CD: Amanda Palmer; Edward Ka-Spel – I can spin a Rainbow

Irgendwo zwischen bezaubernd und bedrückend

AmandaPalmer_ICanSpinARainbow-SOFTPACK_COVERZunächst muss ich gestehen: ich bin nicht der größte Dresden Dolls Fan, aber Amanda Palmers Soloalben Who Killed Amanda Palmer und Theatre is Evil sind beide absolut meine Kragenweite. Ich liebe Palmers strikte Weigerung, sich Genregrenzen unterzuordnen, dabei aber trotzdem wunderbare, handgemachte Musik zu produzieren, die angenehm fürs Ohr ist. An die Zusammenarbeit mit Edward Ka-Spel von den Legendary Pink Dots bin ich dennoch erstmal ohne Erwartungen herangegangen, insbesondere da ich mit Psychedelic generell nicht viel anfangen kann. Aber ich wollte mich einmal mutig über meine eigenen Genregrenzen hinauswagen und wurde mit einer sehr interessanten Erfahrung belohnt.

I can spin a Rainbow ist aus wenigen, wirkungsvollen Elementen zusammengesetzt: nicht aufpolierte Synthie-Sounds, die klingen wie frisch aus den 80ern, raue Streicher und Klavierelemente, lineare Melodien und zwei tiefe, wunderbar gefühlvolle Stimmen. Diese Reduktion reißt den Hörer auf eine sehr grundlegende Ebene der Musik zurück: keine künstlich aufgeplusterten Sounds, keine hörbar nachbearbeiteten Stimmen – quasi ein Topmodel ohne Makeup. Sie klingt roh und ehrlich und rührt an dunkle Gefühle, die man im Alltag gern unter einem aufgesetzten Lächeln verbirgt.

Das ist beeindruckend und ungewöhnlich, macht es aber zumindest für mich persönlich auch schwer, lange zuzuhören ohne dass es mich zu bedrücken beginnt, insbesondere da die meisten Stücke mit fünf bis neun Minuten Spielzeit sehr lang und anstrengend zu hören sind. Dies ist definitiv kein Easy-Listening, hier muss man wirklich zuhören statt nur zu hören.

I can spin a Rainbow ist die musikgewordene Vorstellung von Alice, die nach ihrem Ausflug ins Wunderland erwachsen geworden ist, womöglich einige schlechte Erfahrungen mit bewusstseinserweiternden Substanzen hatte und nun irgendwo zwischen den verrückten, wundersamen Erinnerungen eines fantasievollen Kindes und der desillusionierten Welt eines einsamen Erwachsenen festhängt. Und was wird eigentlich aus einem Regenbogen, wenn man ihn dreht? Genau diese Frage ist für mich der Gesamteindruck dieses Albums.

Hier haben sich definitiv zwei Künstler gesucht und gefunden. Es ist nahezu unmöglich zu sagen, wo Amanda aufhört und Edward anfängt – künstlerisch, musikalisch und manchmal sogar gesanglich. Nichts, was ich jeden Tag hören möchte, und ich würde es auch nicht uneingeschränkt jedem empfehlen. Aber wer ein Interesse an experimenteller, psychedelischer Musik hat, sollte sich definitiv auf I can spin a Rainbow einlassen.

Anspieltips: Beyond the Beach, The Jack of Hands, Prithee/Liquidation Day

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch2:

Amanda Palmer & Edward Ka-Spel: I can spin a Rainbow
Eight Foot Records, VÖ 05.05.2017
MP3 download: € 8,49
CD: € 14,99
Vinyl (+ Bonus Tracks): € 19,99
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amandapalmer.net

Tracklist:
1. Pulp Fiction
2. Shahla’s missing page
3. The shock of kontakt
4. Beyond the beach
5. The clock at the end of the cage
6. The changing room
7. The Jack of Hands
8. Prithee/Liquidation Day
9. Rainbow’s End

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