12.05.11: Mono Inc. und Lord of the Lost im Hirsch Nürnberg

Lady Gaga auf Metal

Die vier Hamburger Musiker von Lord of the Lost heizten mit lautem Metal das Publikum an. Leider ließ sich kaum einer zum Headbangen bewegen, was bei gewohnt schnellem Rhythmus fabelhaft gepasst hätte. Aber trotz der anfänglichen Zurückhaltung der Zuhörer spielten und sangen die Lords mit der Schlagzeuglady wunderschönes Metal und überraschten mit einer ebensolchen Version von Lady Gagas „Bad Romance“. Ohne Dancemusik, dafür mit viel Drums und Bass konnte ich sogar Gefallen an diesem Lied finden. Schade war nur, dass der Sänger für mehrere schmerzhafte Rückkoppler sorgte. Lord of the Lost werden am 27.09.11 wieder im Hirsch in Nürnberg spielen.

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Nach einer unerträglich langen Umbauphase wurde es endlich dunkel und man hörte eine Stimme, die sozusagen das Intro sprach. Mit einer kleinen Explosion fiel die schwarze Leinwand mit dem Mono Inc.-Schriftzug und Sänger Martin Engler sprang aus der Dunkelheit hervor. War der Effekt gelungen, fand der Sound weniger Anklang beim Publikum. Während der ersten Hälfte des Konzerts waren vor allem Gitarre und Bass ein ohrenbetäubendes Dröhnen, untermalt von den rhythmusgebenden Drums, so dass der Gesang weder verständlich war oder man im Allgemeinen von Musik hätte sprechen können. Glücklicherweise wurde dieser Missstand behoben und die zweite Hälfte des Konzerts war erheblich angenehmer.
Mit den Songs des neuen Albums „Viva Hades“ und sorgfältig ausgesuchten ältere Stücken gaben die vier Musiker alles und enttäuschten nicht.

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Doch nicht nur rockige und schnelle Töne wurden angeschlagen. Als die restlichen Mitglieder die Bühne verließen und Martin Engler sich auf einen Stuhl setzte, die Gitarre in der Hand, wurde es still im Saal. Nun wurden ernste Themen angesprochen und so sehr sich die Band gefreut hatte, dass „Viva Hades“ – zu Deutsch „Es lebe die Hölle“, wie Engler erklärte – von 0 auf 50 in die Charts eingestiegen war , so erschütternd war es für sie gewesen, dass in der Woche der Veröffentlichung ein Teil der Welt verrücktgespielt hat. Engler sprach das Erdbeben in Japan und die politische Situation in Libyen und anderen Ländern an. Nachdenklich erklärte er, dass Menschenleben kostbar und kurz sind. „Lebt jeden Tag als wäre es euer letzter Tag!“, forderte der Sänger die Menge auf und stimmte den Song „When all my cards are played“ an.

Fröhlicher war die folgende Erzählung über die neue „Wohngegend“, in Nachbarschaft zu anderen Bands, wie Saltatio Mortis, Unheilig oder Eisbrecher. Dies entpuppte sich als gute Überleitung zu „Voices of doom“, das aber nur angespielt wurde, um danach in die Akkorde von Iggy Popps „Passenger“ überzugehen. Die Fans bekamen nach einigem Hin und Her – und Verständigungsproblemen zwischen dem fränkischen Publikum und der hamburgischen Band – endlich auch das Mitsingen des „Lalala“-Teils hin.
Dann kehrte aber die Band auf die Bühne zurück und begeisterte mit Gitarren- und Schlagzeugsolo und gewohntem Alternativrock.
Nach fast zwei Stunden und mittlerweile Saunafeeling im „Hirsch“, verabschiedeten sich Mono Inc., kehrten jedoch zweimal für Zugaben auf die Bühne zurück und schienen selbst nicht gehen zu wollen.
Der neue und vielleicht noch ungewohnte Erfolg von Mono Inc. ist berechtigt. Das Konzert war trotz Startschwierigkeiten gut und Mono Inc. sowie Franken freuen sich auf das Schloßhof-Festival im August und das nächste Konzert im Herbst in Nürnberg.

