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Debütroman von Luci van Org – Frau Hölle: Ragnarök‘ Deine Mudda!

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Wer kennt nicht Luci van Org? Die quirlige Luci hatte in den Neunzigerjahren mit ihrer Band Lucilectric und dem Song „Mädchen“ großen Erfolg. Doch dass sie in den folgenden Jahren die Musikrichtung wechselte und als Übermutter mit harten Texten provozierte, scheinen nur wenige zu wissen. Luci ist eine talentierte Frau, die jetzt auch zur Feder gegriffen hat. Ihr Debütroman „Frau Hölle“ erschien am 27.05.2013. Den Leser erwartet Kritik an der Gesellschaft, Grenzüberschreitungen und viel Sarkasmus. Weiterlesen

450 Jahre Alter Südlicher Friedhof in München

Wo München Ruhe findet

In der ehemaligen Karmeliterkirche in München wurde vom 10. Mai bis 7. Juni 2013 eine Ausstellung zur Geschichte der Sepulkralkultur sowie zum 450. Bestehen des Alten Südlichen Friedhofs in München gezeigt. Für mich eine gute Gelegenheit mehr über diese kulturhistorische Stätte zu erfahren.

suedl-fh-aussstIm früheren Kirchenschiff der Karmeliterkirche waren Stellwände mit Informationen zum Lesen aufgestellt sowie im hinteren Teil eine 3D-Animation mit Kopfhörer, die Informationen zur Entstehung und Entwicklung des Alten Südlichen Friedhofs boten. Aufgrund dieser Darstellungen konnte man sich München im 16. Jahrhundert vorstellen:
Hier lebten ca. 15.000 Einwohner und innerhalb der Stadtmauern gab es fünf kleine Kirchenfriedhöfe, um den Verstorbenen ihre letzte Ruhestätte zu gewähren. Nachdem der Platz für die Toten aber immer knapper wurde, kauften die Pfarreien St. Peter und Unserer Lieben Frau ein Grundstück vor dem Sendlinger Tor und somit außerhalb der Stadtmauer. Unter dem Namen „ferterer Freythof“ wurde dieses Areal am 12.04.1563 geweiht; das ist der erste Abschnitt des heutigen Alten Südfriedhofs. Hier wurden vorerst allerdings nur die Armen und Pestopfer der Stadt München beigesetzt – ein Grund für die Bevölkerung, sich weiterhin auf den Kirchfriedhöfen beisetzen zu lassen.

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Lesung: Peter Probst – Blinde Flecken

01.06.2013 in der Münchner Stadtbibliothek im Westend: Peter Probst liest anlässlich des 50. Geburtstags der Bibliothek und des jährlichen Nachbarschaftstags aus seinem Krimi Blinde Flecken. Der Autor sowie Schreiber von Drehbüchern, unter anderem für Tatort und Polizeiruf 110, hat die Handlung des Buches im Westend angesiedelt.

Blinde Flecken2004: Tim Burger ist im Auto seiner Mutter unterwegs. Im CD-Player läuft Rammstein. Die Wut auf seine Freundin, auf Fremde und Juden lässt ihn diese Amokfahrt durch München machen. Zudem findet er passende Opfer für seine Aggression: Jugendliche des Sportclubs Blau-Weiss 57, ein jüdischer Verein; er rast auf sie zu, Blutspritzer verteilen sich auf der Frontscheibe.

2008: Der Privatermittler Anton Schwarz erwacht aus einem Traum, er vermisst seine Frau. Da klingelt es an der Tür. Der Rechtsanwalt Loewi erteilt ihm den Auftrag, den Fall Tim Burger neu zu untersuchen. Diese Amokfahrt ist dem ehemaligen Polizisten noch gut im Gedächtnis. Der Häftling Burger steht kurz vor der Entlassung, aber da gibt es laut Loewi noch so manche Ungereimtheiten. Schwarz ist für diesen Auftrag der Richtige. Ihn interessieren keine Überwachungen von untreuen Frauen etc. Man weiß, dass er der Mann ist, dem man Fälle anvertraut, um die Schuld oder Unschuld von Verurteilten zu beweisen. Vielleicht kann der private Ermittler dazu beitragen, dass die Freilassung von Burger verhindert wird?
Tim Burger ist im Knast gefürchtet, er trainiert hart und hält sich von den anderen Häftlingen fern. Seine Zeit wird kommen. Weiterlesen

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17.5.2013 – 1. Bayerische Luftgitarrenmeisterschaft – Backstage Halle, München

