16.03.13: Meinhard im Spectaculum Mundi München

Reise in die Langeweile

Es ist immer ein besonderes Ereignis im Leben eines Musikers: Das Release-Konzert. Umso mehr, wenn es sich dabei um das erste Album handelt. Meinhard lud vergangenen Samstag dazu ein und etwa 70 Leute folgten dem Ruf ins „Wonderland“.

Aber zuerst heißt es warten. Bereits neben dem Eingang stehen Cupcakes, die in liebevoller Handarbeit gefertigt worden sind, natürlich in strahlendem Rosa. Wie jedes Mal prangt in der Mitte des Spectaculums eine Tafel für die „Mad Tea Party“, an der nur ausgewählte Gäste Platz nehmen dürfen. Sie werden mit Selbstgebackenem versorgt – das nicht allen mundet, verzieht doch eine Anwesende das Gesicht, als sie in einen der Cupcakes beißt.  Weiterlesen

20.03.2013 – Rebellion Tour 2013 – Madball, Terror, Comeback Kid, Your Demise – Backstage Werk, München

More Stagedives!

Your Demise
Zuletzt habe ich die sympathischen Briten von Your Demise im pickepackevollen 59:1 erlebt, in dem sie eine astreine und energievolle Hardcore-Show abgeliefert haben. Die Örtlichkeit des Werks ist im Vergleich zum beschaulichen Club-Ambiente des 59:1 erheblich größer, aber dennoch schafften es die Hardcore-Jungspunde, einen anständigen Auftritt hinzulegen. Viel Bewegung und Engagement auf der Bühne, was sich aber leider nicht aufs Publikum übertrug, das ganz offenbar auf die Filetstücke des Abends wartete. Zu viel mehr als die allseits bekannte Traubenbildung bei Singalong-Passagen einiger Songs reichte es nicht, nicht einmal ein anständiger Pit wurde eröffnet. Schade, denn die Stücke geben viel mehr her als nur zustimmendes Abnicken und Anstands-Applaus. Nun ja, es kann ja nicht jeden Abend Weihnachten sein.
Ich hoffe, beim nächsten Mal wieder einen echten Hexenkessel zu erleben, die Band hat es allemal verdient.

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09.03.13 – Volxtanz in der Glockenbachwerkstatt München

„Die richtig guten Momente im Leben …“

Man sitzt gemütlich zusammen oder steht im Foyer und unterhält sich angeregt. Es ist warm, was vermutlich daran liegt, dass das Gebäude noch geheizt wird, obwohl es ausnahmsweise 11°C draußen sind. Aber noch stört das niemanden. Die Musiker, man erkennt sie kaum, laufen etwas nervös zwischen Bühne und Bar hin und her, suchen irgendwen oder irgendetwas und begrüßen die Freunde, die gekommen sind. Die Fans warten darauf, dass es losgeht, aber man muss sich in Geduld üben.pdg-cimg2996
Schließlich aber ertönen die ersten Klänge und eilig strömen alle durch die Türe in den kleinen Konzertraum. Die Bühne ist niedrig, der Saal klein – es ist bullig heiß, da ist es praktisch, wenn man an der Heizung steht, die auf Hochtouren läuft. Doch das ist egal, denn die Aufmerksamkeit ist nach vorne gerichtet. Das Publikum, das zuerst verschüchtert im hinteren Teil steht, taut mit jedem Takt mehr auf – und die Band weiß, was sie tun muss.  Weiterlesen

09.03.2013 Paganfest, Backstage München

Ein Pagan-Sturm in München

Das Paganfest ist mittlerweile eine feste Einrichtung, sowohl in der Festivallandschaft, als auch in München selbst. Seit dem Jahre 2007 tourt das Fest nun schon zum sechsten Mal schon durch Europa und beschert der bayrischen Hauptstadt in diesem Jahr schon Monate zuvor Vorfreude. Denn nicht nur, dass wir hier eine Extended Show spendiert bekommen haben, was bedeutet, dass zwei Bands mehr sich die Ehre geben, das Menü, sprich: die Running Order, liest sich äußerst vorzüglich. Das komplette Programm besteht aus Bands, deren Namen erfreuliches Drücken in Ohren und Magen verspricht, wenn die Bassdrumm rollt und die Gitarren schreddern. Kurz gesagt, man konnte sich auf einen gepflegten Metalabend freuen.

