Cover „Bad Romance“, das wohl nur ein Chris Harms derart überzeugend adaptieren kann, das wundervolle „Dry The Rain“, dessen Refrain kurzerhand das Publikum singen darf und zum Schluss ein Schmankerl, „Eure Siege“. Denn Alexx und Chris waren nicht faul und haben sich zusammengesetzt und ein paar Lieder geschrieben. „Eure Siege“ klingt so sehr nach dem Eisbrecher-Sänger, dass Chris diese Info gar nicht weiterleiten bräuchte. Vollkommen untypisch ist das Stück auch noch auf Deutsch. Er passt nicht in das Lord of the Lost-Konzept, das sich dem Englischen verhaftet sieht. Daher sind die eingefleischten Fans der Band auch skeptisch. Und doch: Der Lord wäre nicht der Lord, wenn er nicht auch diese vermeintliche Hürde meistern würde und zwischenzeitlich fragt mich wirklich jemand – der keine Sicht auf die Bühne hat: „Wer singt denn da? Steht Alexx schon da vorne?“ Nein, tut er nicht. Deutsche Songs – gerne mehr, aber unter anderem Namen.
Unter großen Jubel verlassen sie die Bühne und haben in Nürnberg mit Sicherheit viele neue Fans dazugewonnen. Chris Harms verabschiedet sich und stellt gleichzeitig „meine besten Freunde, meine Familie“ vor; schöne Worte, die zeigen, wie sehr die „LotLs“ zusammengehören.
Die Hamburger sind eine Band zum Anfassen, nehmen sich danach viel Zeit für jeden Fan und jeden Fotowunsch und können sich selbst kaum losreißen, als die Halle bereits geräumt wird.


Alexx Wesselsky heizte die Stimmung an

Die Umbaupause ist vor allem dadurch gefüllt, dass die Security verzweifelt, weil der Support einen Teil des Equipments durch das Publikum tragen muss und natürlich niemand zur Seite gehen will. Jeder drängt nach vorne, auch wenn dort nicht einmal mehr für die sprichwörtliche Maus Platz ist. Das Konzert ist ausverkauft, manch einer kommt auch erst zum Hauptact in den Löwensaal, der kocht. Es ist derart heiß, dass die Frauen tiefe Einblicke gewähren und die Herren, sofern sie denn im Anzug gekommen sind, ihre Krawatten lockern. Auf der Empore sind die Türen zu den kleinen Balkonen geöffnet worden, um dort frische Luft zu schnappen – doch es dringt derartig viel heiße Luft nach draußen, dass man von der Kühle überhaupt nichts abbekommt.
Endlich wird es dunkel, endlich beginnt das Intro und endlich kommen die Eisbrecher auf die Bühne und rocken den Saal. Textsicher wird mitgegrölt, Alexx lautstark empfangen, der sogleich den ersten Song ins Publikum drischt. Der Sänger ist bester Laune und überträgt diese auf jeden Anwesenden. Immer wieder spricht er uns an, freut sich, dass so viele da sind, dass die Tour und das aktuelle Album „Die Hölle muss warten“ derart erfolgreich sind. Er bedankt sich bei den Fans, „weil man das ja auch mal sagen muss“, dabei haben wir zu danken für einen solch grandiosen Auftritt.
Wo es nur geht wird getanzt, die Arme sind oben, der Takt wird mitgeklatscht. Nicht nur das neue Album kommt zur Sprache, auch alte Songs werden dargeboten und gerne einmal mehr live erlebt.
Die herumgereichte Flasche findet nicht den Weg zurück zu Alexx – das sei in München auch schon so gewesen, aber so seien die Bayern halt. Immerhin ist er sich bewusst, dass Franken doch etwas ganz anderes ist und nur auf dem Papier zum Freistaat gehört. Dafür brillieren wir aber damit, dass wir das erste Publikum sind, das den Takt richtig mitklatscht. Verwunderte Blicke, denn bei „Vergissmeinnicht“ sollte diese Aufgabe eigentlich leicht zu bewerkstelligen sein.
Aber Alexx kommt dann doch noch zu seinem Wodka und der Sprechchor „Trink, trink, trink“ beginnt. Natürlich kommt der Sänger dieser Aufforderung nach, setzt dann aber doch die Flasche ab und meint schmunzelnd: „Die restlichen Lieder müsst ihr singen!“ Damit haben wir kein Problem, nur hätte Wesselsky seine Setlist nicht verunstaltet, wüssten sowohl er als auch wir, welches überhaupt das nächste Stück sein wird.
Aber zum Glück sind wir ja alle verrückt – das beweist auch unsere Anwesenheit in dem viel zu engen, viel zu stickigen Löwensaal. Da wundert es auch nicht, wenn sich jemand nicht mehr auf den Beinen halten kann.


