CD: Overkill – Live in Overhausen

Mean, green, killing machine

Overkill - Live In Overhausen - ArtworkOverkill – das sind mehr als dreißig Jahre Thrash Metal vom Feinsten, kompromisslos, ehrlich und auf Lebenszeit. Oft werden Overkill als die Nummer fünf der „Big Four“, der vier großen Thrash-Metal-Bands unserer Zeit (Slayer, Megadeth, Metallica, Anthrax) bezeichnet – ob sie vielleicht sogar eher direkt zu den Big Four gehören sollten, muss jeder für sich selbst entscheiden, aber die Klasse der Band und vor allem die Energie, die bei ihren legendären Live-Shows freigesetzt wird, lässt sich nicht leugnen. Was Bobby „Blitz“ Ellsworth, D.D. Verni und die anderen da auf der Bühne veranstalten, muss man eigentlich mit eigenen Augen sehen und erleben, doch für die seltenen Gelegenheiten, die Overkill nicht auf Tour sind, haben sie uns fürs heimische Wohnzimmer oder die Autostereoanlage ihr mittlerweile drittes Live-Album, Live in Overhausen, kredenzt.

Die auch als LP und Blu-Ray vorliegende Doppel-CD enthält das Konzert vom 16. April 2016 aus der Turbinenhalle 2 in Oberhausen – in mehrfacher Hinsicht ein Doppelschlag, denn mit diesem Auftritt wird nicht nur das 30-jährige Jubiläum des Debütalbums Feel the fire zelebriert, sondern auch der 25-jährige Geburtstag der Scheibe Horrorscope aus dem Jahr 1991. Beide Platten werden vollständig gespielt, außerdem gibt es noch zwei Coverversionen, also insgesamt 21 Songs. Ein stolzes Package! Und da die Band zu Deutschland eine ganz besondere Beziehung hat – die erste Tour außerhalb Amerikas 1986 durch den Westen mit Start in der Münchner Alabamahalle legte den Grundstein für Overkills Erfolg in Deutschland -, versprach dieser Abend, etwas ganz Besonderes zu werden.
Das hört man tatsächlich auch ab dem ersten Ton von „Coma“ – die Spannung im Publikum ist geradezu greifbar, und der Jubel zwischen den knüppelhart und erbarmungslos vorgetragenen Songs ist riesig. Das Publikum in „Overhausen“ frisst Bobby aus der Hand, der immer wieder betont, wie gern er hier ist (vor allem das kühle deutsche Bier hat es ihm angetan), und gelegentlich deutsche Wörter einstreut, sich aber grundsätzlich auf das konzentriert, was heute wichtig ist: die Zeitreise zurück zu den Wurzeln einer der wichtigsten Thrash-Bands, die auch nach über dreißig Jahren nichts von ihrer Frische verloren hat (die paar grauen Haare sieht man auf Konserve ja nicht). Die bekannten Songs wie „Thanx for nothin‘“, „Live young, die free“, das langsame „Soulitude“ oder „Rotten to the core“ kesseln wie eh und je, und zu den beiden bahnbrechenden Alben muss man eigentlich auch nichts mehr sagen. Thrash, wie er härter und besser nicht sein kann. Die zwei Coverversionen, „Frankenstein“ der Edgar Winter Group sowie die Zugabe „Fuck you“ der Subhumans, runden das Live-Album der besonderen Art perfekt ab.

Live-Mitschnitte sind ja immer so eine Sache – braucht man sie wirklich? Die einen Fans wollen, dass auch live alles so klingt wie auf Konserve, die anderen sehnen sich geradezu nach Variationen – recht machen kann man es also eigentlich niemandem. Dennoch hat „Live in Overhausen“ seine absolute Berechtigung, weil Overkill-Konzerte einfach etwas Besonderes sind. Klar muss man sich ohne die Blu-ray vorstellen, wie Bobby regelmäßig wie ein geölter Blitz zum Bühnenrand sprintet, wie er die Muskeln spielen lässt, wie routiniert und trotzdem leidenschaftlich die anderen Musiker agieren, wie das Publikum die Sau rauslässt (so war es zum Beispiel letzten Dezember in München) … aber wer sich dieses Live-Album kauft, war garantiert schon selbst auf einem Konzert von Overkill und kann dadurch das Erlebnis wieder lebendig werden lassen – bei selbstverständlich hervorragendem Sound. Und wenn man weiß, dass man sich hier auf zwei Klassikeralben einlässt und neuere Veröffentlichungen nicht berücksichtigt sind, kann man wunderbar daheim die Nackenmuskeln trainieren.

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Overkill: Live in Overhausen
Nuclear Blast, 18.05.18
Länge: 1h 51min
Kaufen: 25,63 € (Doppel-CD, amazon)

Tracklist:
1. Coma
2. Infectious
3. Blood money
4. Thanx for nothin‘
5. Bare bones
6. Horrorscope
7. New machine
8. Frankenstein
9. Live young die free
10. Nice day – for a funeral
11. Soulitude
12. Raise the dead
13. Rotten to the core
14. There’s no tomorrow
15. Second son
16. Hammerhead
17. Feel the fire
18. Blood and iron
19. Kill at command
20. Overkill
21. Fuck you

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