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06.03.2013 Rock meets Classic 2013, Olympiahalle München

Klassische Urgesteine – Rock meets Classic 2013

Hinter dem Namen verbirgt sich bereits alles, was man wissen muss. Klassische Instrumente treffen auf harte Gitarren, ein lautstarkes Schlagzeug und rockige Stimmen. In diesem Jahr nahm das Bohemia Sinfonie Orchester aus Prag den Weg auf sich, um mit den ganz Großen eine tolle Show zu inszenieren. Mit dabei Chris Thompson (Manfred Mann´s Earth Band), Steve Augeri (Journey), Eric Bazilian (The Hooters), Paul Rodgers (Bad Company) und als special Guest Bonnie Tyler. Präsentiert wurde dieses Konzert unter anderem von Antenne Bayern.

Moderatorin Kathie Kleff ließ es sich nicht nehmen den Startschuss in den Abend zu geben. Pünktlich um 20 Uhr betrat sie die große Bühne, das Orchester im Rücken und kündigte den ersten Star an: Chris Thompson.

Gut gelaunt und mit viel Schwung kam er auf die Bühne und gesellte sich zu den Mitgliedern der Mat Sinner Band, die an diesem Abend den rockigen Part übernahmen und die Gitarren zum Kreischen brachten. Los ging es auch mit guten altbewährten Stücken aus alten Zeiten. Das Publikum in der Olympiahalle hatte die Songs größtenteils zu Teenagerzeiten erlebt. Die Augen wurden größer, ein Funkeln wurde sichtbar und die ersten klatschten, jubelten und sangen. Die Atmosphäre versprühte Gänsehaut, die Töne saßen und die Akustik war einfach hervorragend. Doch liebes Publikum: Warum mussten unbedingt diese hässlichen blauen Blinklichter bei den Balladen geschwungen werden? Warum kein klassisches Feuerzeug? Hätte viel besser zur Stimmung gepasst.

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05.03.2013 – Cannibal Corpse, Devildriver, Black Dahlia Murder, Hour Of Penance – Backstage Werk, München

Todesmetallische Könige und Thronfolger

Hour Of PenanceHour Of Penance
Um Punkt halb acht betraten die Italiener Hour Of Penance die Bühne des schon mehr als ordentlich gefüllten Werks und legten gleich mit „Sedition Through Scorn“ vom aktuellen Album Sedition los. Die 1999 in Rom gegründete Truppe ging sehr routiniert zu Werke und präsentierte in der folgenden halben Stunde einen Querschnitt durch ihre drei letzten Alben mit Songs wie „Paradogma“, „Slavery in A Deaf Decay“ oder „Misconception“. Der kompromisslosse Death Metal war ein guter Einstieg in diesen Konzertabend, wurde allerdings etwas statisch vorgetragen – da hätte gern ein wenig mehr Action auf der Bühne sein können. Das Publikum spendete aber höflichen Applaus und machte nach dem Auftritt von Hour Of Penance einen durchaus aufgewärmten Eindruck. Mission erfüllt.
(Review von torshammare)



Black Dahlia Murderblack-dahlia-murder
Mit einer ähnlich uhrwerkgleichen Präzision wie Cannibal Corpse schauen auch Black Dahlia Murder regelmäßig bei uns vorbei, leider diesmal mit einem herben Verlust am Drumsessel. Shannon Lucas hatte die Band Ende letzten Jahres verlassen, um eigene Projekte wie zum Beispiel einen Tattoo-Shop besser voranzutreiben. Vorübergehender Ersatz ist der neue Kesseltreiber Alan Cassidy, der zuvor schon für Abigail Williams die Felle verprügelt hat. Ansonsten aber schien alles beim Alten geblieben zu sein, Sänger Trevor Strnad zieht immer noch nach spätestens drei Songs sein Shirt aus und erhöht somit den visuellen Charakter der Show um ein beträchtliches Maß. Eigentlich reicht der akustische längst aus, aber die Präsenz und das Charisma des Frontmannes ist für viele mit ein Grund, die Band zu sehen. Persönlich war allerdings für mich immer Prio Nummer eins der außergewöhnliche Drummer Shannon, der immer wieder mit beängstigender Genauigkeit sein Werkzeug malträtierte. Der Typ war/ist eine echte Wucht hinter der Schießbude und zählt nicht umsonst zu den Besten seiner Zunft. Ich kann nur hoffen, dass die Band adäquaten Ersatz auftreiben wird.
Die Show selber war leider nur eine halbe Stunde lang, aber dennoch intensiv und druckvoll. Langsame Parts bei Death Metal Bands sind in meinen Ohren immer besonders beliebt, so auch bei Black Dahlia Murder, die damit ihre zumeist recht hektisch-frickeligen Teile auf Alben wie auch live gekonnt auflockern. Insgesamt ein guter Auftritt, doch aufgrund der zu kurzen Spielzeit und ungewohnt neuem Drummer etwas unterhalb der gewohnten Güteklasse 1A.