„Zum Glück bin ich verrückt“ – Noel Pix tobte über die Bühne

Vor zwei Wochen entbrannte – angestoßen von Lord of the Lost Fans – eine Diskussion über die Kommerzialisierung deutscher Bands. In diesem Rahmen wagte es auch eine Person, Eisbrecher als „Schlager“ abzustempeln, eine etwas unglückliche Formulierung, die eine heiße Debatte nach sich zog, an der sich auch Alexx beteiligte. Ob er sich deshalb den Scherz erlaubt und tatsächlich Schlager anstimmt? Nun, das weiß keiner so genau. Zuerst gibt es vereinzelt Buhrufe, was aber Eisbrecher nicht von ihrem Vorhaben, „Tränen lügen nicht“ zu performen, abbringt. Viel irritierender ist die Textsicherheit der Anwesenden, die kurzerhand den Gesang übernehmen, Feuerzeuge oder sogar Wunderkerzen auspacken und das Schunkeln anfangen. Vielleicht waren wir alle einmal jung und dumm und wir können das als Jugendsünde abtun. Und „Mir san a bairische Band“ ist ja nun auch korrekt und auch wenn die Franken mit dem Dialekt so ihre Probleme haben, sie singen trotzdem mit – und können auch hier jede einzelne Zeile. Wie seltsam das Eisbrecher-Völkchen doch manchmal ist.
Der Spaßfaktor ist allerdings nicht zu unterschätzen und die Band tut uns dann auch den Gefallen und haut den nächsten Kulthit raus.
Über eine Stunde stehen sie auf der Bühne und geben alles. Ich frage mich ernsthaft, wie man das bei der Hitze, die durch das Scheinwerferlicht und die körperliche Betätigung noch verstärkt wird, aushalten kann – zumal sich Eisbrecher im Vergleich zu den St. Pauli Jungs nicht ihrer Oberbekleidung entledigen. Großen Respekt dafür!
Ja, wir bekommen eine Zugabe und ja, man kann eine Bombenstimmung toppen, auch wenn ich das nicht für möglich gehalten hätte. Alexx hat vor Jahren für seine ehemalige Band Megaherz einen Song geschrieben, der Männern und auch so mancher Frau aus der Seele spricht: „Miststück“. Wir singen, brüllen, die Wut kommt raus, die Köpfe werden geschüttelt, die Arme fliegen in die Luft. Ein bisschen wird noch geübt, damit das Publikum dann auch seinen Einsatz nicht verpasst, noch einmal der Refrain, und noch einmal und noch einmal. Keiner scheint genug bekommen zu können und Eisbrecher unterlegen das Ganze zusätzlich mit viel Drums und schließlich mit noch mehr Bass. Der Song scheint endlos weiterzugehen und als es dann doch vorbei ist, besteht der ganze Löwensaal nur aus Jubel und „Eisbrecher“-Rufen.
Es war ein derart gelungener Auftritt, dass man kaum nach Hause gehen möchte und vor allem einen Wunsch hat: Kommt bitte ganz schnell wieder nach Franken – „Die Hölle muss warten“, aber wir bitte nicht zu lange!


Für Alexx ist es noch lange nicht Zeit zu gehen


Setliste Lord of the Lost
Intro 2012
Live Today / Black Lolita
Sex On Legs
Die Without A Scar
Heart For Sale
Bad Romance
Prison Piano
Prison
Epiphany
Break Your Heart / Prologue
Dry The Rain
Verabschiedung 
Eure Siege

Setliste Eisbrecher

Exzess Express
Willkommen Im Nichts
Angst
Abgrund
Verrückt
Antikörper
Leider
Herz aus Eis
Amok
Tränen Lügen Nicht / Mir San A Bairische Band
Die Engel
Prototyp
Vergissmeinnicht
Schwarze Witwe
Heilig
This is Deutsch
Zugabe I
Kann Denn Liebe Sünde Sein
Ohne Dich
Miststück
Zugabe II
Die Hölle Muss Warten