Tactical Facepalm

Man kann sich so manches schön saufen auf dieser Welt: Den Job, die Weiber, ne miese Party … Man brauchte einiges an Kapazität, wollte man die 1. Bayerische Luftgitarrenmeisterschaft bis zum bitteren Ende durchstehen. „Einlass / Beginn: 21 Uhr“, so verkündete es die Backstage-Homepage. Pünktlichst um neun öffneten sich die Pforten, die Meute stürmte in die Halle und an die Bar, zwei DJs sorgten mit altbewährten – und gitarrenlastigen – Metal- und Rock-Klassikern für hervorragende Stimmung. Die Bühne lag noch in mysteriöses Dunkel gehüllt, hin und wieder gab’s Nebel von oben. Daran sollte sich auch eine Weile nichts ändern … Weiterlesen

Marieluise Fleißer „Fegefeuer in Ingolstadt“ – Münchner Kammerspiele

Irreale Freakshow

 

Marieluise Fleißer: Fegefeuer in Ingolstadt

Münchner Kammerspiele

 

Wie kann man am Ende eines an Befremdlichkeiten ohnehin nicht armen Theaterabends ein Publikum noch einmal richtig unruhig werden lassen und Teile davon aus dem Saal treiben? Durch schiere Wiederholung: „Blut Christi tränke mich, Wasser der Seite Christi, reinige mich, Leiden Christi, stärke mich …“, dieses Anima Christi genannte und im Stücktext nicht vorkommende erzkatholische Gebet aus dem 14. Jahrhundert wird zum Schluss von allen Akteuren im Chor deklamiert – nicht einmal, nicht zweimal, sondern ein gutes dutzendmal in immer schriller werdender Tonlage. Religiöse Ekstase, die dem Zuschauer gehörig auf die Nerven geht, und eine vielleicht etwas zu offensichtlich kalkulierte Reizung des Geduldsfadens.

In ihrem 1924 entstandenen Erstlingswerk Fegefeuer in Ingolstadt behandelt Marieluise Fleißer die Konflikte innerhalb einer im konservativen katholischen Kleinstadtmilieu aufwachsenden Gruppe Jugendlicher und verarbeitete damit auch eigene Erfahrungen. Fleißer, die von Brecht gefördert wurde und zu recht als frühe Vorläuferin von Autoren wie Sperr, Faßbinder oder Kroetz gelten darf, nannte es selber ein Stück über „das Rudelgesetz und über die Ausgestoßenen“. In einer Sprache, die eine seltsame Mischung aus bayerischer Volkstümlichkeit und extremer Künstlichkeit ist, schildert sie die Geschichte der ungewollt schwangeren Olga, die von ihrem Freund sitzengelassen wurde und um die sich nun der von allen verachtete, weil ungepflegte und fanatisch religiöse Roelle bemüht, der sich selbst für einen Erlöser hält. Weiterlesen

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Rezension: Steam Noir

Das Kupferherz

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Landsberg, eine Insel mitten im Nirgendwo, eine schwebende Scholle. Wir sehen, wie Landsberg im Licht einer warmen Sonne seinen Schatten wirft. Dann nähern wir uns, zuerst dem Königreich Januskoogen, das an der westlichen Seite der Scholle gelegen ist. Weiter auf die Stadt Schierling und das Stadtviertel Brombach. Und dort sehen wir ein Dach, bestückt mit einer seltsamen Gerätschaft. Davor steht ein Mann und kontrolliert Anzeigen. Wir erfahren auch seinen Namen: Heinrich Lerchenwald. Er klettert wieder vom Dach herunter, scheint seine Arbeit beendet zu haben und zumindest einigermaßen zufrieden zu sein. Er füttert seine Fische, alles ist ruhig…
Bis plötzlich seine Tür zersplittert und ein Trupp Soldaten in Rüstung und mit Gesichtsmasken seine Wohnung stürmt. Sie überwältigen den schlanken Mann fast sofort. Es gibt nur eine Frage, die sie interessiert:

Wo ist das Herz?

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Lesung / Buchbesprechung: Daniel Ryser: SLIME. Deutschland muss sterben (13.4.2013, Club Milla)

Deutschland muss sterben, damit wir lesen können!

