CD: Blood Incantation – Starspawn

Oldschool im neuen Gewand

Blood_Incantation_CoverColorado – Land der Rocky Mountains, der wilden Flüsse, der weiten Landschaft, der Einsamkeit (oder des Skizirkus im Winter, je nach Vorliebe). Und der Musik. Herausragendste Vertreter sind hier sicher 16 Horsepower beziehungsweise Woven Hand, aber auch harten Stoff wie Velnias oder eben Blood Incantation bringt die Gegend hervor. 2011 von Paul Riedl und Isaac Faulk gegründet, in den nächsten Jahren von Morris Kolontyrsky und Jeff Barrett komplettiert, hat der Vierer mittlerweile einige kleinere Veröffentlichungen sowie das vorliegende Debütalbum Starspawn herausgebracht. Atmosphärischen Death Metal will das Quartett spielen, das Chaos des sich ständig verändernden Universums mit seiner Musik einfangen – gelingt das?

Der Einstieg ins Album mit dem 13-minütigen „Vitrification of Blood (Part 1)“ ist jedenfalls schon mal äußerst selbstbewusst und hörenswert. In diese knappe Viertelstunde packen Blood Incantation tatsächlich das gesamte Death-Metal-Universum mit knüppelnder Raserei, tonnenschweren Riffs, abgrundtiefem Röcheln, aber auch technisch anspruchsvoller Gitarrenfrickelei – und das alles mit einem ganz wunderbaren Oldschool-Death-Metal-Feeling, das mich an die seligen Edge of Sanity (vor allem die leicht verhallte Stimme) und andere ähnlich gelagerte Bands denken lässt. Die letzten drei Minuten des Songs sind vielleicht ein Tick zu viel des Guten, aber immer noch spannend genug.
„Chaoplasm“ kommt da mit fünf Minuten Spielzeit ein bisschen schneller auf den Punkt und kann das Niveau des ersten Songs halten. Etwas ruppiger geht es hier zur Sache, etwas eingängiger, ein schöner Haareschüttler. Auch „Hidden Species (Vitrification of Blood Part 2)“ geht gleich mit mächtig Deathgroove in die Nackenmuskeln. So gefallen mir Blood Incantation fast am besten: immer noch komplex, aber mit ordentlicher Härte. Der langsame, atmosphärische Mittelteil hätte für meine Begriffe in diesem Song etwas kürzer ausfallen können, aber insgesamt passt er gut. „Meticulous Soul Devourment“ führt den atmosphärischen Part mit einer fast schon akustischen Interpretation des Sounds von Blood Incantation fort, doch keine Angst, beim abschließenden „Starspawn“ wird wieder ordentlich Gas gegeben.

Starspawn ist insgesamt ein sehr schönes Death-Metal-Album mit viel Oldschool-Flair, aber auch modern klingenden, hoch komplexen Frickelarrangements geworden. Für meine Begriffe hätte man vielleicht noch ein, zwei kürzere Songs auf das Album packen und dafür den 13-minütigen Eröffnungstrack ein wenig kompakter gestalten können, dann wäre es richtig rund und ein Kandidat für die Dauerschleife geworden. Für ein Debüt ist das Ganze aber wirklich amtlich, und ich werde Blood Incantation definitiv im Auge behalten.

Anspieltipp: Hidden Species (Vitrification of Blood Part 2)

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch2:

Blood Incantation – Starspawn
Dark Descent Records/Soulfood
ET: 19.08.16
Länge: 34 Minuten
€ 20,98 (CD), € 25,65 (LP), € 9,99 (mp3) bei Amazon

Tracklist:
1. Vitrification of Blood (Part 1)
2. Chaoplasm
3. Hidden Species (Vitrification of Blood Part 2)
4. Meticulous Soul Devourment
5. Starspawn

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