02.02.12 – Megaherz + Hämatom im Hirsch Nürnberg

„Ohne Sünde wär’s hier so langweilig“

Der Hirsch in Nürnberg füllt sich nur langsam. Die erste Reihe ist dichtbesetzt, Hauptsache eine Hand am Gitter, dahinter ist es leer. An der Bar tummeln sich einige Besucher, aber es scheint nicht voll zu werden heute Abend.
Weit gefehlt. Denn kurz bevor Hämatom auf die Bühne stürmen, füllt sich die Location doch und die ersten Sprechchöre rufen nach der Band. Die startet gleich voll durch, holzt drauf los und gibt mit dem ersten Song an, wo der musikalische Hammer an diesem Abend hängt. Das Publikum ist zweigeteilt: Entweder sind da kreischende Fans, die allem Anschein nach dieser Band hinterher reisen und jede einzelne Note der Songs im Schlaf kennen, oder aber es sind verwunderte Blicke derer, denen Hämatom noch fremd ist.
Während Sänger Nord sich die Seele aus dem Leib singt, drischt Drummer Süd auf sein Drumset ein. Die Hände sind oben, die Köpfe werden geschüttelt und die Texte laut mitgesungen. Mir fällt auf, dass viele Passagen der Lieder aus Sprichwörtern oder Kinderreimen bestehen, da fällt es nicht sehr schwer, beim zweiten Refrain auch die Stimme zu erheben.
Mit Totenkopfmasken, Spitznieten auf dem Kopf oder einer Henkersmaske präsentieren sich die vier Musiker gut gelaunt einem Publikum, das immer mehr Spaß an der Musik entwickelt. Man rückt nach vorne, klatscht mit, jubelt – und findet es toll, dass beim EAV-Cover „Willkommen im Neandertal“ ein Gorilla auf die Bühne kommt und sich hinter Percussions stellt. Selbiger tritt aber auch an den Bühnenrand und headbangt, wenn er sonst nichts zu tun hat. Ein gelungener Gag. Auch der Schnipselregen, der über die Fans ergossen wird, ist eine nette kleine Idee.
Viel Leidenschaft zeigt neben dem Sänger, der noch schnell „Spieglein“ zum Besten gibt und seinen Hass auf Heidi Klum und Topmodels rausbrüllt – sehr zur Freude der anwesenden Weiblichkeit -, auch Schlagzeuger Süd hinter seinen Drums. Dabei muss das arme Instrument dran glauben und ein Becken geht zu Boden.
Auch kritische Töne werden angeschlagen und so wird ein Schild hochgehalten, auf dem der letzte Refrain zum Mitsingen steht: „Schau, sie spielen Krieg. Ob er ihn wohl besiegt? Jetzt bluten sie aus Kopf und Bein, so doof muss man erst sein.“
Ein gelungener Auftritt von Hämatom, die dem Publikum ordentlich einheizen und Nackenschmerzen verursachen. Sie haben heute Abend sicherlich neue Fans dazugewonnen.

 


