Wave française

Im Netz macht sich die junge Band Order 89 aus Paris eher rar, viele Informationen liefert ihre Instagram-Seite auch nicht, wenn man von den äußerst gelungenen Fotos einmal absieht. Sie haben aber bereits einige Live-Erfahrungen gesammelt, und sich somit an ihr Debüt Bleu acier gewagt, das letztes Jahr im Herbst erschienen ist. Order 89, das sind Bassist und Sänger Jordi, Flavien, der den Drum Computer und die Synthies programmiert, und Gitarrist Elliot. Mein Französisch ist leider sehr eingerostet, aber inhaltlich setzen sie sich wohl mit den dunklen Seiten der Liebe und dem Tod auseinander.
Ruhig und dementsprechend düster beginnt „Perdition“ mit dem repitiven Bass, dann setzt der französischsprachige Gesang ein, der stets eine andere Wirkung erzielt als das meist vorherrschende Englisch. Der Energie-Level steigt, und plötzlich zerreißen Saxophon-Klänge die heimelige Post-Punk-Atmosphäre. Da stehe ich eigentlich gar nicht drauf, aber hier fügen sie sich ein. Die Synthies und der Rhythmus treiben „Memoire pirate“ voran, das im Laufe des Songs immer mehr an Intensität gewinnt. Der Ausbruch in der Stimme zum Höhepunkt hätte aber für meinen Geschmack noch härter und klarer ausfallen können. Auch „Edward“ bleibt auf diesem Level und kombiniert Post Punk und New Wave zu einer Up-Tempo-Nummer. „Grandir seu“ hingegen startet im Anschluß wunderschön mit einer melancholischen Melodiefolge auf einer Orgel, an die sich der warme und weiche Gesang behutsam anschmiegt. Doch dann setzt der Rhythmus ein, die Stimme kippt ins Dramatische, bevor der Song langsam ausklingt.
Zu Beginn von „Couronne de Prince“ habe ich Deine Lakaien im Ohr, was sich jedoch mit dem einsetzenden Gesang ändert. Das Stück reißt einen zurück in die Gegenwart, denn es ist ein eingängiges und tanzbares Stück, zu dem der Kopf sofort mitwippt. Auf dem Titelstück „Bleu acier“ werden deutlich mehr abgefahrene Synthie-Sounds eingesetzt, die mit Bass und Gitarre eine gelungene Symbiose eingehen. Ihre Landsmänner Charles de Goal lassen grüßen. Auch „L’espace et le temps“ vereint New Wave und Post Punk, bevor bei „Barbara“ der experimentellere Elektronik-Anteil wieder die Oberhand gewinnt. Dazu muss man einfach tanzen. Im Gegensatz dazu folgt mit „2002“ eine ruhige Ballade am Klavier, die ihre intensive Wirkung vor allem mit dem mehrstimmigen Gesang erzielt. Als Bonus gibt es zum Abschluss den Mondowski Remix von „Bleu acier“, der düsterer als das Original ist und die experimentellere Seite mehr betont.

Fazit: Schön, dass die Jungs auf Französisch singen, das ist schon immer etwas Besonderes und die Kirsche auf der Sahnehaube. Dazu kommt die Energie der rohen Seite von Joy Division, die in die heutige Zeit transportiert wird. The Hormones aus China agieren da zum Teil ähnlich. Die Kombination aus modernem New Wave und Post Punk von Order 89 ist wirklich gelungen, und während das live mit Sicherheit reinknallt, reißt mich das beim reinen Hören aber (noch?) nicht völlig mit. Denn ich muss feststellen, dass sich mit jedem Hören neue Facetten entfalten.

Anspieltipps: Bleu acier, Grandir seu, Barbara
:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch2: (mit Tendenz zu 5)

Order 89: Bleu acier
Icy Cold Records, Vö. 18.10.2019
MP3 9,00 €, CD 13,00 €, LP 16,00 € erhältlich über Icy Cold Records
Homepage: https://www.instagram.com/order89/
https://soundcloud.com/oeightynine
https://icycoldrecords.bandcamp.com/

Tracklist:
01 Perdition
02 Memoire pirate
03 Edward
04 Grandir seu
05 Couronne de Prince
06 Bleu acier
07 L’espace et le temps
08 Barbara
09 2002
10 Bleu acier (Mondowski Remix)

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