 

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19.01.2013 Visage – Die Perlen, Garage DeLuxe

New Wave Look in der Garage

Visage? Ja, der Name kommt mir doch bekannt vor. Hatte diese Band nicht den Hit „Fade to Grey“?
Richtig! Und die kommen nach all den Jahren nach München in die Garage? Das konnte ich mir auf gar keinen Fall entgehen lassen. So dachte anscheinend nicht nur ich, denn an dem kalten Samstagabend hatte sich vor dem Einlass eine recht ordentliche Schlange gebildet. Bibbernd standen die aufgestylten Fans in der Kälte und sehnten sich in den warmen Club.
Und dieser füllte sich rasend schnell. Zur Einstimmung in den Abend legten DJ Bat und DJ Siggi Sputnik ein paar Scheiben auf. Ein paar tanzten, die anderen holten sich Getränke und verloren sich in Gespräche mit Freunden.

Eigentlich sollte Hubert Kah als Support fungieren, doch aufgrund gesundheitlicher Probleme musste er das Konzert absagen. Als Ersatz sprang die Nürnberger Electroclash Gruppe Die Perlen ein.
Seit über 10 Jahren machen Ferdinand Ess und Katja Hah Musik und dazu brauchen sie nicht viel. Für andere Musiker ist die Bühne in der Garage eigentlich immer fast zu klein, doch für Die Perlen reichte der Platz, um bequem darauf zu performen. Pünktlich starteten sie gleich mit einem neuen Titel ihres aktuellen Albums: Zurück
Der Klang, sowie Texte waren etwas ungewöhnlich, aber nachhaltig. Das Publikum war zunächst etwas zurückhaltend, gewöhnte sich aber schnell an die Musik und applaudierte brav nach jedem Song. Man merkte deutlich, dass sie das Ganze noch nicht so wirklich in eine Richtung zuordnen konnten. Katja und Ferdinand hatten sehr viel Spaß auf der Bühne, sie lachten viel, alberten mit dem Publikum und versuchten es immer wieder zu animieren, was leider nur teilweise gelang. Die ersten Reihen standen eher wie Zinnsoldaten im Setzkasten an der Bühne, ohne Regung in Mimik und Körper. Doch davon ließ sich die Band nicht beirren und sie spielten ihr Liedgut aus neuen und alten Werken ordentlich ab. Von Deutsch und Englisch bis hin zum Französischen war alles dabei, sie boten eine große Vielfalt und Abwechslung. Für mich mal etwas ganz anderes. Ein sehr schöner Auftritt, den die beiden sicherlich sehr genossen haben. Ein paar Fans werden sie auch dazugewonnen haben.