„Halb ausgezogen, aber glücklich.“

Die Umbaupause dauert nicht allzu lange. Es müssen schließlich nur die Bühne leergeräumt und das Schlagzeug ausgepackt werden. Es wird dunkel, Drummer Bam Bam stolpert auf die Bühne, findet aber doch noch seinen Platz. Nach und nach erscheinen die anderen Musiker, bis schließlich unter lauten Jubelrufen Lex nach vorne kommt und auch sofort loslegt. Das Publikum ist erstaunt, aber begeistert: Megaherz beginnen nicht mit den Songs des neuen Albums, sondern mit altbekannten Liedern, wie „Glas und Tränen“, „Beiß mich“ und „5. März“. Da kann jeder mitsingen und das wird auch getan. Auf diese Weise können auch die mithalten, die mit den neuen Texten noch nicht so vertraut sind. Lex spricht Nürnberg an, nimmt die ganze Bühne ein, läuft herum, tanzt, bangt, flirtet mit den Kameras und der ersten Reihe. Er ist gut gelaunt und auch wenn er einige Tage zuvor ankündigte, die Stimme sei angeschlagen: Davon ist nichts zu bemerken und der Sänger gibt wirklich alles. Die Band hat sichtlich Spaß, grinst, bewegt sich, animiert immer wieder zum Mitklatschen oder -singen.
Mit „Jagdzeit“ wird dann aber endlich Neues vom aktuellen Album „Götterdämmerung“ präsentiert. Der Hirsch kocht geradezu. Es wird gemosht, was das Zeug hält und in den ersten Reihen steht man dicht gedrängt, obwohl nach hinten viel Platz wäre. Die auftretenden Soundprobleme werden rasch behoben, viele bekommen davon nicht einmal was mit.
Zwischen den einzelnen Songs steht Lex lächelnd auf der Bühne, ruft den anderen Bandmitgliedern etwas zu oder zieht sich kurz um. Das schwarze Sakko wird gegen ein weißes ausgetauscht, das Licht wird zu einem bläulichen Schimmer und der „Mann im Mond“ steht allem Anschein nach wahrhaftig vor uns. Mit Gefühl präsentiert der Sänger den neuen Song und kommt damit gut an. Wie spontan der Ausflug ins Publikum war, weiß ich nicht. Jedenfalls stand „Freiflug“ nicht auf der Setlist. Der Sänger rutscht von der Bühne, dreht sich auf den Rücken und wird auf Händen getragen. Passend dazu sein Gesang: „Und ich flieg…“. Lex fliegt auf den Händen seiner Fans einmal quer durch den Hirsch. Mit einem Grinsen gelangt er schließlich wieder auf die Bühne und zupft seine Klamotten zurecht. „Halb ausgezogen, aber glücklich“, murmelt er.
Beim „Rabenvater“ wird sowohl auf als auch vor der Bühne der ganze Hass rausgebrüllt, ein ernstes und unschönes Thema, das Megaherz hier anschneiden.
Nach einer Stunde ist es vorbei und die Band verlässt die Bühne. Es gibt nicht einmal groß Applaus dafür, im Gegenteil: Sofort ertönen die Zugabe-Rufe und man muss Megaherz auch nicht lange bitten. Wunderkerzen werden verteilt und angezündet, „Happy birthday“ wird angestimmt und Lex setzt sich auf einen Barhocker auf die Bühne, grinst und bedankt sich. Überhaupt lacht der Frontmann ziemlich viel. Die gute Laune ist überdeutlich und ich habe noch nie einen Sänger derart gelöst auf der Bühne stehen sehen.
Drei Lieder gibt es, das Publikum wird zum Tanzen aufgefordert und interpretiert das ziemlich frei: Irgendwas zwischen Hüpfen, Bangen und tatsächlichen Tanzschritten wird versucht. Doch auch danach hat der Hirsch noch nicht genug und Lex kommt erneut nach vorne. Da die „alten Herren“ noch eine kurze Raucherpause brauchen, die Sucht will schließlich befriedigt werden, unterhält er die Fans mit einer etwas wirren Geschichte über lange Unterhosen, die er aber nicht trägt trotz der Kälte und seinen deshalb abgefrorenen Eiern, alles natürlich nur uns zuliebe.
Nach „Heute Nacht“ wird noch mal eines der schönen, alten Stücke ausgegraben. Denkt man, dass die Stimmung nicht noch besser, noch aufgeheizter werden könnte, wird man nun eines Besseren belehrt. Der Saal tobt! Lautstark wird mitgesungen, sich in den Armen gehalten, gebangt und mit den Fäusten in die Luft geschlagen, als jeder voller Inbrunst „Miststück“ brüllt. Vermutlich haben alle Anwesenden ein solches vor dem inneren Auge, das er gerade anbrüllt.
Zufrieden verlassen Megaherz nun die Bühne.

Es war ein toller Abend, beide Bands haben alles gegeben und berauschende Auftritte hingelegt. Der Nacken wird noch etwas schmerzen und die Stimme erst morgen zurückkommen, aber das war es wert.


Setlist Megaherz
Intro
Glas und Tränen
Beiss mich
5. März
Kopfschuss
Jagdzeit
Prellbock
Mann im Mond
Herz aus Gold
Dein Herz schlägt
Freiflug
Rabenvater
Feindbild
Gott sein
1. Zugabe
Licht am Ende der Welt
Abendstern
Heuchler
2. Zugabe
Heute Nacht
Miststück

