Baden im Elend

Posthumous-CoverDas Debütalbum Posthumous der brasilianischen Band Lacrima Mortis ist zwar schon im Mai letzten Jahres erschienen, mir jedoch erst jetzt in die Hände gefallen. Das macht aber gar nichts, denn bei dem Namen muss ich sofort an eine Leiche denken, und die ist abgehangen bekanntlich nur noch besser. Seit der Gründung 2016 kam es zu einigen Besetzungswechseln, mache ehemalige Mitglieder sollen gar spurlos verschwunden sein. Aktuell dabei sind Sänger Dread, Gitarrist und Keyboarder Requiem, zweiter Gitarrist Baud, Bassist Reverend Reaper und letzter Neuzugang Priest Condemned an den Drums, der Scavenger ablöst, mit dem Posthumous noch eingespielt worden ist. Wobei das natürlich ohnehin alles Pseudonyme sind und die Bandfotos die Mitglieder nur mit schwarzen Kapuzen verhüllt zeigt.

Mit einer gesprochenen Beschwörung startet „Miserere“, bevor die ersten Riffs eine düstere Stimmung verbreiten. Doch der Gesang ist es, der mich überrascht und völlig in den Abgrund zieht. Der tiefe Growlgesang, der mich persönlich oft nervt, passt hier perfekt, weil er das Elend und die Verzweiflung bestens transportiert. „The ruins of desolation“ setzt den eingeschlagenen Weg konsequent fort. Langsame schwere Riffs, aber trotzdem mit kleinen Tempiwechseln, und der Orgelsound liefert stellenweise die nötige Theatralik. Mit dem Einsatz von Double Bass Drums zu Beginn von „Distress & decadence“ zeigen sich Lacrima Mortis von der härteren Seite, bevor mich im Hintergrund eine Melodie wie von einer Spieluhr irritiert. Stetig wechselt die Stimmung, bevor der Song endet, wie er begonnen hat. Das folgende „Words of blood“ schwelgt langsam und episch, und die Verzweiflung wird in über zehn Minuten schon fast körperlich spürbar.
Mit „Saudade“ folgt eine unerwartet schöne und gefühlvolle Überleitung, bevor die tonnenschweren Riffs von „Imprisoned in death“ einsetzen. Doch dann überrascht das Stück passagenweise als cooler Nackenschwinger. Da gewinnt der Death Metal kurzzeitig die Oberhand, was ebenso für Abwechslung sorgt wie die Flötenmelodie oder die sakralen Momente. Lacrima Mortis wagen immer solche kleinen Experimente. In „Optare mortem“ kommen beispielsweise Mönchsgesänge hinzu, und alles wirkt wie in Slow-Motion. Dank der Lead-Gitarre könnte „Shades of destiny“ der eingängigste Song sein, wenn da der Gesang nicht wäre. Es wirkt fast wie ein letztes Aufbäumen gegen das Schicksal, doch aus dieser Dunkelheit gibt es kein Entrinnen. Mit „Dereliquit deum (outro)“ findet Posthumous schließlich einen hörspielähnlichen Ausklang.

Fazit: Lacrima Mortis nehmen die Hörer*innen mit auf eine höchst emotionale Reise durch die dunkelsten Gefühle der menschlichen Seele. Doom, Death Metal und Funeral Doom bilden die Bausteine dieses abgrundtiefen Verlieses, in dem die Sonne niemals scheint. Jegliche Freude, jegliches positive Lebensgefühl ist ausradiert. Wie eine Decke aus Blei drückt einen die Depression zu Boden. Posthumous ist perfekt, um sich im Elend zu baden und depressive Gefühle auszuleben. Auch Gothics sollten Lacrima Mortis einmal austesten.

Anspieltipps: Miserere, Imprisoned in death

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Lacrima Mortis: Posthumous
Talheim Records, Vö. 27.05.2020
CD 14,87 € erhältlich über Talheim Records

Homepage: https://www.facebook.com/LacrimaMortisDoom/
https://lacrimamortis.bandcamp.com/
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https://tal.hm/facebook

Tracklist:
01 Miserere
02 The ruins of desolation
03 Distress & decadence
04 Words of blood
05 Saudade
06 Imprisoned in death
07 Optare mortem
08 Shades of destiny
09 Dereliquit deum (outro)

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