Bis zum Auftritt von Visage schien eine Ewigkeit zu vergehen. Die Djs spielten immer wieder eine neue Platte an und so langsam wurde das Publikum ein wenig ungeduldig. Auf der Bühne hatte sich während der Umbauphase nicht viel getan. Zwei Mikrophone standen einsam herum und warteten auf Einsatz. Dann endlich kam das Zeichen für die Djs und die Musik verstummte. Steve Strange betrat als erster die Bühne gefolgt von einer blonden, sehr hübschen Sängerin. Steve kam elegant in Anzug mit Hut, die letzten Jahre sind sichtlich nicht spurlos an ihm vorbeigegangen, auch wenn ein paar Fältchen durch Botox verschwunden sind. Dank des tollen Make ups fielen die restlichen nicht ganz so stark auf. Aber er strahlte und startete auch mit vollem Elan in sein Programm. Am Anfang dachte ich, er wäre ein wenig nervös, weil er recht offensichtlich stark zitterte, doch im Laufe des Auftrittes bekam man immer mehr das Gefühl, dass Herr Strange nicht ganz nüchtern auf der Bühne stand. Er hatte sich, bis auf kleine Stolperer, soweit ganz gut unter Kontrolle. Vor der Veröffentlichung dieses Artikels wollte ich aber sicher gehen und kontaktierte den Veranstalter. Dieser dementierte das Gerücht um den vermutlichen Alkoholkonsum, Steve kam wohl erst recht spät in der Garage an, hatte Grippe mit Fieber und war wirklich sehr aufgeregt. Der Gesang kam wohl deshalb leider hauptsächlich vom Band, hin und wieder hörte man seine eigenen Töne, die auch auf Anhieb saßen und klar rüberkamen. Die Blicke der Anwesenden sprachen dennoch Bände, doch sie jubelten und applaudierten dem Künstler zu, feierten den einstigen Star, der auf der Bühne sein Bestes gab und sichtlich viel Spaß hatte. Er genoss den Auftritt nach so langer Abstinenz. Er schüttelte immer wieder Hände im Publikum, tanzte wild mit dem Mikrofonständer über die Bühne und freute sich über das zahlreiche Erscheinen. Seine Ausdrucksstärke hatte er in den ganzen letzten Jahren nicht verlernt. Selbst eine kaputte Hose am Ende brachte ihn nicht in Verlegenheit.

Seine Begleitung ging ein wenig unter, trotz des aufwändigen Stylings kam ihre Stimme leider nur teilweise hervor. Sie stand immer ziemlich abseits, wirkte schüchtern und sang stets in die Richtung von Steve Strange. Als hätte sie ständig ein wachsames Auge auf den Sänger gelegt. Der Auftritt war zu schnell vorbei, ein paar alte bekannte Songs wie „Night Train“ waren dabei. Doch der grosse Hit fehlte noch. Vor der Zugabe zog sich Steve Strange kurz in den Backstage Bereich zurück, lange ließ er sich nicht zurück bitten und zum Abschluss gab es dann natürlich das berühmte „Fade to Grey“, welches er mit voller Inbrust und Leidenschaft performte.
Ich fand es schade, dass dieses Konzert schon zu Ende war, man war gerade warm geworden und hatte Fahrt aufgenommen. Bin gespannt, wann wir Visage mal wieder in Deutschland sehen dürfen, es war ein Genuss, eine Erinnerung an alte Zeiten und schon das Auftreten des Künstlers war der Besuch wert. Ein wunderbarer Abend.

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Weitere Bilder von Steffi Schaaf: FanniPics

13.12.12 – Obituary, Macabre, Psycroptic, The Amenta – Backstage Halle, München

Rotting slow in Europe

Im Moment scheint es angesagt zu sein, dass etablierte Bands spezielle „Frühwerk-Tourneen“ machen (zum Beispiel letztens bei Covenant miterlebt) und dem Publikum noch einmal die Lieder oder ganze Platten präsentieren, mit denen sie ursprünglich berühmt wurden. Eine großartige Sache, hat man so doch Gelegenheit, sich entweder wieder sehr jung und nostalgisch zu fühlen oder aufgrund zu später Geburt etwas nachzuholen.

Zu diesem Zweck versammelte sich eine doch ansehnliche Zahl von Langhaarigen in der Backstage Halle, um die quicklebendige Florida-Death-Metal-Legende Obituary und ihre ersten drei Alben Slowly we rotCause of death und The end complete aus den Jahren 1989, 1990 und 1992 gebührend zu feiern. Davor galt es aber noch, drei andere Bands kennenzulernen und teilweise auch zu bejubeln.

The Amenta

The Amenta - 2012 -12

Den Anfang machten um kurz nach halb acht Uhr die Australier von The Amenta, die mit viel schwarzer Farbe auf der nackten Haut, viel Engagement und düster-wahnsinniger Mimik (der Sänger) das leider noch extrem spärlich vertretene Publikum versuchten auf ihre Seite zu ziehen. Die Band existiert mit diversen Line-up-Wechseln seit 2001 und spielt eine Mischung aus Meshuggah-artigen Riffs, Industrial-Metal-Anleihen und Black-Metal-Drumming, gepaart mit aggressiv-heiserem Brüllgesang. Sie kann auf mittlerweile zwei Full-length-Alben und diverse EPs zurückblicken, aus denen ein schöner Querschnitt geboten wurde, mit leichter Konzentration auf die Alben Occasus (2004) und nOn (2008). Songs wie „Sekem“, „Mictlan“, „Erebus“ oder „Vermin“ wurden sehr sauber, präzise und brachial gespielt, die Band ist definitiv erfahren und routiniert, doch konnte sie leider das Publikum nur zu vereinzeltem Kopfnicken animieren, da der Wiedererkennungswert der Stücke doch etwas gering war. Kein schlechter Auftritt, aber nichts für die Ewigkeit. Nach einer halben Stunde Spielzeit räumten sie die Bühne für die zweite Band des Abends.

