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Die Essenz der Elektronikdeine-lakaien-crystal-palace

Vorstellen muss man sie wohl kaum noch: Im Laufe von nunmehr gut 25 Jahren sind Ernst Horn und Alexander Veljanov als Deine Lakaien zu einer der Speerspitzen des elektronischen Dark Wave und zu Stars der schwarzen Szene geworden, die auch live immer wieder zu begeistern wissen, so zum Beispiel in der Vergangenheit unter anderem durch ihre „Acoustic“-Touren oder die legendären Konzerte mit dem Orchester Neue Philharmonie Frankfurt. Umso mehr kann man jeder Veröffentlichung der Lakaien mit besonderer Spannung entgegensehen, und mit Crystal Palace liegt seit Anfang August ihr mittlerweile zehntes Studioalbum vor.

Interessanterweise bietet Crystal Palace in gewisser Hinsicht einen Schritt „back to the roots“: Seit langer Zeit ist es nämlich die erste Studioproduktion, die Horn und Veljanov sozusagen im Alleingang aufgenommen haben, also ganz ohne Gastmusiker. Zuletzt war das beim Winter Fish Testosterone-Album der Fall – im Jahr 1996.

Doch hat man deswegen das Gefühl, dass irgendetwas fehlt? Mitnichten. Schon lange nicht mehr klang ein Lakaien-Album so befreit von Ballast, quasi gesundgeschrumpft aufs Essentielle, dabei aber dennoch stets abwechlungsreich.

Schon der erste Track, „Nevermore“, legt eindrucksvoll Zeugnis ab von der Qualität dieser Reduzierung auf das Wesentliche und der Rückbesinnung auf den typischen Lakaien-Sound: Verzerrte elektronische Klänge und dynamische Beats wechseln mit überraschend harmonischen Momenten, und zu all dem gesellt sich Alexander Veljanovs nach wie vor prägnanter und samtweicher Bariton, geht ins Ohr und nimmt einen gefangen. Der Mann könnte auch das Telefonbuch vorsingen, ich würde ihm fasziniert zuhören.
Die darauf folgende aktuelle Single-Auskopplung „Farewell“ wartet mit treibender Rhythmik und einem melodiösen, einschmeichelnden Refrain auf, der Song „The Ride“ wiederum erinnert an selige Dark Star-Zeiten und empfiehlt sich nachdrücklich für die Szene-Tanzböden. Doch auch romantisch-melancholische Elemente fehlen nicht auf Crystal Palace, und mit „Where the Winds don’t blow“ legen die Lakaien eine ihrer möglicherweise schönsten Balladen vor, die mit ihren sanften Piano- und Cembaloklängen und zarten Harfenglissandi den Hörer träumen und dahinschmelzen lässt.
Das Cembalo findet sich auch im Titelsong des Albums wieder, einem Stück, das mit beständigen Tempowechseln zwischen Strophe und Refrain überrascht, aber dennoch in sich geschlossen wirkt. Ähnlich vielfältig geht es auch bei „Why the Stars“ zur Sache, das auch Platz lässt für Ernst Horns atonale und experimentelle Ausbrüche, die ebenfalls im Song „Those Hills“ zum Tragen kommen. Einen weiteren Höhepunkt bildet zweifellos „The Lights of our Street“, das mit einem leisen elektronischen Klangteppich der Entfaltung von Alexanders Stimme vollen Raum gibt.

Auch wenn, wie eingangs erwähnt, ein gewisser Minimalismus Einzug gehalten hat im Hause Horn und Veljanov, so entdeckt man doch bei jedem Durchhören immer wieder neue Elemente und klangliche Facetten, so vielseitig, ausgefeilt und komplex sind die Arrangements und musikalischen Ideen auf Crystal Palace. Für mich ein fantastisches Album und die Lakaien präsentieren sich in ihrer besten Form seit langem.

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Anspieltipps: „Nevermore”, „The Ride“, „Where the Winds don’t blow“

Deine Lakaien – Crystal Palace
Chrom Records, VÖ: 08.08.14
Spieldauer: 45:01
Kaufen: amazon 14,99 € (Standard-Version)
Bandwebsite

Tracklist:
1. Nevermore
2. Farewell
3. Forever and a Day
4. The Ride
5. Where the Winds don’t blow
6. Crystal Palace
7. Why the Stars
8. The Lights of our Street
9. Those Hills
10. Eternal Sun

Selbstverständlich gehen Deine Lakaien mit ihrem neuen Werk im Gepäck auch auf Tour:

26.09.2014 – Hamburg, Große Freiheit
27.09.2014 – Dresden, Alter Schlachthof
28.09.2014 – Wien (AT), Szene
29.09.2014 – München, Theaterfabrik
02.10.2014 – Stuttgart, FILharmonie
03.10.2014 – Freiburg, Jazzhaus
04.10.2014 – Köln, Live Music Hall
05.10.2014 – Berlin, Huxleys
26.11.2014 – Zürich (CH), Xtra
27.11.2014 – Saarbrücken, Garage
29.11.2014 – Nürnberg, Löwensaal

(1956)

2 Kommentare
  1. ichigo_komori91
    ichigo_komori91 sagte:

    Coole Review vom neuen Album! Mich hat das Album ehrlich gesagt endgültig von der Band überzeugt, denn bevor ich ein paar Lieder auf dem Mera Luna live gesehen bzw. gehört habe, musste ich mir die Scheibe definitiv zulegen und dann haben der Rest der Songs sowie die Tatsache das ich in meinem Blog eingeführt habe jeden Dienstag eine Band vorzustellen, den Rest dazu beigetragen, dass ich jetzt auch diese Band zu meinen Lieblingen zähle! (Man war das ein Satz xD)

    Auf jeden Fall werde ich jetzt denke ich mal öfter in diesem Blog vorbeischauen, scheint sich ja zu lohnen ^^

    LG

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