Nicht von dieser Welt!
Der Sommer hat ein abruptes Ende gefunden (im wahrsten Sinne). Pünktlich wie eine Schweizer Uhr war der Herbst da. Für mich persönlich bricht die schönste Jahreszeit an. Alles wird ruhiger, es wird nebliger und schummriger, und das Gefühl von Vergänglichkeit macht sich breit. Perfekt, wie die viel zitierte Faust aufs Auge, passt die im November anstehende Veröffentlichung von Ellereves drittem Album Umbra. Elisa Giulia Teschner vermag es Atmosphären zu kreieren, in denen man sich verlieren möchte. Bereits das Debütalbum hat mich umgehauen (Link zu meiner Review). Wie die beiden Vorgänger erscheint auch Umbra über Eisenwald. Voller Vorfreude also machte ich mich an die Review.
Gleich zu Beginn hatte ich den ersten Aha-Moment (nicht die von „Take on me“). „An avalanche of shudders“ beginnt mit ätherischer World Musik, die mich an Dead Can Dance erinnert (eine Götterband). Der Gesang tut sein Übriges, um den Hörer einzuwickeln, bis ein hundsgemeines, tonnenschweres Doom Metal Riff wie eine Ramme den Hörer mitreist. In Kombination mit dem engelsgleichen Gesang erzeugt das Stück eine düstere und doch schöne Atmosphäre. Auf jeden Fall sitzt das oben angesprochene Riff schwer in der Magengegend. „Like a moth to a flame“ führt den Weg fort. Während des Hörens sind mir gelegentlich Namen wie Chelsea Wolfe oder auch Myrkur in den Sinn gekommen. Post Rock mit einem nach vorne peitschenden Rhythmus ohne Rücksicht auf Verluste, so muss das sein. Der nachfolgende Track „Crawl“ ist einfach nur dunkel, böse und kalt. Ein Brocken, der sich gegen Ende zu einem sehr genialen Doom Metal Song entwickelt. Bei „Shores of solitude“ muss man sich unbedingt treiben lassen. Man hat förmlich eine Menge Menschen vor sich oder auch eine endlose verschneite Landschaft in Kanada vor Augen. Einer meiner Anspieltipps für euch ist „The funeral“. Der Titel ist Programm, möchte man sagen, der Song ist sehr vielschichtig. Ein perfekter Song für lange, triste Tage voller Grau und Einerlei. Sehr beeindruckend! Auch Umbra hat einen Anwärter auf die Repeat-Taste. „Irreversible“ ist so betörend, dass mich alles andere nachher stören würde. Grandiose Vocals, die einem die Nackenhaare öfter senkrecht stehen lassen und eine Atmosphäre, die einen völlig umschlingt. Man möchte keinen Ausweg finden. Im darauffolgenden „The veil of your death“ erhält Ellereve Unterstützung von Michael J.J. Kogler (Harakiri for the Sky / Karg). Das erste Mal wird so richtig die sogenannte Keule geschwungen (natürlich nur musikalisch, ich werde nicht zum Berserker). Post Black Metal mit viel Atmosphäre und, was mich sehr gefreut hat, gelegentlich rasanten Parts. Beide ergänzen sich zu einer Einheit, und man möchte seine Augen schließen und einfach alles um sich herum vergessen und ausblenden. Danke für so eine Perle! „Swallowed disguised“ bewegt sich weiterhin in diesem nebligen, einnehmenden Kosmos. Die Ohren werden beim Hören förmlich in die Kopfhörer eingesogen. Wer auch mal gerne progressivere Töne mag, dem lege ich diesen Song ans Herz. Das ruhigere Stück „Lost in longings“ kommt ganz recht um mal durchzuschnaufen. Hört euch mal an, mit welcher Vehemenz der Song ab circa der Mitte nach vorne geht. Die Gitarren zaubern im wahrsten Sinne des Wortes. Der zweite Gastbeitrag kommt von keinem Geringeren als David Conrad (Heretoir). In „Unravel“ bricht nach einer gewohnt schönen Einleitung ein Post Black Metal Tornado aus Wut, Resignation und noch mehr Wut über dem Hörer. Rasende Blast Parts gepaart mit Geschrei, man möchte sich gen Anlage verneigen, für den Abriss. Der wohl schönste, emotionalste Titel befindet sich am Ende des Albums. „Trauma“ klingt unglaublich melancholisch. Kleine Versatzstücke, die wohl dem Ambient entstammen, verleihen dem Ganzen eine surreale, fast gespenstisch klagende Note.
Fazit: Die dritte Veröffentlichung und der dritte Volltreffer. Von der ersten bis zur letzten Sekunde ist dieses Album an Spannung nicht zu toppen. Emotionen über Emotionen! Wut, Resignation, Melancholie, Verzweiflung und Schönheit. Die Produktion ist sehr gut gelungen und die Instrumentierung ist auf den Punkt immer ganz genau. Sowohl für Freunde des Doom Metal als auch für Post Black Metal Liebhaber geeignet. Wer Chelsea Wolfe mag, ist hier sowieso richtig. Meine absolute Kaufempfehlung!

Ellereve: Umbra
Eisenwald, Vö. 07.11.2025
digitales Album 8 € / CD 12,12 € / LP 23,23 € oder mehr über https://ellerevemusic.bandcamp.com/album/umbra
Tracklist
1. An avalanche of shudders
2. Like a moth to a flame
3. Crawl
4. Shores of solitude
5. The funeral
6. Irreversible
7. The veil of your death
8. Swallowed & disguised
9. Lost in longings
10. Unravel
11. Trauma
Band: https://ellereve.de/
Facebook: https://www.facebook.com/Ellereveofficial/?locale=de_DE
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