Stille Wasser

CHILI_AND_THE WHALEKILLERS_Words_On_Tuesday_Poesie in Verbindung mit elektrischen Gitarren, einem Saxofon und die isländisch-österreichische Bandzusammensetzung von Chili and the Whalekillers hatten mein Interesse entfacht. Was ich dann mit Words on Tuesday zu hören bekam, hat mich aus meinen Tagträumen gerissen.

Im Stil der 70er Jahre (was im Grunde ja schön ist) bewegen wir uns im musikalischen Gewässer mit „Portrait of a Ladyfish“, allerdings weiß erst der Rhythmus vom Refrain mich aus meiner Zuhörerlethargie zu reißen. Dahinplätschernd empfinde ich „Day and Age“, „Colorado“ und „Laundry Room“ erzählen Geschichten mit einem gemäßigten Tempo, ich spiele mit dem Gedanken vorzuspulen. „Lovers of the Century“ lässt wieder den musikalischen Charme der Vergangenheit aufblitzen, der Song ist flotter, poppig und anhörbarer. Mit dem Flower-Power-Extrakt „Sunshine Day“ geht’s weiter, „All of you” lässt das im Promotiontext angekündigte Saxofon gut zur Geltung kommen, ist zurückhaltend und erzählend interpretiert. Bei „Pornographic Princess“ könnte man eine schwungvolle Umsetzung erwarten, aber ich werde in meiner Vorfreude ausgebremst. Es geht gemächlich weiter, ich bin schon wieder in Versuchung, den nächsten Song aufzurufen. Nicht besser ergeht es mir mit „Julie’s gone to America“. „The Letter“ lässt mich wieder besser hinhören. Nach einem stressigen Tag endlich auf der Couch mit geschlossenen Augen wäre der Titel passend, mir gefällt die Klavierbegleitung. Die Stimmfarbe ist anfangs schön, die Intimität wird allerdings durch den Einsatz der restlichen Bandmitglieder gestört. Ein isländischer Song mit einer schönen Melodie folgt: „Pegar á liđur“ und die musikalische Umsetzung vergangener musikalischer Epochen taucht wieder in „The Universe“ auf.

Stille Wasser sind tief, man kann sich darin verlieren und gleichzeitig wohlfühlen, leider ist mir das mit Chili and the Whalekillers nicht gelungen. Der aus Wien stammende Charme hat mich bis auf zwei Songs („Lovers of the Century“ und „The Letter“) nicht erreicht. Die stimmliche Umsetzung der Tracks ist gewöhnungsbedürftig, von den elektronischen Gitarren habe ich mir vielleicht zu viel erhofft. Größtenteils wird ein poesievoller Erzählstil angewandt, der zu den kurzen Liedern passt. Angenehm ist das für mich, dann bin ich wenigstens schneller mit der CD durch.

:mosch: :mosch: :mosch2: :mosch2: :mosch2:

Chili and the Whalekillers: Words on Tuesday
VelocitySounds Rec., 12.02.2016
€ 18,99
Amazon

Tracklist:
01 Portrait of a Ladyfish
02 Day and Age
03 Colorado
04 Laundry Room
05 Lovers of the Century
06 Sunshine Day
07 All of you
08 Pornographic Princess
09 Julie’s gone to America
10 The Letter
11 Pegar á liđur
12 The Universe

Bandpage

Facebook

(1599)