Psycroptic

Psycroptic - 2012-12

Ebenfalls vom anderen Ende der Welt angereist, präsentierten die 1999 im tasmanischen Hobart gegründeten Psycroptic eine hämmernde Mischung aus technischem Death Metal, Grindcore und einigen Hardcore-Anleihen, die die ersten Besucher vor die Bühne locken konnte. Die Band agierte sehr routiniert und präzise, Sänger Jason Peppiatt brüllte sich die Seele aus dem Leib bei Titeln wie „Carriers of the plague“, „Sleepers have awoken“ oder „Euphorinasia“. Die Songauswahl konzentrierte sich auf das aktuelle Album The inherited repression und den Vorgänger Ob(Servant) aus den Jahren 2012 bzw. 2008.
Auch hier ein grundsolider, engagierter Auftritt, der einige begeisterte Reaktionen im Publikum hervorrufen konnte, im Gegensatz zu The Amenta schienen Psycroptic etwas bekannter gewesen zu sein. Ein einsamer „Zugabe“-Ruf verhallte nach einer guten halben Stunde Spielzeit allerdings ungehört.

Macabre

Macabre - 2012-12

Um viertel nach neun betrat mit Macabre aus Chicago eine Band mit einem doch recht speziellen Thema die Bühne, die ihre Musik als „Murder-Metal“ bezeichnet. 1985 gegründet, hat man sich von Anfang an auf die berühmtesten Serienkiller der Menschheitsgeschichte konzentriert und vielen davon eigene Lieder oder sogar ein eigenes Album (Dahmer) gewidmet. Sänger Corporate Death gab dann auch zu jedem Song eine liebevoll-schwarzhumorig-augenzwinkernde Einführung in die thematischen Untiefen, was den Auftritt – gepaart mit den sehr eingängigen Death-Metal-lastigen Stücken – zu einem großen Vergnügen machte. Man gab einen schönen Querschnitt durch alle bisher erschienen Alben (u.a. mit den Songs „The Iceman“, „Nightstalker“, „Hitchhiker“, Scrub a dub dub“), würdigte auch die deutschen Serienmörder Fritz Haarmann („Fritz Haarmann der Metzger“) und den „Vampir von Düsseldorf“ Peter Kürten („Vampire of Düsseldorf“) und begeisterte die mittlerweile doch ordentlich gefüllte Halle mit einem gelungenen Venom-Cover („Countess Bathory“). Ein wirklich guter und unterhaltsamer Auftritt der seit Bandgründung in unveränderter Besetzung spielenden und entsprechend kauzig wirkenden Truppe!

Obituary

Obituary - 2012-12

Nach diesmal etwas längerer Umbaupause betraten unter frenetischem Jubel um halb elf dann endlich Obituary die Bühne, vor der sich ein dichter Pulk aus Die-hard-Fans versammelt hatte (Pech für die Fotografin des Abends, da war kein Durchkommen mehr). Instrumente umgeschnallt, beeindruckende Haarprachten ins Gesicht geschüttelt, und los ging es mit „Intoxicated“ vom Debütalbum Slowly we rot. Die Stimmung in der Halle war sofort großartig und ließ auch während der folgenden 100 Minuten nicht nach. Ohne nennenswerte Ansagen (was typisch für die eher distanzierten Amis ist), aber mit einem fetten Grinsen im Gesicht schleuderten Sänger John Tardy (diese Haare!), Gitarrist Trevor Peres (diese Haare!!) und die übrigen Mannen eine Oldschool-Granate nach der anderen ins Publikum und verursachten sicher nicht nur bei mir Herzrasen vor Begeisterung. Ich habe Obituary schon diverse Male gesehen, sie waren immer gut, aber an diesem Abend waren sie großartig. Man merkte ihnen den Spaß an, den sie beim Spielen der alten Klassiker hatten, und dieser Spaß übertrug sich eins zu eins aufs Publikum. „Immortal visions“, „Infected“, „Cause of death“, „Body bag“, „Killing time“, mein Favorit „Back to one“, „The end complete“ … es hörte gar nicht mehr auf. In der Zugabe gab es noch das obligatorische Drum-Solo von Donald Tardy (diesmal ohne die „Unterstützung“ seines Bruders John) sowie „I’m in pain“ und „Slowly we rot“ zu hören, inklusive eines kleinen Ausflugs ins Publikum des zweiten Gitarristen, den seine Bandkollegen grinsend verfolgten. Zum Abschluss bat die sichtlich bewegte und erfreute Band das Publikum vor der Bühne zum Gruppenfoto und bedankte sich vielmals mit Handschlag vom Bühnenrand aus. Generell gaben sie sich an diesem Abend sehr viel fanfreundlicher und offener, als ich sie bisher erlebt hatte, Stagediver wurden geduldet und sogar angefeuert, unzählige Plektren flogen in die Halle, Drumsticks sowieso … ein wirklich schöner und denkwürdiger Auftritt!

