Die Gotik

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Kölner Dom

Bei meinem letzten Besuch in Köln war ich mal wieder im Dom. Diese düstere Schönheit – in der Schule habe ich darüber mal ansatzweise etwas gelernt, aber es blieb nicht viel davon im Gedächtnis. Darum hab ich mir einen Vortrag zum Thema „Die Gotik als Gesamtkunstwerk am Beispiel französischer Kathedralen“ bei der VHS geleistet. Hier für Interessierte eine Zusammenfassung:

Die Gotik hat sich im Mittelalter entwickelt. Im Laufe des 12. bis 15. Jahrhundert wollte der Klerus die neu zu bauenden Kathedralen als eine Art „Bibel für Arme“ gestalten und das unwissende Volk dadurch belehren, u. a. wurden Geschichten aus dem Leben der Heiligen gezeigt und von kirchlichen Festen mittels Glasgemälde erzählt. Ebenso ausdrucksstark sollten die Portalstatuen sein.

Die Ausrichtung der neuen Bauwerke hatte in der Gotik von Ost nach West zu erfolgen. Der Kopf im Osten, in Richtung aufgehender Sonne. Den Außenfassaden an der Nordseite waren die Darstellungen des Alten Testaments, denen an der Südseite des Neuen Testaments vorbehalten; die Westfassaden sollten das jüngste Gericht darstellen und die Ostfassaden Todesszenarien vermitteln.

An den Kirchen bemerkt man den Höhendrang, die „Himmelssehnsucht“. Die vertikale Tendenz gotischer Bauten im Gegensatz zu mehr horizontalen Gebilden der vorausgegangen romanischen Baukunst zeigen den Unterschied der Architekturstile. Über den Portalen sind oftmals Heilige in Bogenform zu sehen. Ein hl. Papst bzw. König wurde bei dieser Anordnung erhöht und mittig abgebildet. Typisch ist auch die spitz zulaufende Fensterform.
Die Steinmetzmeister, die dem Äußeren der gotischen Bauten Gestalt geben sollten, wurden mit ihren umfangreichen Arbeiten an großen und unzähligen kleinen Skulpturen nur selten rechtzeitig fertig.
Das Gewölbe einer Kathedrale wird durch das Kreuzrippe getragen und leitet den Gewölbedruck zu den Pfeilern (s. a. Link). Dadurch ergeben sich auch die gegliedert aufgestellten Pfeiler.

In der Gestaltung der Figuren überwiegt eine gewisse Typisierung. Hierbei sollte das Wiedererkennen der Darstellungen gewährleistet werden bzw. für das einfache Volk erleichtert werden. Die Dreidimensionalität fehlt und Objektschatten werden nicht dargestellt. Die starre Haltung der Statuen sowie der sich wiederholende Gesichtsausdruck sind diesem Kunststil entsprechend, v.a. auch durch die Praxis der Bildhauer im Mittelalter, schön gestaltete Gesichtsdarstellungen als Muster an Steinmetze weiterzugegeben. Erst Ende des 14. Jahrhunderts bemühten sich die Künstler, den Gesichtern der Statuen Gefühlsausdruck zu geben.

Die Kunst war im Mittelalter eine Art Heilige Schrift mit festgeschriebenen Attributen. Zum Beispiel musste der Heiligenschein vertikal und symmetrisch angebracht sowie mit einem Kreuz versehen werden, das die Göttlichkeit kennzeichnete. Der Lichtschein, der die heilige Person umgibt, war am ganzen Körper anzuwenden.
Ferner sollten Gott, Jesus und die Engel barfuss gestaltet sein, aber nicht Maria und die Heiligen. Der Himmel wurde durch mehrere geschwungene, konzentrische oder manchmal auch gezackte Linien dargestellt.
Parallel verlaufende Linien bedeuteten Wasser, die Flüsse und das Meer.
Ein Turm und ein Tor stellten eine Stadt dar. Sah man zwischen den Zinnen einen Engel, war die Stadt Jerusalem gemeint.

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Kölner Dom – Glasfenster

Bei den (Glas-)Bildern musste der Künstler eine gewisse Rangordnung der Abgebildeten einhalten, z.B. wurde Petrus an die rechte Seite von Jesus gesetzt. Das resultiert auch aus der Ansicht des Klerus, dass links nur unwürdige Personen stehen und rechts die würdigen.

Die Symbolik ist in der Gotik weit verbreitet. Seit der Zeit des Urchristentums, soll heißen in den Katakomben Roms, wendet die christliche Kunst Symbole an. Zum Beispiel stellt ein Löwe, der neben dem Grab Christi steht, die Auferstehung dar, Stroh bezeichnet die Sünde. Damals wurde gesagt, dass jede Form in der Kunst durch den Geist, durch das Symbol belebt wird. Dazu gehören auch die Gestik, die Priestergewänder, die Gegenstände, die bei der Messe und anderen Zeremonien gebraucht werden, die Tiere und sogar die Pflanzen, die ein Künstler darstellt.

Das in der Gotik verwendete „Bestiarium“ ist eine mittelalterliche Tierdichtung. Es zeigt auch die Symboleigenschaft der Tiere in der mittelalterlichen Kirchenkunst, insbesondere in Frankreich. Evangelisten wurden z. B. durch den Löwen (Markus), den Stier (Lukas) und den Adler (Johannes) dargestellt.