Lesung des Schweizer Journalisten Daniel Ryser mit einem Akustik-Gig von SLIME

Nachdem man die Bandmitglieder von SLIME schon vorher ohne Berührungsängste oder Starallüren durch das Publikum hat schleichen sehen, kommt Daniel Ryser  pünktlich um 21:00 Uhr auf die Bühne. Mit grünem T-Shirt, Jeans und roten Turnschuhen sieht er weder aus wie der typische Nadelstreifen-Journalist, noch wie ein Punk, noch wie ein Gangster-Rapper – das Musik-Genre, aus dem er nach eigener Aussage eigentlich stammt. Er wirkt wie der Junge von nebenan, und das macht ihn spontan sympathisch.

Er sei sehr aufgeregt, sagt er, auch wenn man ihm das nicht so ansehe, und beginnt mit einer Anekdote von der Lesung in Wiesbaden, wo ein Besucher ständig „Wann gibt‘s endlich Mucke!!!“ rief. Das passiert in München glücklicherweise nicht, das Publikum lauscht gespannt den zahlreichen kleinen Geschichten und Legenden um Deutschlands radikalste und kompromissloseste Punkband und quittiert diese mit Schmunzeln, Lachen und auch mal Zwischenapplaus. Weiterlesen

Review: Dead Space 1 & 2

Tote Räume

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Es ist dunkel und still. Auf dem Boden stapeln sich Kisten, Gegenstände liegen verstreut herum. Es sieht aus, als hätte seit mindestens einer Woche hier niemand mehr aufgeräumt. Wahrscheinlich länger. Eigentlich bist du nur hierher gekommen, um ein Problem mit den Kommunikationsanlagen zu beheben und deine Freundin zu suchen. Sie arbeitet hier. Kein Problem. Eigentlich. Aber hier stimmt etwas ganz und gar nicht. Es sollten hunderte von Leuten hier arbeiten, doch nicht eine Seele ist zu sehen. Dazu scheint die Kommunikation nicht das einzige Problem zu sein, manche der Türen lassen sich auch nicht öffnen. Na schön, die Lösung dafür liegt auf der Hand. Du gehst in den kleinen Seitenraum, wo sich ein Computer befindet, mit dem du das beheben kannst. Du siehst deine Kollegen, die auf dich warten, noch durch die Sichtscheibe vor dir. Dann berührst du die Taste …
Alarmlichter beginnen zu glühen, eine mechanische Frauenstimme erzählt etwas von Quarantäne. Hektik bricht aus. Irgendwo über dir kratzt etwas. Dann bricht es herunter. Aus einem Lüftungsschacht in der Decke fällt ein Wesen, grob humaoid. Riesige Sicheln springen aus seinen Armen hervor, das Gesicht eine alptraumhafte Fratze. Sofort greift es dich an. Es will dich aufschlitzen. Mit knapper Not entkommst du den tödlichen Waffen, rennst blind in einen offenen Korridor, durch eine Tür, schließt sie in Panik hinter dir. Dein Herz rast, das Blut rauscht in den Ohren, als du versuchst, dich in Sicherheit zu bringen und irgendwas, notfalls auch ein Werkzeug, zu finden, mit dem du dich wehren kannst.

Willkommen auf der USG Ishimura. Willkommen in deinem schlimmsten Alptraum.

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Autorenportrait: Terry Pratchett

Ein Weltenschöpfer

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photo by Christian Thiel

Terry Pratchett – Wem klingt dieser Name nicht in den Ohren? Mittlerweile sicher nicht nur Fantasy-Insidern, denn Terry Pratchett hat sich mit Witz und cleveren Anspielungen in die Herzen seiner Fans auf der ganzen Welt geschrieben. Vor dem Erfolg von J. K. Rowlings Harry Potter der erfolgreichste Autor Großbritanniens, schrieb er bisher rund 50 eigene Romane und zahlreiche weitere in Zusammenarbeit – übersetzt in 37 Sprachen. Seine Fantasie und sein einmaliger Stil brachten ihm Ende 2008 sogar die Ritterschaft der englischen Krone ein. Außerdem wurde eine fossile Urzeit-Schildkröte aus dem Eozän nach ihm benannt: Psephophorus terrypratchetti. Wer kann das schon von sich behaupten? Weiterlesen

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Friedhof Neuhausen München

Friedhof Neuhausen

eingangDer Eingang an der Winthirstraße in München ist klein, man betritt die Ruhestätte über einige Stufen und steht vor dem Winthirkirchlein. Der Friedhof tauchte erstmals 1315 urkundlich auf, das derzeitige Erscheinungsbild gibt es seit 1829. Weiterlesen