CD: Heldmaschine – Im Fadenkreuz

Die Geister, die ich rief

Eine Mischung aus Industrial Metal, Neuer Deutscher Härte und Elektronik liegt auch mit dem fünften Langspieler von Heldmaschine in der Luft. Seit 2012 sind die Koblenzer vertreten beim Amphi, M’era Luna und weiteren entsprechenden Festivals, vor kurzem haben sie ihre Deutschland-Tournee beendet. Mal hören, ob wir sie mit Im Fadenkreuz feiern oder kritisieren – bei dieser Band ist alles möglich.

hm_fadenkreuz_cover_rgb_1000pixGesellschaftskritik ist ein großes Thema auf dem neuen Album, mit „Leck mich fett“ werden die immer weiter um sich greifenden Hetzkampagnen im Netz aufgegriffen, die überall anzutreffenden Synthies und das Schlagzeug führen über zum herrschenden Konsumübermaß von „Luxus“. Tragisch können oft „Zwei Sekunden“ verlaufen, und das alles im typischen Stil der NDH, die auch bei „Spring“ durchdringt und mit einer gewissen Ironie zu sehen ist. „Härter“ legt einen Vergleich mit Eisbrecher nahe, „Ich, ich, ich“ ist etwas für die härteren Selbstverliebten unter uns, Falco kann auch heute noch inspirieren. Der Mensch ist fehlbar, es kann zu Überreaktionen kommen, das beweist „Gottverdammter Mensch“. Ruhiger angelegt ist das Duett „Leben“ das die Flüchtlingsdramatik aufgreift, dagegen wird Partystimmung mit „Wie ein Orkan“ erzeugt. „Maschinenliebe“ ist ein elektronischer Track, der in meinen Ohren viel zu technoid klingt.

Heldmaschine stellen sich selbst ins Fadenkreuz, probieren neue Sachen aus (Gesellschaftskritik und ruhigere Töne) und kehren zur Routine der letzten vier Alben zurück. Im Fadenkreuz zeigt die Band zwischen persönlichen Problemen und Geschehnissen im Hier und Heute und zwischen Ängsten und Selbstbewusstsein. Die Mischung aus Industrial Metal, in meinen Augen eher NDH, und Elektronik sorgt für das Abfeiern und -tanzen, das wir uns oft wünschen, um den Alltag zu vergessen, und legt auch die Finger in offene Wunden. Und das in sozialkritischer Weise, was man so nicht von ihnen kennt. Die altbekannte Selbstironie darf natürlich auch nicht fehlen. So manche textlichen Wiederholungen ziehen einzelne Songs in die Länge, die großzügige Beimischung von Synthesizern ist dagegen sehr begrüßenswert. Diese immer wieder auftauchenden Reminiszenzen an Rammstein dürften eigentlich langsam durch sein, vor allem mit dem Beweis, dass Heldmaschine eigenständige gute rockig, härtere, elektronische Musik machen können.

Anspieltipp: Luxus – Härter – Ich, ich, ich – Leben

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch2:

Heldmaschine: Im Fadenkreuz
MP Records, Soulfood – Vö. 26.09.2019
54,16 Minuten
15,99 € z.B. bei EMP

https://www.facebook.com/Heldmaschine/

Tracklist:
1. Leck mich fett
2. Luxus
3. Zwei Sekunden
4. Die Geister, die ich rief
5. Spring!
6. Härter
7. Ich, ich, ich
8. Gottverdammter Mensch
9. Klingt wie Rammstein
10. Leben
11. Wie ein Orkan
12. Maschinenliebe

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