CD: Dimmu Borgir – Eonian

 Schwarzbombast

Dimmu Borgir - Eonian - ArtworkDass sich Schwarzmetall und Bombast-Arrangements gut verstehen, ist hinreichend bekannt. Dass sich diese Mischung nach wie vor hartnäckig hält und in Bands wie Carach Angren immer noch neue Vertreter findet, ebenfalls. Und dass die Norweger von Dimmu Borgir nicht nur von Beginn an ganz oben auf dieser Welle mitgeritten sind, sondern sie auch nachhaltig geprägt haben, dürfte auch niemanden mehr überraschen. Doch diese Welle, auf der der Black Metal in den Mainstream gesurft ist, schien in den letzten Jahren deutlich langsamer geworden zu sein, was vielleicht auch daran lag, dass Dimmu Borgir seit der umstrittenen Abrahadabra (2010) nichts mehr nachgelegt haben. Das änderte sich am 4. Mai dieses Jahres, als die Norweger pünktlich zum 25-jährigen Bandjubiläum ihre aktuelle Scheibe Eonian vorgelegt haben.

Das neue Machwerk schließt im Grunde da an, wo Dimmu Borgir 2010 aufgehört haben: Es gibt jede Menge Streicher, Chöre und Choräle, erneut arrangiert vom norwegischen Jazzkomponist Gaute Storaas (der auch schon bei Abrahadabra und Puritanical Euphoric Misanthropia den Dirigentenstab schwingen durfte), und auch der Flirt mit dem Industrial geht munter in die nächste Runde (als Beispiel sei hier auf das Intro „The unveiling“ verwiesen). Dabei tritt die solide Ansammlung schwarzer Riffs keineswegs in den Hintergrund, und der Blastbeat kommt ebenfalls nicht zu kurz. Dazu kommt eine kleine Prise Black ’n’ Roll (etwa „Lightbringer“ oder „Ætheric“), um die Nackenmuskeln nicht einschlafen zu lassen. Auf den Punkt gebracht ist Eonian also eine solide Fortführung des modernen Bombast-Stils, wie Dimmu Borgir ihn schon in den letzten Jahrzehnten gepflegt haben. Dabei bleibt die Musik abwechslungsreich genug, um von vorne bis hinten zu unterhalten.

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Und damit sind wir auch schon beim „Problem“ von Eonian: Es mangelt etwas an Highlights. Sicher, „The Empyrean Phoenix“ bietet für Dimmu Borgir inzwischen schon fast untypisch gewordene straighte Black-Metal-Riffs und echt fies schnelle Blast Beats, verfällt dann aber in einen Trott, damit Chöre und Streicher hinterherkommen. „Alpha aeon omega“ wartet mit einem bombastischen Intro auf, das es mit jedem Stück auf der Death Cult Armageddon aufnehmen kann, doch dann wird die Instrumentation immer wieder zurückgenommen, damit Shagraths Knurren und die irgendwie gelangweilt klingenden Gitarren dagegen ankommen. Es gibt jedoch keine wirklich schlechten Songs auf Eonian (außer vielleicht der Singleauskopplung „Interdimensional summit“, die einfach zu langweilig ist, um irgendeinen Eindruck bei mir hinterlassen zu haben): „Council of wolves and snakes“ beispielsweise unternimmt kurze Ausflüge in Richtung Folk, inklusive schamanisch anmutender Choräle und Gesänge.

Insgesamt ist Eonian dort am besten, wo das Orchester oder der Chor Gitarren und Drums eher unterstützen, nicht zu ersetzen suchen. Viel besser beraten sind Dimmu Borgir meiner Meinung nach mit den Synthies (etwa bei „Lightbringer“), deren Echo-Effekte eine unirdische Stimmung hervorrufen, die seit der Enthrone Darkness Triumphant so nicht mehr zu hören war. Eonian ist und bleibt auch nach dem zweiten, dritten, zehnten Durchgang letztendlich ein weiteres Dimmu-Borgir-Album, das zwar ganz gut ist, langjährige Fans wohl zufriedenstellen wird und generell als gutes Beispiel des symphonischen Black Metals dienen kann, aber niemanden überzeugen wird, der bis dato weder für Dimmu, noch für diese Metal-Spielart etwas übrig hatte.

Anspieltipp: „Lightbringer“

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Dimmu Borgir: Eonian
Nuclear Blast Records, 04.05.2018
Gesamtspielzeit: 54 Minuten
Auf nuclearblast.de ab € 16,99 erhältlich

Tracklist:
1. The unveiling
2. Interdimensional summit
3. ÆTheric
4. Council of wolves and snakes
5. The empyrean phoenix
6. Lightbringer
7. I am sovereign
8. Archaic correspondence
9. Alpha aeon omega
10. Rite of passage

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„Interdemensional Summit“ auf YouTube

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1 Antwort
  1. Jens
    Jens says:

    Muss leider sagen dass mich das Album als langjähriger Fan eher enttäuscht als zufriedengestellt hat. Ich finde es alles in allem eher lieblos und mit Gewalt zusammengeschnippelt als wirklich interessant komponiert.

    Antworten

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