CD: Dominanz – Noxious

Nicht Fisch, nicht Fleisch, aber trotzdem gut

Dominanz ist einISP002-Dominanz-Noxious-digipak.indde Extreme Metal Band aus Norwegen mit Black-Metal-Einflüssen“, sagt die Band über sich selbst. Andernorts wird mir das Trio aus Bergen, bestehend aus Gitarrist Jørn Inge Tunsberg (Hades (Almighty)), Drummer Frode Gaustad (Ex-Thy Grief) und Roy Nordaas Mathisen (Bass und Keys), als Industrial Black Metal verkauft. Auch wenn mich beide Etiketten eigentlich eher abschrecken, bei diesen Namen wurde ich unweigerlich neugierig auf Dominanz‘ zweites Album Noxious, zumal sich darauf Beiträge von Gastmusikern wie Abbath, Lars Skulstad und Olav Iversen finden.
Noxious setzt in 45 Minuten und neun Songs einige interessante Akzente. Es ist wirklich schwer zu beschreiben, was man da eigentlich hört. Die einzelnen Stücke sind allesamt komplex, düster und kraftvoll, aber weder Fleisch noch Fisch, weder Industrial noch Black Metal. Stattdessen haben Dominanz mit großem Geschick und Können Elemente dieser beiden Spielarten zu einem Album verwoben, das eher im mittleren Tempobereich daherkommt, und dabei die Extreme ausgebügelt. Noxious ist kein Black Metal, kein Industrial Metal und erst recht kein Extreme Metal, sondern etwas ganz und gar Einzigartiges, das sich auch nicht wirklich mit anderen Bands oder Alben vergleichen lässt. An manchen Stellen denkt man an Dimmu Borgirs Abrahadabra („Salvation“), dann wieder an den drückenden Khold-Doom oder Immortals eher langsamere Momente. „Servile Lackeys“ marschiert ordentlich und erscheint beinahe tanzbar, „Disciples“ lässt mit Cleargesang im Refrain aufhorchen, gleich zum Einstieg liefert das eher langsame „Embraced by Malice“ ein Intro mit Akustikgitarre. Alles gespickt mit ordentlichen Black-Metal-Riffs, symphonischen Keyboards und frostigem Gesang. Ziemlich abgefahren und alles andere als schlecht – ungewohnt, ja, aber nicht schlecht. Hat man sich einmal von dem Bedürfnis gelöst, Dominanz partout ein Etikett verpassen zu wollen, fällt der meiner Meinung nach maßgeblichste Minuspunkt ins Auge: Die Drums hätten sehr viel kraftvoller abgemischt sein dürfen.
Wer sich ein bisschen vom Einheitsbrei im Industrial und im Black Metal wegbewegen will, der ist mit Noxious hervorragend bedient. Wer nach einem Extreme-Metal-Album sucht, wird hier nicht fündig – dafür ist das Ganze letztendlich zu glatt, rund und durchkomponiert.

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Inzwischen hat sich das Besetzungskarussell bei Dominanz weitergedreht: Tunsberg hat die Band verlassen, um sich verstärkt auf Hades konzentrieren zu können. Dafür stießen 2015 zwei neue Gitarristen dazu, sodass man gespannt sein darf, was die inzwischen auf ein Quartett angewachsenen Dominanz uns auf Album Nummer drei auftischen werden. Einen Veröffentlichungstermin gibt es leider noch nicht.

Anspieltipp: „Servile Lackeys“

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch2:

 

Dominanz Noxious
Industrial Silence Production, November 2014
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Tracklist:
1.Embraced by Malice
2.Discipline
3. DreamOf Fire
4.Salvation
5. DevouredBy The Black Hole
6.Divine Ignorance
7.Servile Lackeys
8. YouShall Sire
9. Noxious

Gesamtspielzeit: 45 Minuten

Mehr Infos unter dominanz.no.

Bandfoto: Monika Kaczynska

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