Mitreißende Düsternis

crimsonswan-unlit_cover_0Doom in allen seinen Varianten ist ja immer so eine Sache – wenn es einen packt, dann mag man schier ertrinken in der langsamen Schönheit der Songs. Wenn es einen dagegen gar nicht anspricht, könnte man vor Langeweile aggressiv werden. Funeral Doom ist da ja dann noch eine Ecke schwermütiger, gerät aber auch schneller in die Gefahr, langatmig vor sich hin zu mäandern. Demzufolge bin ich immer auf der Suche nach Doom-Bands, die vom ersten Hören an etwas in mir ansprechen, die etwas Besonderes an sich haben. Wie schlagen sich da die Hamburger von Crimson Swan?

Seit 2010 gibt es die aus fünf Bandmitgliedern bestehende Death-Doom-Formation bereits, eine EP (Icon) haben sie bisher auf den Markt geworfen und präsentieren nun mit Unlit ihr Debütalbum. Wie ein Debüt hört sich das alles allerdings gar nicht an, sondern kompositorisch und musikalisch ausgereift und vom ersten Ton an mitreißend, so viel sei schon mal gesagt. Doom-typisch bewegen sich die sechs Songs alle zwischen acht und zehn Minuten Spielzeit und schaffen es tatsächlich, kaum langweilig zu werden. Zum einen liegt das an dem enormen Abwechslungsreichtum innerhalb der Lieder, da hat man wirklich alles von tiefen Growls und tonnenschweren Gitarrenriffs über filigranen Klargesang (männlich und weiblich) und weitläufige Gitarrensoli sowie geschickt eingesetzten Keyboardpassagen, zum anderen an den Melodien, die bittersüß sind und einen schon nach dem ersten Hören nicht mehr loslassen (vor allem beim Opener „Fade to Nothingness“).
„A Waterfall of Sorrow“ zieht einen in tiefe Abgründe, aus denen man bei „Unlit Words of Perdition“ mit zartem Klargesang langsam wieder herausgeholt wird. „Words of Perdition“ hat, wenn man ganz kritisch ist, ein paar kleinere Längen und läuft zu voller Stärke erst am Schluss auf. Dafür gibt es beim nächsten Track „Unlit“ sogar ein paar ganz feine Knüppelpassagen, die sich dennoch gut in das schleppende Tempo des Albums integrieren. „Accusations“ vereint noch mal alle Facetten von Crimson Swan zu einem zehnminütigen Epos, bevor das Album mit „Voidhaven“ langsam ausklingt. Das ist durchaus wörtlich zu verstehen, hier wird der Hörer noch mal in düsterste Abgründe entführt.

Unlit ist ein wirklich hervorragendes (Funeral-)Doom-Album geworden, das bei mir im Moment auf Dauerschleife läuft. Ganz perfekt ist das Debüt nicht geworden, aber wer braucht schon Perfektion. Atmosphäre zählt, ein Händchen für Stimmungen, für Melodien, für Riffs – und das ist hier alles vorhanden. Eine ganz feine Sache!

Anspieltipp: Fade to Nothingness

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch:

Crimson Swan: Unlit
Quality Steel Records / Soulfood
ET: 13.03.2015
Spielzeit: 53:14 Minuten

Kaufen: Amazon € 18,49 (mp3-Download: € 6,60)

Tracklist:
1. Fade to Nothingness
2. A Waterfall of Sorrow
3. Words of Perdition
4. Unlit
5. Accusations
6. Voidhaven

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