Auch die Flora wurde symbolisch eingesetzt: die Rosen symbolisierten das Blut Jesu, Nesseln die brennende Glut des Lasters. Ein Gewächs konnte auch mehrere Bedeutungen haben, z. B. die Lilie. Sie bezeichnete erst den Heiland, später auch die Heiligen, die Menschheit oder die seligen Gefilde. Die Künstler mussten vorwiegend Frühlingsgewächse einsetzen, z. B. Sprösslinge, Ranken, Zweige, Reben. In Stein wurden Wegerich, Farn, Ginster, Efeu gemeisselt.

Adam und Eva wurde die Bearbeitung der Felder auferlegt. Deswegen finden sich in vielen Kirchen in Stein gemeisselte Jahreskalender. Die Feldbestellung, der Weinbau und die Ernte wurden von einem Tierkreis begleitet. Diese Bilder sind dem Heidentum entnommen und fanden nichtsdestotrotz ihren festen Platz in den Sakralbauten der Christen.

Für die Menschen im Mittelalter waren Heilige nicht nur Helden der Weltgeschichte, sondern auch ihre Fürsprecher und Schutzpatrone. Dementsprechend oft wurden große Heilige in der Glasmalerei der Kirchen verherrlicht. Im Rang der Heiligen nahmen die Apostel den ersten Platz ein, danach kam St. Nikolaus und der Hl. Jakobus.

Ein Irrtum der Handwerker in der Darstellung und Malerei oder eine Nichtbeachtung der vorgenannten Richtlinien der römischen Kirche galt als Ketzerei.

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Kölner Dom

In den Kunstwerken der Kathedralen waren auch Handwerker mit den von ihnen gestifteten farbigen Fenstern vertreten. Es wurden Glasbilder mit den Attributen der Stifter in Auftrag gegeben und ausgeführt: z. B. dem Webstuhl, dem Metzgermesser, dem Hammer, der Maurerkelle oder der Schaufel. Könige, Edelleute und Bischöfe nahmen in den Glasgemälden als Stifter nur einen bescheidenen Platz ein, meistens in Demut vor Jesus, Maria oder einem Heiligen.

Die großen Männer des Altertums sind in den gotischen Kirchen kaum dargestellt. Jedoch findet man in Frankreich die Taufe Clodwigs und die Geschichte Karls des Großen dargestellt.

Man kann die Gotik auch noch in weiteren deutschen Kirchen finden, z. B. im Regensburger Dom, dem Ulmer Münster, der St. Martins-Kirche in Landshut und dem Müncter zu Freiburg.

Wer sich für die Gotik interessiert, kann auch bei Wikipedia weitere Informationen nachlesen.

„We Worship The Black“ – Sonne Adam

Metal aus dem Untergrund

Man denkt nicht an Drums und E-Gitarren, wenn man „Sonne Adam“ liest. Viel besser könnte man sich darunter ein Wellness-Programm oder eine Glaubensgemeinschaft vorstellen. Erfährt man schließlich, dass „Sonne Adam“ aus Israel kommen, liegt jeder Gedanke an eine dunkle Musikrichtung fern.
Falsch gedacht! Denn Sonne Adam ist tatsächlich eine – leider noch unbekannte – Metal-Band aus Israel. Mit einer gewohnt dunkel-kratzigen Männerstimme, schnellen Drums und teilweise hörenswerten E-Gitarrenklängen blinkt ein neuer Stern am Metal-Himmel.
Sonne Adam gründete sich 2007 in Israel als Death-Metal-Band. Die vier Musiker Dahan (Bass und Gesang), Davidov (Gitarre), Mayer (Gitarre) und Steel (Schlagzeug) machen damit sozusagen Untergrundmusik, denn im jüdisch geprägten Staat gibt es nicht mal ein Dutzend auch nur annähernd bekannte oder öffentlich musizierende Bands dieses Genres. Ihr Debütalbum „Transformation“, das am 01.04.11 in Deutschland erschienen ist, macht dem Genre alle Ehre. Wer nun den Bandnamen wörtlich nimmt, sucht auf dem Cover vergeblich nach bunten Farben. Das ist nämlich in schwarz/weiß gehalten, mit herrlichen Dämonenköpfen unter anderem. Ebenso sind die neun Songs auf dem Debütalbum apokalyptisch angehaucht, religionsfeindlich (wenn man das kulturelle Umfeld im Auge behält) und wer sich damit auskennt, entdeckt die Liebe des Bandgründers Davidov zu Morbid Angel. Von ihnen inspiriert, hat sich Davidov zu Songs wie „We who worship the black“, „Through our eyes hate will shine“ oder “I claim my birth in blood” hinreißen lassen, die Bandkollege Dahan voller Verachtung ins Mikro brüllt.
Sonne Adam ist im Übrigen Hebräisch und heißt wörtlich übersetzt „Hass-Mensch“. Nomen est omen und Sonne Adam ist eine Band, die sich zu hören lohnt – und sicherlich in westlicheren Ländern großen Anklang findet. Tourdaten gibt es keine, eine richtige Band-Homepage fehlt auch und die Infos sind noch spärlich. Wer reinhören möchte, kann dies bei Myspace tun. Dort finden sich zwar nur vier Songs, aber die haben es in sich.

Sonne Adam – Transformation 
Release: 01.04.2011; Label: Century Me (EMI), UVP: 13,99 €
Trackliste:
01. We Who Worship The Black
02. I Sing His Words
03. Sonne Adam
04. Solitude In Death
05. Take Me Back To Where I Belong
06. Through Our Eyes Hate Will Shine
07. I Claim My Birth In Blood
08. Transformation
09. Apocalypse