 

14.09.2012 – Hell On Earth Tour 2012 – Walls Of Jericho, Death Before Dishonor, Hundreth, Betraya, Bitter Verses – Backstage Halle, München

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Death Before Dishonor
Das erste echte Highlight an diesem Abend waren die Bostoner Hardcoreler Death Before Dishonor. Mittlerweile hat sich diese Combo einen fast schon legendären Ruf als beinharter Live-Act in der Hardcore-Szene erarbeitet, den sie bei enthusiastischer Spiellaune immer wieder unter Beweis stellt. Leider waren diesmal einige Bandmitglieder ziemlich angetrunken und taumelten streckenweise wie ein angeknockter Boxer über die Bühne. Machte aber letztendlich nicht viel aus, da der Proll-Faktor ihrer Musik ohnehin Richtung Saufen, Prügeln und einen auf dicke Hose machen zu reduzieren ist. Nichtsdestotrotz entspringt aber genau dieser Mischung ihre große Popularität in der Gemeinde, so dass man ihnen einen versoffen-verstolperten Gig eigentlich nicht ankreiden kann. Wenn dann aber noch der Sound ziemlich breiig und undifferenziert aus den Boxen quillt, gibt dies dann doch in der Schlusswertung einige Minuspunkte. Wer keinen Ohrschutz dabei hatte, dem taten danach gehörig die Lauscher weh, fast schon unerträglich schlecht war der Mix aus dem Mischpult. Hinzu kamen dann noch die halbstarken Leibesübungen der Hardcore-Turner im Moshpit, in die man ohne Helm und Schutzanzug freiwillig nicht geraten sollte, ein diesmal echt selten dämlich wirkendes und rücksichtslos-anmutendes Getrete war da am Start- keine Ahnung, wen solch kindisches Gepose beeindrucken soll, den wenigen anwesenden weiblichen Fans offenbar nicht, versteckten sich diese im sicheren hinteren Bereich der Halle. Aber gut, man weiß worauf man sich einlässt, wenn man zu Konzerten solcher Bands geht, daher kann man sich auch nicht beschweren. Selbiges konnte man dann am Ende auch nicht, da wie immer zum Abschluss eines jeden Death Before Dishonor-Gigs ihre Hymne „Boston Belongs To Me“ angestimmt wurde, die mittlerweile in einer Liga mit Pennywises „Bro Hymn“ spielt, so eingängig und beliebt ist sie. Ein immerhin akzeptabler Abschluss eines eher durchschnittlichen Gigs.

