CD: Bunker 66 – Chained down in dirt

Don’t mess with Messina

Bunker66_CoverIn letzter Zeit habe ich viel alten Punk der härteren Schiene aus dem Crust Punk und dem artverwandten D-Beat-Bereich gehört, Bands wie Amebix und Discharge. Da das Plattencover von Chained down in dirt wie aus den genannten Genres zu stammen schien, bin ich also neugierig geworden. Die 2007 vom Sänger und Bassisten Damien Thorne gegründeten Bunker 66 stammen aus dem sizilianischen Messina, mittlerweile sind J.J. Priestkiller an der Gitarre und Schlagzeuger Dee Dee Altar mit von der Partie.
Tatsächlich ist der Bandschriftzug und vor allem das Cover des ersten Albums Infernö Interceptörs von 2012 eindeutig vom Amebix Artwork zur Single Winter/Beginning of the end inspiriert, und auch das Nachfolgealbum Screaming Rock Believers von 2014 hätte von der rohen Optik des Covers her von Discharge stammen können. Liege ich also richtig mit meiner Crust Punk Einschätzung? Das wird der Hörtest des dritten Albums Chained down in dirt zeigen.

Und so galoppiert der Eröffnungstrack „Satan’s countess“ nach einem kurzen Gitarrenintro mit Double Bass Drums voran, begleitet von einem zweistimmigen Black Metal Gesang. Der Refrain ist etwas gemäßigt und von der klaren Singstimme geprägt. Zum Ende gibt es noch eine Thrash Metal Einlage und einen klassischen King Diamond Scream. Mit leichten Motörhead Einflüssen ist „Black steel fever“ etwas melodischer und bedient mehr die Crust Punk Richtung, der raue Gesang ist mit einem leichten Nachhall belegt, nur in einem kurzen Mittelteil kommt Klargesang zum Einsatz. Der Titeltrack „Chained down in dirt“ ist alles andere als angekettet und fährt ein mitreißendes Mordstempo, das beim Refrain dank Double Bass Drums sogar noch gesteigert wird. Der Gesang zeigt sich vom Black Metal inspiriert, nur die Titelzeile bleibt im Klargesang. Besonders wirkungsvoll ist das mehrstimmige und regelrecht gebellte „Dirt“. „Taken under the spell“ ist von klassischen Riffs durchsetzt, die zum Kopfschütteln animieren, doch wenn der Gesang einsetzt, wechselt die Musik in eine etwas doomige Passage. Mit dem Schlachtruf „Taken under the spell“ entfachen die Saiteninstrumente ein wahres Feuerwerk. D-Beat gibt den Rhythmus zu „Her claws of death“ vor, der Gesang variiert zwischen Black Metal Stimme mit Widerhall und Klargesang, und auch King Diamond Einlagen sind vertreten. Erstaunlich, wie viele Einflüsse in gut drei Minuten hineinpassen, und wie gut die Mischung funktioniert. Der nächste Song beginnt Crust orientiert, dem Black Metal lastigen Refrain der Titelzeile von „Wastelands of grey“ folgt mit „Oi! Oi! Oi! Oi!“ direkt eine typische Punkphrase, und mit Thrash Gebolze endet der Titel. Hier ist wirklich alles drin. Auch „Power of the black torch“ marschiert erbarmungslos voran, nur im Mittelteil leisten sich Bunker 66 den ersten Midtempo-Moment des Albums, der im Vergleich zum Rest wie eine coole und entspannte Jam-Session wirkt. Zum Abschluss des Albums poltert auch „Evil wings“ noch einmal los und beinhaltet einen zweistimmigen Gesang ähnlich wie beim ersten Song. Nach einem Break klingt Chained down in dirt überraschend psychedelisch aus.

Fazit: Bunker 66 machen keine Gefangenen. Meine Eingangsvermutung Crust Punk ist zwar grundsätzlich nicht falsch, reicht aber bei weitem nicht aus. Thrash Metal, Crust Punk, Black Metal, D-Beat, zwischen all diesen Einflüssen verschwimmen die Genregrenzen, und je nach Song überwiegt der eine oder andere Anteil. Wirklich neu ist an der Musik der Sizilianer natürlich nichts, da irgendwie alles musikalisch an die frühen 80er Jahre erinnert. Aber in dieser Kombination hat man die genannten Musikstile damals natürlich nicht gehört, und genau das macht den Reiz an Chained down in dirt aus. Fans von Venom, Celtic Frost und Sodom auf der einen Seite und Amebix und Discharge auf der anderen Seite sollten hier ein Ohr riskieren.

Anspieltips: Chained down in dirt, Her claws of death, Wastelands of grey

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch2:

Bunker 66: Chained down in dirt
High Roller Records, VÖ: 27.10.2017
CD 12,99€, LP 15,99€, erhältlich über High Roller Records

Homepage: facebook.com/Bunker66
bunker66.bandcamp.com/
hrrecords.de

Tracklist:
01 Satan’s countess
02 Black steel fever
03 Chained down in dirt
04 Taken under the spell
05 Her claws of death
06 Wastelands of grey
07 Power of the black torch
08 Evil wings

(297)

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.