A cure in these pandemic times

NoTustInDawn_DeathRays_CoverDas Duo No Trust In Dawn hat sich 2016 zusammengefunden. Soykut Gür übernimmt dabei den musikalischen Part, während Rio Black, der auch noch mit Atomic Neon aktiv ist, der Band seine Stimme verleiht. Das Debütalbum As we fall ist ein Jahr später erschienen, und nun ist über Alice in… der Nachfolger Lost and apart erschienen. Mir ist das Duo bislang unbekannt, doch die Vergleiche zu The Cure, New Order und Depeche Mode, die in der Vergangenheit gezogen worden sind, haben mich neugierig gemacht. Dem Bandnamen zum Trotz höre ich das Album tatsächlich in der Morgendämmerung.

Das instrumentale „Can you feel the silence“ fungiert als Intro, das auf Lost and apart einstimmt. Doch als der Gesang bei „Where are you now“ einsetzt, trifft mich die Stimme von Rio Black mit Wucht, denn er klingt verdammt ähnlich wie Robert Smith. Und auch der schnelle Wave, der dazu gespielt wird, weist deutlich in Richtung The Cure und reißt mich direkt mit. Das romantische „The greatest love“ besitzt eine elektronischere Ausprägung, steht dem aber in nichts nach. „This beautiful cage“ ist durch und durch melancholisch geraten, dazu diese Stimme – diesen Käfig möchte ich gar nicht mehr verlassen. Auch „Lost and apart“ verströmt diese spezielle Traurigkeit, doch dank des Electro Wave ist es deutlich tanzbarer geraten. „Hope“ schaltet im Anschluss einen Gang zurück, und der Gesang wird von schwermütigem Orgel-ähnlichen Klängen getragen. Die findet man bei ihnen in der Form so zwar gar nicht, dennoch schreit alles nach The Cure. Eine tolle Hommage, an die sich „Secret room“ nahtlos anschließt mit verträumtem und mehr rhythmischem Wave, der mich dreißig Jahre zurückversetzt.
Pure Traurigkeit durchzieht den Dark Wave von „Death rays“, wobei die Stimme überraschend anders klingt. So spielt eine andere Note in den Song rein, und ich tippe daher auf Soykut. Er braucht sich nicht zu verstecken und könnte sich durchaus öfter an den Gesang trauen. In den Arrangements von „Under the sun“ meine ich Anleihen an The Sisters Of Mercy herauszuhören, nur auf Wave-Ebene interpretiert und nicht im Gothic Rock. Mit „Purity“ rücken No Trust In Dawn mit wunderschönem Synthie-Pop in die Nähe von Wolfsheim oder Solar Fake. Bei „Morphine“ schimmert „It’s no good“ von Depeche Mode durch, das durch die RobertSmith-Stimme ergänzt wird. Wieder ist die Stimmung so eine andere. In „Break me“ empfangen mich die ersten Takte von „Smalltown boy“, um in fragilem, melancholischem Wave zu münden. Auch der Gesang spiegelt diese Zerbrechlichkeit wider. Mit dem etwas schnelleren „Sweet dream“ schließt sich der Reigen.

Fazit: The Cure is strong in this one, but we need a cure in these pandemic times. Für mich ist das Balsam für die Seele. Im Ernst. Der Einfluss der britischen Wave-Götter ist wirklich sehr stark. Das liegt zum einen an der Musik von Soykut Gür, zum anderen an der Stimme von Rio Black, der eine sehr ähnliche Stimmfarbe wie Robert Smith besitzt. No Trust In Dawn verarbeiten Einflüsse aus ihrer eigenen Jugend zu ihrem heutigen Sound und erinnern mich damit an OUL (Link zur Rezension). In einem Interview mit Back to the 80ies erzählte Soykut, dass Seventeen Seconds seine erste prägende Platte gewesen sei. Das spürt man deutlich, selbst das Cover zu Lost and apart könnte man als Hommage auffassen. Seine Musik beruht zum Teil auf Aufnahmen, die er bereits als Teenager gemacht hat. So setzen No Trust In Dawn wahrhaftig bei ihren Wurzeln an und sind definitiv keine Kopie oder gar eine Coverband.

Anspieltipps: Where are you now, Death rays

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No Trust In Dawn: Lost and apart
Alice in… / Dark Dimensions Label Group, Vö. 26.03.2021
MP3 8,80€ erhältlich über Bandcamp
CD 14,99 € erhältlich über Poponaut
Homepage: http://www.notrustindawn.com/
https://de-de.facebook.com/NoTrustInDawn
https://notrustindawn.bandcamp.com/
http://www.darkdimensions.de/

Tracklist:
01 Can you feel the silence
02 Where are you now
03 The greatest love
04 This beautiful cage
05 Lost and apart
06 Hope
07 Secret room
08 Death rays
09 Under the sun
10 Purity
11 Morphine
12 Break me
13 Sweet dream

(1806)