Unterwegs auf der Route Six Six Six

King Dude aus Seattle, Washington, ist für uns im Webzine schon fast ein alter Bekannter, verfolgen wir seine musikalische Reise doch schon eine ganze Weile. Auch auf den Münchner Konzertbühnen ist er ein immer wieder gern gesehener Gast. Und nicht nur da, wie die aktuell laufende Europa- und Russland-Tour beweist, die Thomas Jefferson Cowgill, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, nur leider nicht in hiesige Gefilde führt. Ein Grund mehr, sich bis zum Wiedersehen mit ihm und der Band erst einmal an das neue Album Full Virgo Moon zu halten, das seit Freitag in den Startlöchern steht und wieder bei Ván Records erschienen ist.

Nachhallende Trommelschläge bestimmen den Auftakt „Intro (A shadow’s theme)“ und erzeugen eine etwas beunruhigende Atmosphäre. Erst mit „My rose by the sea (Satyrboy)“ lässt King Dude seine unverkennbare Stimme erklingen. Ganz ruhig und ein wenig zerbrechlich, dazu passt die Begleitung auf der Akustikgitarre natürlich perfekt. Im Laufe des Songs steigert sich die Lautstärke und die Intensität, nicht zuletzt durch zusätzliche Keyboardspuren. Diese nehmen auf dem klavieruntermalten Titelstück „Full Virgo Moon“ noch einmal zu, dessen schlichte Melodie perfekt in den Vorspann einer Mystery-Serie passen würde. Cowgill wirkt mit dem dominierenden Sprechgesang wie ein Geschichtenerzähler, doch beim gesungenen Refrain zieht er den Hörer in seine dunkle Welt hinab. Auch das folgende „Forty Fives say Six Six Six“ ist ein starkes Stück Dark Americana. Die Stimme ist eindringlich und manchmal fast ein wenig brüchig, dazu kommen die Country-Einflüsse, die dem Song den Schliff geben, wie eine Fahrt auf der Route Six Six Six. Wirklich überrascht bin ich von „The satanic temple“, bei dem Cowgill beweist, dass er auch Pop-Songs schreiben kann, zumindest nach den Maßstäben von King Dude. Eine zuckersüße Melodie lädt zum Mitsingen ein, und dennoch ist die Melancholie allgegenwärtig, sie schwebt über allem.
„Forgive my sins“ hingegen wirkt auf mich wie die perfekte Zusammenarbeit von Johnny Cash zu Zeiten der American Recordings und Nick Cave, dem Altmeister der dunklen Balladen. Ganz schlicht auf dem Klavier begleitet kommt die ganze Tragik in der Stimme zum Tragen, melancholische Streicherarrangements verstärken die Wirkung noch. Das folgende „Make me blind“ ist verhältnismäßig forsch unterwegs und wirkt jetzt trotz der Akustikgitarre rockig. Außerdem besitzt es eine im Grunde genommen erneut überraschend fröhliche Melodie. Doch diese singt der Dude so weit am unteren Ende der Tonleiter, dass er die ganz tiefen Töne gar nicht mehr sauber rausbringt, aber genau das erzeugt die richtige Atmosphäre. Und beim folgenden „A funeral song for atheists“ tropft die Trauer aus jeder Note, die dem Klavier entlockt wird. Hier wäre das perfekte Ende gewesen, denn auf den Schlusssong „Something about you“ hätte ich persönlich verzichten können. Er plätschert so dahin, ohne irgendwelche Höhepunkte, und das Ganze mit einer „Schlafzimmerblick“-Stimme, die mich leider gar nicht anmacht.

Fazit: Erst mit dem doch sehr rockig ausgefallenen Album Sex hatte King Dude mich zugegebenermaßen seinerzeit richtig gekriegt (Link). Das darauf folgende Music to make war to war etwas ruhiger und konnte dagegen trotz toller Songs für mich nicht ganz mithalten (Link). Das hier vorliegende Full Virgo Moon ist nun noch ruhiger und stark akustisch geprägt, man spürt deutlich, dass Cowgill es im Alleingang daheim geschrieben hat. Aber hier weiß King Dude mich mit seinen Dark Americana Folk-Songs zu fesseln, er ist quasi unterwegs auf der Route Six Six Six. Ohne den letzten Song, der mich jedoch leider einfach nur langweilt, hätte es die volle Punktzahl gegeben.

Anspieltipps: Full Virgo Moon, The satanic temple, Forgive my sins

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch2:

King Dude: Full Virgo Moon
Ván Records, Vö. 13.03.2020
16,99 € z.B. bei Napalm Records

Homepage: https://www.facebook.com/kingdudemusic
https://kingdude.bandcamp.com/
http://www.van-records.de
https://www.facebook.com/vanrecs

Tracklist:
01 Intro (A shadow’s theme)
02 My rose by the sea (Satyrboy)
03 Full Virgo Moon
04 Forty Fives say Six Six Six
05 The satanic temple
06 Forgive my sins
07 Make me blind
08 A funeral song for atheists
09 Something about you

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