CD: Caronte – Church of Shamanic Goetia

Stoner-Doom aus Italien

 

caronte-coverCaronte stammen aus dem italienischen Parma, wo sie im Jahr 2011 von den drei Bones-Brüdern Dorian, Henry und Tony sowie Drummer Mike de Chirico gegründet wurden. Man hat sich einer schweren Mischung aus Doom und Stoner-Rock verschrieben und thematisiert in den Songs allgemein so erquickliche Themen wie schwarze Messen, Okkultismus, den Tod, Mystizismus oder auch Esoterik.

Nach einer ersten EP (Ghost Owl, 2011) erschien 2012 das Debütalbum Ascension, das von der Kritik sehr positiv aufgenommen wurde. Auftritte mit Electric Wizard, Forgotten Tomb, The Devil’s Blood, In Solitude oder Orange Goblin waren die Folge; außerdem eine sehr lobende Erwähnung von Fenriz auf seinem Blog „Band of the Week“ (http://thebandoftheweek.blogspot.de/). 

Mit Church of Shamanic Goetia veröffentlichen Caronte nun ihr zweites Full-length-Album auf dem deutschen Label Ván Records und befinden sich damit in so illustrer wie unterschiedlicher Gesellschaft von zum Beispiel (den nicht mehr existenten) The Devil’s Blood, The Ruins of Beverast, Vanderbuyst oder Árstíðir lífsins.

Musikalische Verwandtschaft zu diesen Bands existiert allerdings nicht, allenfalls noch geistige zu The Devil’s Blood, die den satanisch-spirituellen Ansatz sehr viel weiter gefasst haben. Caronte spielen eine schwere, energische Mischung aus Doom und Stoner-Rock, auch psychedelische Siebzigerjahre-Klänge kann man ab und an heraushören („Black Mandala“). Eingeleitet wird das Ganze sehr stimmungsvoll-beschwörend mit Schlagwerkgeräuschen und fast schon sakraler Atmosphäre, die den Hörer auf eine fast zehnminütige emotionale Reise durch „Maa-Kheru’s Rebirth“ mitnimmt – ein starker Opener, der trotz der extremen Länge keine Sekunde langweilig wird, im Gegenteil, nach der siebten Minute ertönt ein wahrer Ausbruch, der einen noch mal ganz neu mitreißt. Hier gefällt mir auch Sänger Dorians Stimme am besten, die sehr kräftig und voluminös daherkommt.
Die große Stärke von Caronte scheint sowieso auf den letzten Metern eines Songs zu liegen – auch der zweite Track „Handlecheyapi“ entwickelt sich und baut sich nach einem mahlenden, fast schon schamanischen Anfang zu einem wahren Biest mit großer Stoner-Schlagseite auf.
Beim einleitenden Gitarrensound von „Wakan Tanka Riders“ muss ich spontan an die Queens of the Stone Age denken (für mich eine sehr gute Referenz), und etwas dynamischer als die bisherigen Doom-lastigen Tracks geht es hier auch zur Sache. Man könnte auch an selige Schweinerockbands wie die Hellacopters oder Gluecifer denken, so eingängig wird hier gerockt, ohne aus dem Gesamtkonzept des Albums zu fallen.
„Temple of Eagles“ zieht den Hörer allerdings gleich wieder brav in ein zehnminütiges Grab und versinkt in düsterer Schwere.
Der große Ausreißer des Albums ist „The Sulphur Shaman“, bei dem die Black-Metal-Vergangenheit von Sänger Dorian überdeutlich wird – hier wird gekeift und gekreischt, dass es eine wahre Freude ist. Ich bin nicht hundertprozentig überzeugt, ob mir – trotz großer Vorliebe für Black Metal – dieser Ausflug auf der Platte gefällt, er zeigt aber auf jeden Fall den Einfallsreichtum und die Vielfältigkeit der Band (und der Stimme des Sängers, die sonst eher in die Danzig-Richtung tendiert).
„Black Mandala“ geht wieder in die sehr beschwörend-rituelle Richtung und kann wie oben kurz angedeutet auch mit einigen sehr schönen Siebzigerjahre-Anklängen aufwarten (und ist mit ein wenig über fünf Minuten mit Abstand der kürzeste Track des Albums).
Bei „Left Hand Voodoo“ kann Dorian Bones seine stimmlichen Qualitäten noch mal voll ausreizen, auch wenn mich dieser Track nicht ganz so vom Hocker haut. Ein guter Abschluss von Church of Shamanic Goetia ist er aber allemal.

Fazit: Eine Band, die allen Doom- und Stoner-Fans spätestens mit diesem Album ein Begriff werden sollte, hier wird extrem solide, teilweise sogar sehr gute Kost geboten. Ein großes Plus ist die Vielfältigkeit der Lieder, in denen es auch nach diversen Durchläufen immer etwas zu entdecken gibt. Selbst der Ausflug in langsame Black-Metal-Gefilde hat seinen Sinn, da so gar nicht erst die Gefahr von Eintönigkeit aufkommt.
Ich bin jedenfalls gespannt, wie die Band sich entwickelt.

Anspieltipp: Maa-Kheru’s Rebirth

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch2:

Caronte – Church of Shamanic Goetia
Label: Ván Records (via Soulfood)
ET: 31.10.14
Länge: 60:04 Minuten
Preis: € 13,90 bei Ván Records

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Ván Records
Tracklist:
1. Maa-Kheru’s Rebirth
2. Handlecheyapi
3. Wakan Tanka Riders
4. Temple of Eagles
5. The Sulphur Shaman
6. Black Mandala
7. Left Hand Voodoo

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