Die Götterdämmerung naht

Gö-FrontcoverDie Bandgründung von Götterdämmerung reicht bis ins Jahr 1991 zurück, und das Debütalbum A body and birthmark erschien 1994 auf dem damals legendären Label Dion Fortune. Ihr nun mehr achtes Album Intensity zone ist nun zehn Jahre nach dem Vorgänger Urban Gothic erschienen. Natürlich gab es in der Zeit auch Veränderungen bei den in Berlin lebenden Niederländern. So hat Gitarrist Almar David den Gesang von Guido Van Nieuwpoort übernommen, Emilio Cordero Checa (auch bei Soma 101 tätig) ist als zweiter Gitarrist dazugestoßen, und Marc Bijl ergänzt die Band am Bass.

Langsam steigt die Lautstärke beim Intro „Interbellum“ an, bevor mich der Deathrock von „Circus of the flying tools“ direkt in beste Stimmung versetzt. Der Rhythmus ist flott, und das Heulen der Gitarre auf den Punkt. Ebenso der Gesang von Almar, der nicht glattgebügelt und zu gefällig ist. Auch das folgende „Sink into fragrance“ nimmt dieselben Stimmungen auf, ist aber etwas weniger temporeich, dennoch wirkt es nicht weniger intensiv. Götterdämmerung sind zurück, Goth sei Dank. Mit „Never after“ schleicht sich der Gothic in den Deathrock-Sound hinein. Dieser Hybrid klingt also etwas dunkler und vereint beide Welten. „Common existence“ hingegen tendiert nun deutlich in Richtung Gothic Rock und trägt Züge von The Mission. Der Song ist äußerst stimmungsvoll, und die wabernde Gitarre macht den Nebel förmlich hörbar.
Das folgende „Revolving doors“ zieht das Tempo wieder deutlich an, es wird also alles andere als langweilig. Christ vs. Warhol drängen sich mir dabei als Vergleich auf. „A menace in disguise“ ist wieder gotischer ausgefallen und wird mit einer Prise Post Punk gewürzt. Auf „Invisible greed“ vereinen sich schließlich Wave, Gothic und Death Rock, was eine schwer zu beschreibende aber sehr intensiv wirkende Stimmung erzeugt. „Silence kills“ heißt es nun, und das glaube sofort, denn der Song reißt mir die Füße weg, die unkontrolliert zu tanzen anfangen. Ein mitreißendes Stück wie ein Wildwasserfluß, bei dem es nur gerade rechtzeitig Momente zum Luftholen gibt. Das letzte und verträumte Stück „The first laugh“ nimmt nach einem Sample-Intro zu Beginn ein Stück weit die Atmosphäre von „Bela Lugosi’s dead“ von Bauhaus auf, um sich dann neu zu transformieren. Am augenfälligsten ist dabei das expressive Bassspiel. Erst im letzten Drittel setzt der Gesang ein, und ich habe irgendwie sofort „Michelle“ von Pink Turns Blue im Ohr. Trotz der Länge von zehn Minuten wird es zu keiner Zeit langatmig, und mit schönem Wave Rock im Midtempo klingt das Album schließlich aus.

Fazit: Die lange Wartezeit hat sich gelohnt, denn die Götterdämmerung naht nicht nur, sie melden sich mit Intensity zone äußerst eindrucksvoll zurück. Auch der Name des Albums ist gut gewählt, denn in der Tat ist es ein intensiver Ritt für mich. Man spürt die Rückbesinnung auf die Wurzeln durch den erwas punkigen Sound, und gleichzeitig geschieht hier etwas neues. Das ist zeitgemäßer Deathrock, der durch die eingestreuten Variationen in der Musik auch nicht langweilig wird. Hieran kann man seine Freude haben, egal ob man schon ’83 oder ’93 schon dabei war oder erst 2013 die schwarze Szene für sich entdeckt hat.

Anspieltipps: Circus of the flying tools, Common existence, Silence kills

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Götterdämmerung: Intensity zone
Alice ln… / Dark Dimensions, Vö. 23.09.2022
MP3 8,00 €, CD 15,00, LP 25 € erhältlich über Bandcamp

Homepage: https://www.gotterdammerung.band/
https://www.facebook.com/gotterdammerung.band/
https://gotterdammerung.bandcamp.com/
http://www.darkdimensions.de/

Tracklist:
01 Interbellum
02 Circus of the flying tools
03 Sink into fragrance
04 Never after
05 Common existence
06 Revolving doors
07 A menace in disguise
08 Invisible greed
09 Silence kills
10 The first laugh

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1 Kommentar

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  1. […] gibt Anlass zur Hoffnung, dass dieses zusammen mit den kürzlich vorgestellten Götterdämmerung (Link zur Review) ein Weckruf sein […]

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