19.01.12: Coppelius und Cellolitis im Hirsch Nürnberg

Umbra und Niko spalten den Hirsch

Es ist 20 Uhr in Nürnberg und die Bühne betritt ein einsamer Mann mit seinem Cello. Darf ich vorstellen: Umbra, so heißt das Instrument und der Musiker ist Nikolaus Herdieckerhoff. Zusammen sind sie Cellolitis. Bereits hier merkt man die Leidenschaft und die Freude an der Musik. Bei der allgemeinen Abstimmung über die Vorgruppe bei einem Konzert von Coppelius im Dezember in Berlin – damals gewannen die Piraten von Vroudenspil – bewarb sich der Künstler. So entstand der Kontakt zum Kammercore und anscheinend auch eine Freundschaft. Begeistert erzählt Niko auf der Bühne, dass er mit den Herren im Tourbus, ein Nightliner, fahren darf und welche Ehre es ist, gemeinsam mit ihnen auf der Bühne zu stehen. Ja, manchmal redet er ganz schön viel und erzählt von sich, aber es wird nicht langweilig. Seine Lieder sind selbstgeschriebene Kompositionen oder Eigeninterpretationen großer Werke. Das spricht nicht jeden an. Manche verlassen den Hirsch für die Dauer des Auftritts. Ein bisschen fehlt die Freude in der Musik, die Leichtigkeit, das Einstimmen auf das Konzert. Getragen und sehr ernst geht es auf der Bühne zu, wenn Niko über die Saiten streicht, aber er spielt mit viel Bass und Leidenschaft. Da oben ist es ziemlich dunkel. Nur ein grünlicher Scheinwerfer beleuchtet den Mann mit Hut und Umbra. Irgendwann folgt eine lange Ansage, die davon berichtet, wie Niko zum Cellospielen gekommen ist. Niemand scheint richtig hinzuhören, aber als er am Ende sagt, dass es ihm „scheißegal“ ist, dass das nächste Stück ein recht Bekanntes Werk von Bach ist, da jubeln viele. Hinter mir werden Stimmen laut, die vermuten: „Es wird nur gejubelt, weil er scheißegal gesagt hat.“ Vielleicht ist das so.
Niko scheint teilweise etwas nervös zu sein, wie das Publikum meint, vergreift er sich, spielt falsche Töne. Doch später erfahre ich im Gespräch mit dem Künstler, dass dies keineswegs der Fall war. Das war seine eigene Interpretation und gehörte dazu. Natürlich betritt bald der selbsternannte beste Klarinettist der Welt die Bühne und spielt mit Cellolitis zusammen „Begala E Vena“, die ein paar Tage zuvor schon auf youTube gestellt wurde. Sie passen gut zusammen, die Klarinette und das Cello.
Das vorletzte Stück stellt eine musikalische Untermalung zu Radionachrichten dar. Es geht um Krieg, Leid, Hunger, Tod. Schüsse sind zu hören und wenn man die Augen schließt, sieht man die Bilder aus dem Fernsehen, Bilder vom Krieg, die leise unterlegt werden mit Musik, damit sie noch tragischer rüberkommen. „2017“ heißt das Stück und es gefällt absolut nicht jedem. Die Leute, die um mich herumstehen hoffen, dass dieses Jahr die Welt untergeht, wenn das die Musik ist, die es 2017 geben wird.
Das Publikum ist geteilter Meinung, jubelt und applaudiert aber trotzdem und zollt dem jungen Künstler Respekt. Ich selbst bin sehr zwiegespalten und werde erst mal die beiden CDs anhören, bevor ich mich festlege.

Der Bart ist ab – Coppelius präsentieren sich bestens gelaunt

 

