CD: Communic – Where echoes gather

Eindrucksvolles Lebenszeichen

CI_WEG-C_1500x1500Das norwegische Metal-Progressive-Trio Communic gehörte Mitte der Zweitausenderjahre zu meinen Lieblingen, weil sie es auf ihren in dieser Zeit erschienenen vier Alben (Conspiracy in mind, 2005, Waves of visual decay, 2006, Payment of existence, 2008, The bottom deep, 2011) schafften, ultrapräzise Härte, progressives Frickeln und unvergessliche Melodien auf konstant hohem Niveau zu mischen. Dann wurde es plötzlich still um Oddleif Stensland, Tor Atle Andersen und Erik Mortensen aus dem südnorwegischen Mandal, und es sollte bis zum Jahr 2017 dauern, bis es mit Where echoes gather endlich wieder ein Lebenszeichen zu hören gab. Und da leider auch Schreiberlinge oft länger als geplant brauchen, gibt es erst jetzt eine Rezension zu der Scheibe. Mea culpa. Aber vielleicht mache ich damit ja noch ein paar Leute auf diese großartige Band aufmerksam.
Ein bisschen zögerlich war ich schon, als ich den ersten Track „The pulse of the earth, Pt.1: The magnetic center“ gestartet habe, zu präsent waren mir noch vor allem die ersten beiden Alben. Doch die Sorge, der Zauber könnte verflogen sein, ist unbegründet, denn wirklich ab dem ersten Ton ist hier klar: Communic sind wieder da, sie haben immer noch ihren distinktiven Sound, und die magischen Melodien haben sie auch nicht verlernt. Auch „The pulse of the earth, Pt. 2: Impact of the wave“ beweist eindeutig, dass Communic immer noch auf leidenschaftlichen Klargesang setzen, rasend schnelle Riffkaskaden, fast schon orientalisch anmutende Gitarrenläufe, dabei aber Breaks und Frickeleien nicht vernachlässigen. Und eine ordentliche Härte, die vor allem in den Midtempo-Passagen ganz hervorragend in den Nacken geht. Der zweite Zweiteiler des Albums, „Where echoes gather, Pt. 1: Beneath the giant“ bzw. „Pt. 2: The underground swine“ setzt das ambitionierte Konzept fort, was auch gelingt – die überlangen Songs sind keine Sekunde langweilig. Das achtminütige „Moondance“ führt die große Beinahe-Balladen-Tradition der Band fort – Songs mit langsamen Passagen, groß angelegten und zum Heulen schönen Melodien, ergreifenden Soli, aber auch erbarmungslos hämmerndem Schlagzeug und Riffgewittern. Hier hört man durch einen leicht folkigen Einschlag den „Tanz“ zwischendurch auch tatsächlich heraus – schön! „Where history lives“ tritt etwas mehr aufs Gas, wirkt aber leider etwas zerfasert und nicht so auf den Punkt wie die anderen Songs. Das nachfolgende „Black flag of hate“ bezieht dagegen eindeutig musikalisch Position und stellt die Thrash-Seite der Band in den Vordergrund. Einfach machen es sich Communic aber natürlich nicht und bollern einfach durch den Song, nein nein. Da gibt es trotzdem einen atmosphärisch gesprochenen Mittelteil, bevor am Ende wieder Nackenbrecheralarm herrscht. Das wieder zweiteilige „Claws of the sea: Journey into the source/The first moment“ rundet das Album sehr gut ab, enthält allerdings etwas weniger zwingende Momente als zum Beispiel „Where echoes gather“. Grundsolide Communic-Kost, immer noch auf einem technischen und kompositorischen Niveau, das andere Bands niemals erreichen werden. Aber vielleicht einen Tick zu lang?

Communic-Liebhaber dürfen aber auch trotz leichter Kritik unbesorgt zugreifen: Oddleif Stensland und sein bombenstarkes Rhythmusteam schütteln immer noch diese ganz spezielle, teils wohlig-düstere, teils melancholische, teils brachiale Atmosphäre aus dem Ärmel, die auf den ersten Alben schon so zwingend und mitreißend war. Ganz kommt Where echoes gather nicht an die Klasse von Conspiracy in mind oder Waves of visual decay heran – aber weil diese Alben einfach wirklich sehr, sehr, sehr gut sind. Ein bisschen kürzere Songs, ein paar Ideen für die nächste Scheibe aufheben – dann wäre das hier eine glatte Fünf-Punkt-Landung. So ist es aber auf jeden Fall ein eindrucksvolles Lebenszeichen einer Band, die viel mehr Anerkennung und Bekanntheit verdient hätte.

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Communic: Where echoes gather
Afm Records/Soulfood, ET: 27. Oktober 2017
Länge: 53 Minuten
Kaufen: € 9.99 bei AFM Records

Tracklist:
01.The pulse of the earth (Part 1 – The magnetic center)
02.The pulse of the earth (Part 2 – Impact of the wave)
03. Where echoes gather (Part 1 – Beneath the giant)
04. Where echoes gather (Part 2 – The underground swine)
05. Moondance
06. Where history lives
07. Black flag of hate
08. The claws of the sea (Part 1 – Journey into the source)
09. The claws of the sea (Part 2 – The first moment)

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