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Walls Of Jericho
Sehnlichst erwartet wurde nun schon die allseits geliebte und beliebte Metalcore-Truppe aus Detroit, die ein steter Garant für intensive und oftmals auch unvergessliche Live-Shows sind. Frontbrüllwürfel und Eye-Catcher Candace Kucsulain ist mittlerweile Mum geworden, was man ihr auch ansieht: Sie sieht besser denn je aus, fit, durchtrainiert und ist nach wie vor bereit,die Bude zu rocken. Und wie sie das tat. Als gäbe es kein Morgen, ging von Minute eins so dermaßen der Punk ab, dass einem als neutraler Zuschauer fast der Atem stockte. München ist bekannt für sein beinahe divenhaftes und bisweilen arg lethargisches Konzertpublikum, doch bei diesem Gig bewies es das genaue Gegenteil. Wildes aber gleichzeitig rücksichtsvolles Gemoshe der Güteklasse A, wahnsinnig-anmutende Stagediving-Stunts und eine dadurch mehr und mehr euphorisierte Band machten diesen Auftritt zum Besten, was ich seit langer Zeit erleben durfte. Die heimelige Club-Atmosphäre der Halle war sicherlich ein zusätzlicher Faktor. Müßig zu erwähnen, dass der perfekte und überaus druckvolle Sound sein nicht unwesentliches Scherflein dazu beitrug. Es geht also doch, dass man in die Backstage-Halle durch ihre architektonisch-bedingte suboptimale Akustik einen anständigen Sound zaubern kann. Und wenn dann noch ein intensiver Live-Act hinzukommt, ist eigentlich alles bereitet für ein anständiges Konzert. Das Zünglein an der Waage spielt dabei das Publikum.
Candace gab mal wieder alles, inklusive ermunternder und positiver Botschaften zum Zusammenhalt und der Bedeutung der Szene für jeden einzelnen Beteiligten, als auch der oftmals verwendete Spruch: „You are the best audience so far on this tour“. Diesmal wohl wahr, zu 100% nämlich. Kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Club in einer anderen Stadt dieses Level an ausgelassener Begeisterung abrufen konnte. Dabei unterstelle ich der Sängerin aufgrund ihres unglaublichen Charismas einen wesentlichen Beitrag an der explodierten Stimmung, schafft sie es doch immer wieder mit ihrer vereinnahmenden Persönlichkeit, aus einer scheinbar teilnahmslos-neutralen Menge einen wilden Hexenkessel zu machen. Eine heutzutage wirklich seltene und fantastische Eigenschaft, sollte man seines Zeichens Frontmann/-frau einer Band sein. Ich liebe einfach diese Band und ihre Frontfrau. Und rückblickend betrachtet, habe ich eigentlich nie ein schlechtes Konzert mit ihnen erlebt.

Fazit: DEATH BEFORE DISHONOR machten das, was sie immer am Besten machen, nur leider mit der abstoßend-wirkenden übertrieben aggressiven Stimmung; WALLS OF JERICHO aber das genaue Gegenteil: Positive Aggressivität, unterstützt durch ein fantastisches Publikum, welches an diesem Abend der klare Gewinner war. Würde mir wünschen, mehr Konzerte dieser Sorte zu erleben.

 

22.09.2012 Sabaton, Backstage Werk

„Noch ein Bier, noch ein Bier…“

Nachdem Mitte des Jahres vier von sechs Bandmitgliedern die Band SABATON verließen, befürchtete die Musikbranche, die Gruppe würde sich komplett auflösen und die Musik an den Nagel hängen. Umso erfreulicher war die Meldung, dass die Verbleibenden schnell Ersatz für Gitarren und Schlagzeug gefunden hatten. SABATON begaben sich also wieder on the Road und machten mit ihrer „Swedish Empire Tour“ auch in München halt. Zur Unterstützung und zum Warm-werden für die Fans konnten sie WISDOM und ELUVEITIE gewinnen.
Bei der Anfahrt auf das Backstage Werk konnte man bereits sehen, wie groß der Ansturm auf die Karten gewesen sein muss. Das Konzert war komplett ausverkauft, eine scheinbar endlose Schlange wand sich auf der Straße. Leider hatte diese Information nicht alle erreicht, so dass das die Veranstalter und die Security zwei voll beladene Busse wieder heim schicken mussten. Aber zum Glück hatte ja die Wiesn-Zeit begonnen, vielleicht haben sie die Gelegenheit genutzt, um dahin einen Abstecher zu machen.

WISDOM
Die Ungarn sind außerhalb des Heimatlandes noch nicht wirklich bekannt, doch mit ihren Auftritten bei der „Swedish Empire Tour“ wird sich das recht schnell ändern.
Nach den ersten Takten und Klängen hatte die Band bei mir schon den „Wow“- Effekt erzielt und konnte nicht nur meine Aufmerksamkeit schnell auf sich ziehen. Von Beginn an spielten sie mit dem Publikum und animierten die Leute zum Klatschen, die sich auch nicht lange bitten ließen. Für das neue Album „Judas“ holte sich die Band einen neuen Sänger ins Boot. Gabor Nagy war definitiv eine sehr gute Wahl. Fans des hochmelodischen Power Metal kommen mit der Musik von WISDOM voll auf ihre Kosten. Dominant, ohne Scheu, mit vollem Körpereinsatz und starker, klarer, eindrucksvoller Stimme hatten sie die Münchner recht schnell im Griff. Mit der Version von IRON MAIDENS „Wasted Years“ konnten sie weitere Pluspunkte sammeln und dem Publikum zeigen, dass sie zurecht in einem Zug mit Namen wie HELLOWEEN und BLIND GUARDIAN genannt werden dürfen. Für mich eine absolut positive Neuentdeckung.

