In diesem Album kann man sich verlieren

Afraid-to-leaveBleib Modern sind alte Bekannte im Webzine, hatte ich doch schon das Vorgängeralbum Antagonism von 2017 näher vorgestellt (Link zur Review). Auch live haben sie mich in der Vergangenheit schon mehrmals begeistert. Mehr als drei Jahre hat es nun gedauert, aber es liegt eine Pandemie dazwischen, und die Standorte München-Berlin der fünfköpfigen Band um Gründer Philipp Läufer machen die Zusammenarbeit auch nicht unbedingt einfacher. Um so mehr freue ich auf das neue Album Afraid to leave, das bei Icy Cold Records erschienen ist.

Nur die ersten paar Takte von „Glow“ und schon stellt sich dieses vertraute Gefühl ein. Bleib Modern sind zurück. Melancholischer Post Punk wie ich ihn mag, und der Züge von The Exploding Boy zeigt. Auch „Loony voices“ ist geprägt vom Bassspiel und dem Schlagzeug als Grundgerüst, der Gitarrenmelodie und dem verträumten Gesang von Philipp, während das Keyboard für zusätzliche Atmosphäre sorgt. „Bitter smile“ hingegen tendiert eher Richtung Wave, und ich kann Einflüsse von den frühen The Cure, The Chameleons und vor allem Echo and the Bunnymen ausmachen. Der Stil setzt sich auch bei dem ebenfalls sehr schönen „Your skin“ fort. Passend zum Titel wird es mit „Sleep“ deutlich ruhiger, auch wenn das percussive Element in der Musik hier deutlich hervorgehoben wird. Das mag widersprüchlich klingen, finde ich aber besonders gelungen.
Mit einem „Portrait“ in der Hand geht es nun auf die Tanzfläche, während der Nebel um die Beine streift. Der Bass rumpelt herrlich tief am unteren Ende der Tonleiter, und der Gesang verströmt eine gewisse Dramatik. Die Drums eröffnen „Soaked“ und bleiben dann auch den Song über tonangebend, dennoch beginne ich mich in der Musik zu verlieren. Zu „Around your arms“ fühle ich mich fast schon gezwungen, die Augen zu schließen und erlebe den völligen Verlust von Raum und Zeit. Ich bin weit, weit weg, und dass es nur fünfeineinhalb Minuten sind, bevor das rockigere „Walls“ einsetzt, kann ich kaum glauben. Dabei setzt sich die Wave-Atmosphäre durchaus fort, aber die Produktion besitzt hier eben mehr Druck. Ein Stück weit fühle ich mich an Holygram erinnert. Mit „Into the night“ werden wir verabschiedet. Das etwas gediegene Stück wird mit einer Prise Indie Rock angereichert, bleibt aber insgesamt dem Wave-Post-Punk-Spektrum treu.

Fazit: Bleib Modern zählen schon länger zu meinen Favoriten unter den neuen Vertretern der alten Musik von Wave bis Post Punk, und auch dieses Mal haben sie mich wieder überzeugt. Auch wenn sie sich, im Vergleich zu Antagonism, hier vom Gothic Rock gelöst haben und es nicht ganz so tieftraurig zugeht, bleiben sie ihren grundsätzlichen Einflüssen treu, ohne aber dabei ewig-gestrig zu klingen. Afraid to leave ist ein melancholisches Album, in dem man sich verlieren kann, wenn man das zulässt.

Anspieltipps: Glow, Sleep, Around your arms

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Bleib Modern: Afraid to leave
Icy Cold Records, Vö. 05.03.2021
MP3 8,00 €, CD 13 €, LP 20 € erhältlich über Bandcamp
Limitierte Editionen erhältlich über Icy Cold Records

Homepage: https://ffm.bio/bleibmodern
https://facebook.com/bleibmodern
https://www.facebook.com/icycoldrecords/

Tracklist:
01 Glow
02 Loony voices
03 Bitter smile
04 Your skin
05 Sleep
06 Portrait
07 Soaked
08 Around your arms
09 Walls
10 Into the night

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