CD: Evil Invaders – Feed me violence

Need for Speed

714_EvilInvaders_CMYKDie Niederlande sind ja bekanntlich die Heimat der großartigen Peter Pan Speed Rock. Aber Speed Rock und Peter Pan, das ist vier Nachbarsjungs aus Belgien viel zu harmlos, es muss schon Speed Metal sein und der Name richtig böse klingen. Und so gründen die Belgier, Gitarrist und Sänger Joe, Gitarrist Max, Drummer Senne und Bassist Joeri, 2007 die Evil Invaders.
Nach der EP Evil Invaders von 2013 und dem beeindruckenden Debüt Pulses of Pleasure von 2015, das die Metal-Welt aufhorchen ließ, konnte die EP In for the kill mich 2016 nicht so recht überzeugen (Link zur Review). Im September letzten Jahres kam allerdings das lang erwartete zweite Album Feed me violence heraus, höchste Zeit also, die Entwicklung der Evil Invaders weiterzuverfolgen.

Ein kurzes knackiges Schlagzeugintro markiert den Beginn von „Mental penitentiary“, dann fallen die Evil Invaders auch schon erbarmungslos über den Hörer her. Der erste Schreck ist schnell überwunden, denn dann fräst sich die Musik des invasorischen Vierergespanns ins Gehirn und zwingt einen zu spastischen Zuckungen im Nackenbereich. Ich ergebe mich! „As life slowly fades“ ist vermutlich den letzten Widerständlern gewidmet, denn spätestens jetzt wird alles zielgerichtet niedergewalzt, was noch im Wege steht. Hier sitzt einfach alles. Das Schlagzeug marschiert voran, die Saiteninstrumente hetzen hinterher, und der Gesang mit seinen nach Rob Halford klingenden Spitzen sorgt für die nötigen Akzente. Abgerundet wird das Ganze durch exquisite Gitarrensoli. Das kurze „Suspended reanimation“ lässt einen das erste Mal Luft holen, episch und erhaben zeigt es eine neue Facette der Band. Es bildet quasi das Intro zum nächsten Song „Broken dreams in isolation“, der eine gewisse Schwermut besitzt, die bestens zum Titel passt. So sind die Evil Invaders für ihre Verhältnisse vergleichsweise langsam unterwegs, was aber für Abwechslung sorgt. Zum Ausgleich prescht das titelgebende „Feed me violence“ wieder erbarmungslos voran. Der Titel des Songs dient gleichzeitig als imposanter Schlachtruf und bildet somit den Höhepunkt des Songs und des Albums.

„Oblivion“ startet mit einem langen und ruhig gespielten Intro, das allerdings wie die Ruhe vor dem Sturm wirkt. Und der Sturm bricht dann tatsächlich los mit Gitarrengewitter und Schlagzeugdonner. Am abgefahrendsten ist jedoch die düstere, rhythmisch gesprochene Passage, die sich immer mehr steigert, bis der Sturm dann noch einmal einen furiosen Höhepunkt erreicht. Wie schon mit „Blinded“ vom Debüt Pulses of pleasure ist mit „Shades of solitudes“ auch auf Feed me violence ein ruhigeres Instrumentalstück enthalten, das beweist, dass die Evil Invaders nicht nur mächtig knüppeln können, sondern auch eine gefühlvolle Seite haben. Anfang und Ende haben in der Art etwas vom Intro zu „Fade to black“ von Metallica, doch im Mittelteil wird den Instrumenten freien Lauf gelassen, sodass sie in fast schon sphärische Höhen aufsteigen. Beim anschließenden „Anger within“ wird allerdings wieder mächtig Gas gegeben, bevor im letzten Drittel erneut sehr viel Wert auf Virtuosität gelegt wird. „Among the depths of sanity“, der letzte Song auf Feed me violence, lotet die Tiefen des menschlichen Verstandes aus, und das Intro dazu wirkt auf mich passend verstörend und unheimlich. Mehrfach wechselt das Tempo und die Stimmung im Song, und der Gesang wirkt teilweise richtig gequält. Ein gelungener Abschluss des Albums.

Fazit: Es wäre natürlich anmaßend zu behaupten, die Evil Invaders hätten sich meine Kritik vom letzten Mal zu Herzen genommen. Aber tatsächlich haben sie mich dieses Mal mit ihrer Mischung aus Speed und Thrash Metal auf ganzer Linie überzeugt. Die Drums empfinde ich insgesamt als akzentuierter, und das gesamte Songwriting wirkt sehr ausgefeilt. Auch die Solieinlagen sind passend eingestreut, ohne zu lang und damit langweilig zu werden. Dimebag Darrell und Randy Rhoads hätten sicherlich ihre Freude daran.
Während Metallica den Biss früherer Tage schon lange verloren haben und Slayer nur noch unmotiviertes Geknüppel bieten, rückt eine neue Riege Bands vor, wie beispielsweise Enforcer, Skull Fist und eben die Evil Invaders, und das ist gut so.

Anspieltipps: As life slowly fades, Feed me violence, Oblivion

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch:

Evil Invaders: Feed me violence
Nuclear Blast Records, 29.09.2017
CD 15,99€, LP 18,99, erhältlich über Nuclear Blast
Homepage: evilinvaders.be/
facebook.com/evilinvaders
nuclearblast.de

Tracklist:
01 Mental penitentiary
02 As life slowly fades
03 Suspended reanimation
04 Broken dreams in isolation
05 Feed me violence
06 Oblivion
07 Shades of solitudes
08 Anger within
09 Among the depths of sanity

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