11.05.11: Omnia im Hirsch Nürnberg

Konzert der Naturfreunde

Jede Erwartung, die ich an ein OMNIA Konzert haben konnte, wurde weit übertroffen. Mit spielerischen Tönen auf helleren und dunkleren Flöten begann der fast zweistündige Act. Anfangs schienen die ca. 200 Zuhörer noch etwas zurückhaltend, aber schon beim zweiten Stück tobte der Saal, als die erwarteten Didgeridoo-Klänge nicht vom gleichnamigen Instrument stammten, sondern von einem Bandmitglied mündlich täuschend echt nachgeahmt wurden.
Zwischendurch erklärte Bandleader Steve Sic amüsiert, dass OMNIA auf dem Weg von Holland nach und durch Deutschland mehrfach von der Polizei angehalten und kontrolliert worden waren. Später wurde dem „German Zollamt“ noch ein Lied gewidmet und klargestellt, dass nicht alles, was aus Holland kommt mit Drogen zu tun hat.
Steve Sic sprach gekonnt das Publikum an und erkannte, dass nicht nur er wegen seiner Frisur oder der Kleidung schief angeschaut wird. Mit einem diabolischen Lachen, das mehrfach wiederholt wurde, stimmte er das nächste Lied an.
Abwechselnd spielten die sechs Musiker mit Flöten, Gitarren, an Keyboard, Harfe und Schlagzeug rockige und langsame Songs, zum Nachdenken, Mitsingen und Tanzen. Letzteres wurde vor allem in der letzten Reihe gemacht – mit zweifelhaftem Erfolg. Hin und wieder wurden auch instrumentale Stücke geboten, die das Können und die Vielseitigkeit von OMNIA betonten.

„Can you bauchtanzen?“ 

An den Stücken aus dem neuen Album, das im September erscheinen wird, fanden die Fans großen Gefallen. Steve Sic philosophierte, dass die meisten Menschen wie Affen lebten und ein ziemlich langweiliges Dasein fristeten. Seiner Ansicht nach machten diese „Monkeys“ etwas falsch. Es waren wohl diese Überlegungen, die ihn zu dem folgenden Lied „Don’t speak human“ inspiriert haben. Schließlich forderte er die anwesenden Damen zum Bauchtanzen auf – auf der Bühne versuchte sich eine der beiden weiblichen Bandmitglieder darin und wedelte mit Fächern.
Das irrwitzige Gedicht „Jabberwocky“ aus Carolls „Alice hinter den Spiegeln“ wurde geradezu inszeniert und fand seinen Höhepunkt im wilden Schwertschwingen von Steve. Danach wurde uns unser aller imaginärer Freund vorgestellt, Noodle. Dabei handelt es sich um einen rosa Pudel und ein gleichnamiges neues Lied der Band.
Faszinierend waren die Soli: Nach einem langen Gitarrensolo erfreute sich das Publikum an dem besten Schlagzeugsolo, das ich bisher gehört und erlebt habe. Der Saal vibrierte förmlich und das Publikum tanzte, bangte oder wippte im schnellen Rhythmus mit, und quittierte dieses Solo mit fulminantem Applaus. Zuletzt wurde noch ein Didgeridoosolo gespielt, das die Vielseitigkeit dieses Instruments aufzeigte.

Unsere Verantwortung für die Natur 

Mit dem Lied „Free“ vom neuen Album trauerten alle den flauschigen Spielzeugen unschuldiger Kindertage nach, die einer harten Realität und Arbeitswelt weichen mussten. Damit war das Konzert zu Ende, aber lautstark wurde eine Zugabe gefordert, die OMNIA gerne gaben. Mit einer übergroßen Cornwall-Flagge (weißes Kreuz auf schwarzem Grund) und einem Kniefall besang Steve Sic seine Heimat in einem getragenen und sehr gefühlvollen Stück.
Vor dem wirklich allerletzten Lied rief er dazu auf, dass jeder verantwortlich für die Bewahrung der Natur sei, und diese viel zu sehr und viel schneller als wir dächten zerstört würde. Jeder von uns könne, ja müsse sogar etwas dagegen tun.
Alles in allem ein sehr gelungenes Konzert mit einer guten Mischung aus ruhigen Klängen und fetzigem Pagan Folk. OMNIA rocken Nürnberg, begeistern das Publikum und vergessen dabei nicht, ihren Lebensstil und ihre Naturverbundenheit weiterzugeben.