Rhythm in the blood

Bei den Blues Pills hat sich einiges getan: Dorian Sorriaux hat 2018 die Gitarre an den Nagel gehängt, aber Zack Anderson übernahm sie gleich. Dafür übergab er seinen Bass 2019 an Kristoffer Schander. Am 21.08.2020 veröffentlichte die schwedische Blues-Rock-Band aus Örebro ihr neues bzw. drittes Album Holy Moly!. Damit erspielten sie sich bereits kurz nach dem Release sehr gute Chartplatzierungen. Ich bin gespannt, wie sich der neue Longplayer anhört.

Blues Pills haben bei mir schon seit ihrem letzten Album, Lady in Gold (Rezension), einen guten Stand, und mit Holy Moly! haben sie diesen nur noch unterstrichen bzw. ausgebaut, das fängt bei „Proud Woman“ an und hört mit „Longest latest friend“ auf. Der Opener ist definitiv ein starkes Rockstück, ein kraftvoller Song mit Jive und Ansage. Instrumente und Gesang: Feuer frei! Temporeich und angriffslustig geht es mit „Low road“ weiter, „Dreaming my life away“ übernimmt den musikalischen Rausch. Derartig energiereich habe ich die Band nicht in Erinnerung, das rockige Wohlgefühl ist absolut vorhanden. Der Blues setzt zu „California“ ein. Eine großartige Elin Larsson, die verschiedene Stimmlagen ausspielt und das nötige Gefühl einbringt. Der folgende Radiosendersuchlauf lässt anfangs einiges anklingen, bis der richtige Kanal gefunden ist: „Rythm in the blood“. Ein frecher, angriffslustiger Rocksong mit großartigem Gitarren- und Drummereinsatz, gepaart mit dieser energetischen Stimme. Als nächstes bewegen wir uns durch den wabernden „Dust“, die Gitarren haben einen Stonerrock-Touch, hier fühle ich mich wohl. Der 70er-Jahre-Rausch entflammt mit „Kiss my past away“, das rettet einen bestimmt aus moralischen Tiefs („I hold my head high“), welch ein Instrumenten-Feuerwerk. Und dann haben wir dieses melancholische „Wish I’d known“ mit einer zarten, zerbrechlichen und doch überzeugenden Stimme. Diese traurige Liebesgeschichte könnte auch ein Gospel sein, und Larsson bewegt sich damit im Schatten großer Soulkünstlerinnen. Die Gitarren jagen einem Vogel hinterher, mit dem „Bye bye birdie“ haben sie sich nicht abgefunden. Hier wird eine alte musikalische Tradition wiederbelebt: im letzten Drittel wurden Vocals rückwärts eingespielt. Es entsteht ein irrer, mitreißender Sog. Die Einstimmung durch das Klavier und die ruhige Stimmlage reißt einen beim nächsten Track wieder raus. „Song from a Mourning Dove“ weiß allerdings auch durch Stimmungswechsel zu überraschen, und das Gitarrensolo ist großartig. Besondere Minuten bietet „Longest lasting friend“. Es ist die Rede von Depressionen, eine Art einseitiger Unterhaltung. Diese hauchzarte, gefühlvolle und dann wieder kräftige Stimme erzeugt Gänsehaut-Feeling.

Das von der Band selbstproduzierte Album Holy Moly! ist ein Feuerwerk an großartigen Songs mit Hooklines und Gefühl, mit lichten und dunklen Momenten. Das Schlagzeug (André Kvarnström) und der Bass unterstreichen das Gesamtpaket mit voranpreschenden Rhythmen, die Gitarre besticht durch hervorragende Riffs. Die Gesangskunst trägt hier ganz gewaltig zur Wirkung bei, die Wandelbarkeit von der „Proud Woman“ zur liebenden, sich hingebenden Frau ist absolut möglich. Besonders die gewachsene Soulgewalt der Sängerin ist dabei hervorzuheben.
Kurz nach Veröffentlichung war der Neuling von Blues Pills bereits Album der Woche bei Rock Antenne und unter den ersten drei Plätzen in den Charts. Und das zu Recht! Die gesamte Tracklist ist eine großartige Weiterentwicklung zu den vorangegangenen Alben und absolut empfehlenswert.

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Blues Pills: Holy Moly!
Nuclear Blast Records, Vö. 21.08.2020
15,99 €

Tracklist:
1. Proud woman 3:34
2. Low road 3:17
3. Dreaming my life away 2:43
4. California 3:10
5. Rhythm in the blood 3:49
6. Dust 3:50
7. Kiss my past goodbye 3:01
8. Wish I’d known 4:27
9. Bye bye birdie 4:03
10. Song from a mourning dove 5:34
11. Longest lasting friend 3:56

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