Die Umbaupause ist ziemlich sinnlos, es gibt nämlich gar nichts, das umgebaut werden müsste. Aber die Herren Coppelius lassen sich Zeit. Man ist ja schließlich im gesetzten Alter und das Auditorium kann ruhig warten. Als es endlich dunkel wird, schleicht Butler Bastille mit seiner Laterne auf die Bühne. Wie immer sieht er sich um, ob alles in Ordnung ist, entdeckt die Zuschauer und wählt eine Person aus, die die Lampe auspusten soll. Danach geht alles schnell. Unter großem Jubel des gut gefüllten Hirschs schreiten die Herren auf die Bühne. Kleiner Besetzungswechsel: Der Butler ergreift die Sticks und bearbeitet das Drumset. Nobusama steht stattdessen am Mikro und grölt den bekannten Iron Maiden Song „Running Free“ durch den Saal. Es ist ein sehr guter Auftakt, der gleich die richtige Stimmung bringt. Nach dem ersten Lied werden aber die Plätze wieder getauscht. „Der Advokat“ wird mit passendem Abscheu vorgetragen und bereits jetzt kann man erkennen, dass die Herren ungewöhnlich gut drauf sind. Comte Caspar – mit überraschend wohlgestutztem Bart – lässt sich zu kleinen Scherzen hinreißen, auch musikalischer Art, die seinen Kollegen Max Coppella beinahe aus dem Konzept bringen, muss er doch lachen und gleichzeitig singen. Graf Lindorf schneidet hinter seinem Cello Grimassen, wie der treue Fan es zwar gewohnt ist, jedoch wirkt er gelassener als sonst. Dieses Mal geht er sogar ein Risiko, hat er anscheinend beim Textlernen geschludert. Vielleicht hat ihn auch die besungene „schöne fremde Frau“ aus dem Takt gebracht. Während die Musik brav weiterspielt, sucht er nach Worten, blickt sich verzweifelt um und das Auditorium ist ausnahmsweise nicht schnell genug und kann nicht aushelfen. Prof. Mosh Terpin wuselt immer wieder auf der Bühne herum. Mit seinem Werkzeugkasten ist er mittlerweile zum festen Bestandteil der Liveauftritte geworden und spielt Cembalo.
Dem Butler scheinen die Feiertage nicht ganz so gut bekommen zu sein. Er ist noch schüchterner als sonst, druckst gespielt herum und gibt schließlich zu, dass ihn Menschen nervös machen. Dabei deutet er auf die Herren, die ihre Instrumente neustimmen. Coppelius haben nachgefragt, was die werten Hörer gerne auf der Setlist hätten. Anscheinend wünschte man vor allem die älteren Stücke, denn es wurde auf „Morgenstimmung“, „Urinstinkt“ und das Motörhead-Cover „1916“ zurückgegriffen. Doch das neuere „Ma Rue A Moi“ darf nicht fehlen und Comte Caspar fordert einmal mehr lautstark Anerkennung. Dabei läuft ein gespielt eifersüchtiger Max Coppella hinter ihm auf der Bühne – sein Mienenspiel spricht Bände und sagt genau, was er von seine Kollegen hält.
Auf mehrfachen Wunsch hin haben Coppelius das von Eric Fish geschriebene und auf dem Album „Tumult“ veröffentlichte Lied „Rightful King“ neuinterpretiert. Bastille singt nun auf ganz eigene Weise von dem hochgelobten König. Auch die Melodie wurde abgeändert, beginnt sanfter, erhabener, was zum Text passt. Erst als der Mob im Text auftritt, kann man wieder nach Herzenslust headbangen. Genau das wird auch getan.

Comte Caspar hatte sich etwas Besonderes ausgedacht: Dieses Mal sollten nicht zwei sondern vier Gruppen den Gumbagubanga-Kanon anstimmen. Seine Aufteilung in „Gum“, „Bagu“, „Bang“, „Ga“ erwies sich als etwas unglücklich. Das Publikum nicht in der von ihm gewünschten Lautstärke – und mit fehlendem Ernst – seiner Aufforderung zum Singen nach.
Die bekannten „Ausziehen“-Rufe werden von der Band unterstützt, der Butler ist allerdings wenig begeistert und fordert seinerseits das Publikum dazu auf. Drei junge Männer werfen erst ihre Shirts auf die Bühne und dürfen selbige dann betreten, um ein Becken zu schlagen – und dabei Drumsticks zu zerstören.
Begeistert ist man von der Stille im Saal, als die Herren einmal mehr ihre Instrumente neu stimmen. Das war bisher nie der Fall.
Auf die Bühne geworfene Gerbera werden liebevoll in Empfang genommen, eine wird gerupft und schließlich teilweise verspeist. Dem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, war sie nur mäßig delikat.
Ein Geburtstagskind wird schließlich nach vorne geholt, bekommt eine Blume geschenkt und darf den „Guten Ton“ auf der Triangel anschlagen. Dann kommt auch schon das letzte Lied, die Herren verbeugen sich und gehen. Aber das geschätzte Auditorium klatscht und ruft voller Inbrunst „Da capo“, so dass schon bald wieder der Butler – mit Staubwedel – zurückkommt. Nach zweimaligem Schreien stürmt die Band an ihre Instrumente und weiter geht’s. Für ein Stück dürfen Niko und Umbra noch mal ihr Können unter Beweis stellen. Da haben sich wohl zwei Bands gefunden. Der Cellist bringt als kleines Dankeschön eine Flasche Met mit auf die Bühne, die Caspar sogleich köpft. Allerdings fehlen Gläser, was Graf Lindorf von gar nichts abhält. Er müsse arbeiten, spricht er und nimmt einen tiefen Schluck aus der Flasche. Schließlich tun es ihm seine Kollegen gleich und die Musik geht wieder los.
Das letzte Lied zwingt uns wieder auf die Knie. „Ade mein Lieb“ braucht eben einen entsprechenden Rahmen.
Unter großem Jubel und frenetischen Applaus verlassen die Herren die Bühne und freuen sich auf die kommenden Konzerte.

