Könntest du schwimmen, wie Delphine es tun
Dieses Jahr, am 31. März, ist Blixa Bargeld, der Einstürzende-Neubauten-Sänger, mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt worden. Acht Künstler*innen hat die scheidende Kulturstaatsministerin Claudia Roth vorgeschlagen, diese hat Bundespräsident Steinmeier ausgezeichnet. Ob Blixa Bargeld, das ehemalige „schwarze Schaf“ Deutschlands, das jemals geahnt hätte? Doch nun war er an der Reihe, jemanden zu ehren. Schon letztes Jahr hat er mit Nikko Weidemann zusammen im Rahmen der Show „Space Oddity: A Tribute To David Bowie“ „Where are we now?“ performt. Nun haben die beiden Herren in Eigenregie eine EP mit vier Songs von David Bowie herausgebracht: „Helden“, „Where are we now?“, „Subterraneans“ und „Lazarus“.
„Helden“ (aus dem Album Heroes) und „Subterraneans“ (aus Low) stammen aus David Bowies Berliner Jahren. Mittlerweile gibt es ja einen richtigen Kult um die Zeit Bowies in Berlin. Geführt oder auch auf eigene Faust kann man seinen Fußstapfen folgen, und die gehen weit nach Berlin hinein. Bowie war kunstinteressiert und schaute sich die Museen an, er lernte neue Leute kennen (er war nicht nur Iggy Pops Aufpasser), er lernte die Bertolt-Brecht-Welt kennen, und er nahm mit Brian Eno die immerwährenden Kult-Alben Heroes und Low auf. Die Kreuzberger Ecken, in denen Bowie lebte, werden von Fans mehr denn je heimgesucht. Bowie ging 1978 wieder, und Blixa Bargeld kam. Ein genauso dürrer Hering wie David Bowie, ein gebürtiger Berliner, ab dem 1. April 1980 Frontmann der Einstürzenden Neubauten. Zu Bowies Berlin-Zeit Ende der 70er Jahre sind sie sich sogar ab und an begegnet. Selbe U-Bahn, selbe Weggehgegend. Und nun singt er Bowie. Es geht los mit „Helden“, der deutschen Version von „Heroes“. Worum es in dem Song geht, das weiß jede*r. „I can remember, standing, by the wall, and the guns, shot above our heads, and we kissed, as though nothing could fall …“ – die omnipräsente Berliner Mauer. Ganz reduzierte Musik, man hört nur Klavier und Blixa Bargelds Stimme, die wie so oft fast nur Sprechgesang ist, fast dramatisch, und dann das Kreischen am Ende! Diese Art von Musik, Gesang und Arrangement geht so weiter in „Where are we now?“. Das ist Bowies Song aus dem Jahr 2013, eine Art Rückbesinnung an Berlin. Wenn man von einer EP oder Schallplatte spricht, und nicht von einem Download, dann ist es jetzt an der Zeit, die Platte umzudrehen. Auf der B-Seite folgt „Subterraneans“ aus dem Album Low. Düster, eindringlich, dabei gibt es nicht einmal viel Text, gerade einmal fünf Zeilen, und die lassen sich nicht einmal sinnvoll ins Deutsche übersetzen: „Share bride failing star, Care-line, care-line, care-line, care-line riding me, Shirley, Shirley, Shirley, own, Share bride failing star“. Bargeld und Weidemann brillieren zusammen. Nikko Weidemann, muss man wissen, ist auch für die Musik der Serie „Babylon Berlin“ (und das Moka Efti Orchestra) verantwortlich. Wieder ein Berlin-Thema, und zwar fantastisch! Beendet wird die EP mit „Lazarus“. Der Song ist aus Bowies letztem Album Blackstar von 2016. Hier war David Bowie schon schwer krank, kurz danach ist er verstorben. „Lazarus“ war Bowies Abschied. Blixa Bargeld wird dem gerecht.

Blixa Bargeld sings David Bowie
self-released by Blixa Bargeld and Nikko Weidemann
VÖ: 27. Juni 2025
Digitales Album 6 Euro oder mehr über Bandcamp
oder https://blixa-bargeld.com/product/blixa-bargeld-sings-david-bowie-vinyl-ep/
12″ Vinyl EP 18 Euro, CD 9 Euro, Digital Download 6 Euro
Tracklist:
Helden
Where are we now
Subterraneans
Lazarus
(1085)
