CD: Helheim – landawarijaR

Landbeschützer

landawarijaRHelheim – das Reich der Hel, der Toten. Der Bandname ist hier Programm, und das schon seit 1992, was Helheim so in etwa zur grauen (nein, natürlich pechschwarzen) Eminenz des Viking Metal macht. Viking Metal in dem Sinn, dass man sich inhaltlich mit der legendären Zeit in der skandinavischen Geschichte und ihrer Mythologie auseinandersetzt – fröhliche Trinkhorngesänge findet man auf ihren Veröffentlichungen nicht. Im Gegenteil, Helheim zeichnen sich durch hochkomplexe schwarzmetallische Songstrukturen aus, mit oftmals deutlich progressivem Einschlag, fürs Genre ungewöhnlichen Instrumenten und Klargesang. Mit so legendären Scheiben wie Yersinia Pestis, Kaoskult oder der letzten Veröffentlichung raunijaR haben sie ihren Ruf als einer der besten und beständigsten Vertreter norwegischen (Viking) Black Metals untermauert.

Einfach machen es einem die drei Bergenser allerdings nicht, wie man schon beim Eröffnungstrack „YMR“ hört (Ymir ist laut der altnordischen Mythologie ein Riese und erstes Lebewesen auf der Welt). Sechs Minuten, die alle Register von laut und brachial zu leise und zart ziehen, mit sägenden Gitarrenwänden, Klargesang, Knurrgesang, schwebenden Melodien – so kennt man Helheim, so müssen Helheim auch sein.
Nach einem lieblichen Gitarrenintro gibt „Baklengs mot intet“ dann richtig Gas und nimmt den Hörer mit auf eine siebenminütige Reise „rückwärts ins Nichts“, so der Songtitel auf Deutsch. Ein Song, in dem man sich verliert, der streckenweise einen fast schon Moonsorrow-ähnlichen Sog entfacht, auch wenn das Tempo hier sehr viel höher ist. Erstes Albumhighlight!
„Rista blóðørn“ zeichnet sich wieder durch das Wechselspiel aus Raserei und atmosphärischen Mittelparts aus, wieder schwerer verdaulich, aber mit großem Potenzial. Außerdem bereitet es den Hörer hervorragend auf das Königs- und Titelstück des Albums vor, „landawarijaR“, einen über neunminütigen Monolithen mit erhabenem Klargesang, melancholischen Gitarrenläufen und – man möge mir den Kitschanfall verzeihen – Wikingergefühl. Ganz großes Kino.
„Ouroboros“ fällt hier ein wenig ab, muss es auch fast unausweichlich, ist aber vor allem durch den zweistimmigen Gesang und die raffinierten Melodien immer noch sehr spannend. „Synir af heiðindómr“ spuckt einem geradezu ins Gesicht, ein herrlich aggressives Stück, das erst auf schwere Riffs setzt und sich nach einem lavaartigen Mittelteil in schönste Raserei steigert. Muss man öfter hören, dann hat es einen gepackt. Der abschließende Track „Enda-dagr“ vereint noch mal alle Facetten des Albums in sich und rundet Helheims Reise mit seinen weiten Instrumentalpassagen hervorragend ab.

Nichts in dem Sinn Neues also aus dem Helheim-Lager, aber definitiv eine Weiterentwicklung zum raunijaR-Album. Hier passt wirklich alles zusammen, wer die progressive Ader der drei Norweger früher schon mochte, wird hier nicht enttäuscht werden. Ein Album, das man sich natürlich ein wenig erarbeiten muss, das aber bei jedem Durchgang wächst und einen rettungslos in seinen musikalischen Kosmos hineinzieht. Black Metal, Post Metal, Viking Metal … egal, wie man es nennt, es ist gut.
Der Titel „landawarijaR“ ist übrigens eine Runeninschrift vom Hof Tørvika in Kvam in der Region Hordaland und gehört zu den sogenannten „Lönnrunen“, also einer Art Geheimschrift, die nicht immer vollständig entschlüsselt werden konnte. „landawarijaR“ ist vermutlich ein Name, der so etwas wie „Landbeschützer“, „Landbewohner“ bedeutet haben könnte.

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Anspieltipps: Baklengs mot intet, landawarijaR

Helheim – landawarijaR
Plastic Head / Soulfood
03.02.17
Länge: 55 Minuten
Kaufen: z.B. für € 15,50 bei Nuclear Blast oder digital für ab 10 € auf der Bandcampseite der Band

Tracks:
1. YMR
2. Baklengs mot intet
3. Rista blóðørn
4. landawarijaR
5. Ouroboros
6. Synir af heiðindómr
7. Enda-dagr

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