Es war ein toller Abend. Coppelius haben viel Freude an der Musik und ihrer Show und haben dies heute außerordentlich unter Beweis gestellt. Auffällig: Sie haben in Instrumente und Verstärker investiert, die Klarinetten klingen klarer und Herr Voss am Bass ist endlich auch zu hören. Einen neuen Silberling gibt es zwar erst 2013, aber bei solch grandiosen Auftritten, warten wir doch gerne.
Meine Herren: Da Capo!

05.01.2012 – Grand Magus, Bullet, Steelwing, Skull Fist, Vanderbuyst – Backstage Werk

Heavy Metal is still alive!

 

Vanderbuyst

vanderbuyst-2012-01

Pünktlich um 19.00 betreten die niederländischen Newcomer Vanderbuyst die Bühne des bis dahin noch recht übersichtlich gefüllten Werks und starten in ihr Retro-Hardrock-Set, das uns in die Zeiten der seligen Rainbow, der Anfangstage von Iron Maiden und überhaupt ganz weit zurück in die Geschichte des Hardrock/Heavy Metals führt. Das 2008 gegründete Trio mag zwar blutjung sein, doch es überzeugt mit Professionalität, Können, Spielfreude, bestens eingeübten klassischen Rockposen und großer sympathischer Ausstrahlung. Die Setlist speist sich aus ihren bis dato zwei erschienen Alben, Vanderbuyst und In Dutch, und bei Titeln wie „Kgb“, „Tiger“, „Into the fire“, „Stealing your thunder“ oder „From pillar to post“ gehen immerhin die ersten Reihen vor der Bühne schon ordentlich ab, und der Rest der Halle bringt der Band zumindest interessiertes Wohlwollen entgegen. Um mich herum hörte ich auch diverse Leute sagen, sie seien explizit wegen Vanderbuyst (und Grand Magus) zu dem Konzert gekommen, und das ist für eine junge Band doch ein schönes Kompliment. Dem ich mich uneingeschränkt anschließe, ich hatte mich auf Vanderbuyst gefreut und wurde nicht enttäuscht. Weiter so, Jungs!

 

Skull Fist

skull-fist-2012-01

Ebenfalls pünktlich um 20.00 betritt eine weitere hochgelobte Newcomerband die Bühne, Skull Fist aus Kanada, genauso jung wie Vanderbuyst, genauso stilsicher im Auftreten, Posing und der gespielten Musik, wenn auch eher im klassischen Heavy (Speed) Metal der Achtziger verhaftet, was vor allem am – zumindest für meine Ohren – gewöhnungsbedürftigen sehr hohen Gesang lag. Doch auch hier überzeugen Professionalität, spielerisches Können, gesangliche Sicherheit, sympathische Ausstrahlung und mitreißende Songs, so dass sich das Werk zunehmend füllt und vor der Bühne ein immer größeres Nest aus jungen und nicht mehr ganz so jungen Kuttenträgern die Haare schüttelt und begeistert die Fäuste gen Bühne reckt. Die 2006 in Toronto gegründete Gruppe heizt die Stimmung mit einer guten Auswahl aus ihren zwei bisher erschienen Alben Head of the pack und Heavier than metal an, Songs wie „Commit to rock“, „Sign of the warrior“, „No false metal“, „Like a fox“ oder „Heavier than metal“ zünden und machen einfach Spaß. Einen besonderen Sympathiepunkt bekommt der Bassist, der mit einem herzhaften „München, trinken ein Bier! Prost, Motherfuckers“ die Lacher auf seiner Seite hat.

Nach einer halben Stunde verlassen die Kanadier die Bühne, um sich dann später unters Publikum zu mischen und von Autogrammjägern umringt zu werden. Guter Auftritt!

 