ELUVEITIE
Die Schweizer feiern aktuell zehnjähriges Jubiläum. Für die Fans gab es gleich zwei Alben in diesem Jahr zu ergattern. Anfang 2012 „Helvetios“ und im August „The early Years“. Zwei tolle Alben, die die gesamte Bandbreite des Könnens von Eluveitie umfassen. Seien es ruhige, mystische Momente oder rauchige, kraftvolle, die Band weiß, wie sie all diese Elemente in Harmonie bringen muss, um Stücke zu schaffen, welche wirklich einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Das bekamen die Münchner an diesem Abend auch zu sehen. Die meisten Songs stammten von dem „Helvetios“-Album. Auf der Bühne stand eine starke Band. Sie überzeugte mich ein wenig mehr als die letzten Male, zudem war auch das Licht deutlich besser, so dass man diesmal die Mitglieder auch sehen konnte. Leider war die Abmischung für mein Empfinden wieder ein wenig misslungen. Sänger „Chrigel“ ging in seinen tiefen Parts oft zwischen den anderen Instrumenten unter, das Schlagzeug war zu dominant, die Gitarren hätten auch ein bisschen mehr Pegel vertragen können. Hinzu kommt, dass die Stimme von Sängerin Anna teilweise zu schrill und hoch klang, so dass man schon fast Ohrenschmerzen bekam. Ich stellte auch fest, dass bei diesem Auftritt etwas weniger Leute im Werk waren; schade, denn im Großen und Ganzen war es eine sehr schöne Show.

SABATON
Sie ließen die Fans ja schon ein wenig zappeln. Alle versuchten soweit wie möglich in die ersten Reihen vorzudrängen, dabei war die Luft eh schon stickig und heiß. Doch einen richtigen Fan hält das natürlich nicht ab. Nach scheinbar einer halben Ewigkeit erklangen dann endlich die ersten Takte des Intros „The Final Countdown“. Die Menge flippte aus, grölte in voller Lautstärke den Text mit und war in großer Erwartung. Mit „Ghost to Vision“ springen die Mannen von Sabaton voller Elan auf die Bühne und geben sofort ordentlich Gas. Was anderes war auch nicht zu erwarten, gilt Sänger Joakim doch als absolute Rampensau. Bereits nach den ersten beiden Liedern erklangen die „Noch ein Bier, noch ein Bier“-Chöre. Joakim stellte mit einem Grinsen im Gesicht fest, dass die Deutschen anscheinend lieber Bier trinken als gute Songs hören. Noch ließ er sich nicht zu einem Schluck hinreißen und Sabaton spielten lieber ein paar weitere Stücke. Das Trinken überließ er dann doch den Fans. Die Setlist war sehr gut gemischt, einem alten Song folgte wieder ein neuer, so dass es den Fans nicht langweilig werden konnte. Auch an diesem Abend merkte man wieder, dass SABATON ihr Geschäft verstehen und dass es schon ein Verlust für die Metal-Szene wäre, wenn sie sich auflösen würden. Nach dem Ausstieg einiger Mitglieder konnte für Bass, Gitarre und Schlagzeug schnell Ersatz gefunden werden, für den Posten des Keyboarders jedoch wurde noch nicht der richtige Mann eingestellt . Der fehlte nämlich auf diesem Konzert, war aber gut zu verkraften.

Fazit: Metal und Bier kommen bei den Münchnern sehr gut an, besonders, wenn so eine Größe wie SABATON das Schlusslicht bilden. Die Masse hatte Spaß und feierte ausgiebig bis zum bitteren Ende.

Setlist:

Intro:
The Final Countdown

Ghost Division
Gott Mit Uns
Uprising
40:1
Cliffs of Gallipoli
Midway
Carolus Rex
Into the Fire
Swedish Pagans
The Price of a Mile
The Lion From the North
The Art of War
Attero Dominatus
Encore:
Primo Victoria
Metal Crüe