Reise nach Rom

Die Band mit dem ungewöhnlichen Namen 3+Dead wurde erst 2017 von Gitarrist Roberto Ruggeri, der zusätzlich den Synthesizer bedient, und der Sängerin Elisa Pambianchi in Rom gegründet. Giuseppe Marino am Bass macht das Line-Up komplett. Die Band konnte bereits einige Live-Erfahrung sammeln und hat unter anderem schon mit undertheskin, Miro Sassolini (Ex-Diaframma) und Winter Severity Index gespielt. Mittlerweile haben sie ihr selbstbetiteltes Debüt 3+Dead in einer Co-Produktion zwischen Icy Cold Records und Swiss Dark Nights herausgebracht.

Eine verträumte Schwermut liegt über dem ersten Song, „Snake of June“, bei dem Minimal Wave um Elemente des Gothic Rock erweitert wird. Eine Kombination, die mir außerordentlich gut gefällt. Auf dem folgenden „Ocean drift“ kommt auch noch Shoegaze als Einfluß hinzu, alles ist sehr atmosphärisch. Als Vergleich könnte man Holygram heranziehen, nur eben mit der weichen, weiblichen Stimme von Elisa. Bei „Shine“ tritt der Rhythmus etwas mehr in der Vordergrund, ansonsten bleiben die bewährten Zutaten erhalten. Ist das nun Wave oder Dream Pop? Egal, es ist äußerst gefühlvoll und entspannend. Doch das clubtaugliche „November“ verhindert, dass man einschlafen könnte. Der Rhythmus wird nun deutlich betont, durch die Gothic Rock Anteile rückt der Song in die Nähe von Faith and the Muse oder Inkubus Sukkubus. Einzelne Elemente von „Angitia“ erinnern mich an „Marian“ von The Sisters of Mercy und „Goodbye horses“ von Q Lazarus, nicht gerade die schlechteste Kombination.
Und gleich im Anschluss bringt mir die tolle musikalische Atmosphäre in „The thing that you call love“ The Cures „One hundred years“ zurück, auch wenn der Gesang von Elisa natürlich völlig anders ist als der von Robert Smith. Aber dieser Dream Pop Wave ist einfach wahnsinnig gefühlvoll, ebenso wie beim folgenden „Ghosts generator“. Doch hier sorgen eingestreute und teils dissonante Synthie-Sounds dafür, dass man den Kontakt zur Realität verliert. Das ist anders als bei den erst kürzlich rezensierten Shadowlands (Link), die mir auch wiederholt in den Sinn kommen beim Hören. Eine große Überraschung ist dann das Cover von „Kebabtraume“ (ja, ohne Pünktchen über dem ‚a‘), mit dem die Römer nach Berlin reisen, und von dem ich nicht sagen kann, ob 3+Dead sich dabei auf die Version von Fehlfarben („Militürk“) oder die von DAF beziehen, so eigenständig gehen die Italiener hier zu Werke. Sie kleiden den Song in ein Minimal-Wave-Gewand, und der monotone Gesang von Elisa verströmt eine kalte Roboter-Ästhetik. Als nächstes folgt noch einmal „Kebabtraume“, das ich mir direkt noch einmal anhören muss. Großartig! Nun kommen wir aber wirklich zum Schluss mit „Rabbit hole“. Hier werden noch einmal alle Elemente vereint, die 3+Dead ausmachen: Minimal Wave, Shoegaze, Dream Pop und Gothic.

Fazit: 3+Dead sind eine ungewöhnliche Band, was schon beim Namen anfängt und sich bei der Bandbreite der musikalischen Einflüsse fortsetzt, die sie verarbeiten. Minimal Wave, Shoegaze, Dream Pop und Gothic werden je nach Song mit unterschiedlichen Gewichtsanteilen bedacht, was das Album höchst abwechslungsreich und interessant macht. Ich bin gespannt, wie die Reise weitergeht.
Und noch ein Nachsatz zu „Kebabtraume“. Das finde ich so gelungen, dass ich mir eine eigene EP mit weiteren Coversongs in dem Stil wünschen würde.

Anspieltipps: November, Angitia, Kebabtraume

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch:

3+Dead: 3+Dead
Icy Cold Records + Swiss Dark Nights, Vö. 22.11.2019
MP3 8,00 €, CD 13,00 € erhältlich über Icy Cold Records

Homepage: https://www.facebook.com/ThreePlusDead/
https://icycoldrecords.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/icycoldrecords/
https://swissdarknights.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/SwissDarkNights

Tracklist:
01 Snake of June
02 Ocean drift
03 Shine
04 November
05 Angitia
06 The thing that you call love
07 Ghosts generator
08 Kebabtraume
09 Rabbit hole

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