Steelwing

steelwing--2012-01

Mit – den ebenfalls kaum bartwüchsigen, um den Metal-Nachwuchs muss man sich wirklich keine Sorgen machen – Steelwing aus der schwedischen Kleinstadt Nyköping wird die Riege der drei schwedischen Bands des heutigen Abends eingeleitet. Stilistisch sehr nahe an Skull Fist, was für mich den einzigen, winzigen Kritikpunkt an dem Abend bedeutet hat, da das Ganze dann mit der Zeit ein klein wenig eintönig wurde. Das soll aber keinesfalls eine Kritik am Auftritt von Steelwing sein, die souverän und gekonnt über die Bühne fegen und nicht nur modisch – Spandex und Leggins selbstbewusst getragen, jawohl! – voll überzeugen. Die 2009 gegründete Truppe hat bisher ebenfalls zwei Alben auf den Markt gebracht, Lord of the wasteland und Zone of alienation, die sich stilistisch auch fest in den 80ern bewegen, zuzüglich eines nicht ganz kleinen Hammerfall-Einschlages. Das Stimmungslevel während rasant und mitreißend vorgetragener Songs wie „Full speed ahead“, „They came from the skies“, „Lunacy rising“, „Sentinel hill“ oder „The illusion“ bleibt im Publikum anhaltend gut, das Werk füllt sich immer mehr, und die jungen Schweden erhalten mehr als wohlwollenden Applaus, als sie um kurz nach halb zehn die Bühne verlassen. Auch von mir Daumen hoch für die junge Band, deren Gitarrist vor dem Auftritt noch ganz schüchtern mit einer Tüte seines lokalen schwedischen Supermarktes auf die Bühne schlich und daraus seine ganzen Effektgeräte und Kabel zog. Später poste er dann aber wie ein ganz Großer.

 

Bullet

bullet-2012-01

Mit den 2001 gegründeten Bullet betritt um 22.00 die bis dato dienstälteste Kapelle des Abends die Bühne, und sofort ist Party im mittlerweile richtig vollen Werk angesagt. Die Schweden um Frontplauze und Wuschelkopf Hell Hofer ballern einen Kracher nach dem anderen in bester AC/DC-Tradition in die Menge, überstrahlt vom kultigen Band-Backdrop aus Glühbirnen. „Highway pirates“, „Back on the road“, „Turn it up loud“, „Stay wild“, „Roadking“, „The rebels return“ oder „Bang your head“ sind die Ansagen für den heutigen Abend, und das Publikum folgt ihnen nur zu gern. Nach einer Dreiviertelstunde verabschieden sich die schwedischen Rampensäue und lassen als Pausenfüller einen Rock’n’Roll-Song der schwedischen Kultband Nationalteatern laufen – hat wahrscheinlich nicht alle in der Halle so gefreut wie mich, aber ich fand’s doch sehr putzig.

 

Grand Magus

grand-magus-2012-01

Um 23.00 ist es dann soweit, die großen Grand Magus betreten die Bühne, die mit einer schwedischen Fahne als Backdrop geschmückt ist, und werden frenetisch begrüßt. Seit ihrem ersten Album im Jahr 2001 haben sie sich kontinuierlich von ihren Stoner/Doom-Anfängen hin zu gewichtigem, melodiösem und teils mit nordischer Mythologie und Folklore angereichertem Heavy Metal entwickelt, der vor allem von JBs wirklich ganz wunderbar anzuhörender Stimme und den epischen Melodien lebt. Mit „I, the jury“, dem Eröffnungstrack ihres aktuellen Albums Hammer of the north, legt das Trio auch gleich gewaltig los, und überall in der Halle fliegen die Haare. Mein persönliches Lieblingslied „Like the oar strikes the water“ vom Albumvorgänger Iron will heizt die Menge mit einem unvergesslichen Refrain und ordentlich Tempo weiter an, das später mit „Kingslayer“ vom Album Wolf’s return noch rasant gesteigert wird. Eine Atempause bekommt man erst bei „Ravens guide our way“ zugestanden, einem wuchtigen, langsamen, erhabenen Banger. Nach den Songs „Wolf’s return“ und „Hammer of the north“ ist es leider auch schon Zeit für die Zugabe, bei der Grand Magus mit „Iron will“ noch mal ordentlich Stimmung machen, um dann um Punkt Mitternacht die Bühne zu verlassen – offensichtlich musste der Zeitplan strikt eingehalten werden. Den letzten Punkt auf der Setlist, „13. Saufen“, hat die Band dann aber sicher noch absolviert.

 

Fazit: Ein rundum gelungener Abend, bei dem es in fünf Stunden keine Sekunde wirklich langweilig wurde, mit einer guten Mischung aus hochtalentiertem Nachwuchs und etablierten Bands, die sich – bis auf die erwähnten Skull Fist und Steelwing – stilistisch genügend voneinander unterschieden, aber dennoch ein repräsentatives Bild der aktuellen klassischen Heavy-Metal-Szene abgaben. Ich hatte jedenfalls einen Riesenspaß, und das, obwohl ich eigentlich gar nicht die typische Zielgruppe für den klassischen Metal bin. Das spricht doch eindeutig für die Bands des Abends, wenn selbst eine Black- und Death-Metal-Jüngerin wie ich mächtig Spaß inne Backen hatte. Gerne wieder!