CD: Papir – VI

Spielfertigkeit und -freude

Papir_VI_Cover_webEs ist ein regnerischer Urlaubsabend, da könnte die neueste Scheibe der aus Kopenhagen stammenden Band Papir gut passen. Die drei Herren verfolgen ihren Weg konsequent weiter und betitelten sie VI (was könnte auch anderes kommen nach V). Eine feine, vier Tracks lange Psychedelic-Rock-Ausgabe, die aber als 40-minütiger Longplayer auftritt. Dann mal Kopfhörer auf und reinhören.

Die vier Instrumentalstücke bedienen mal wieder die Experimentierfreudigen, Mainstream findet man hier nicht. „I“ überzeugt durch die perfekte musikalische Abstimmung von Gitarre, Bass und Schlagzeug (Nicklas Sørensen, Christoffer Brøchmann Christensen, Christian Becher Clausen), die über die gesamte CD-Lauflänge anhält. Die neueste Zugabe ist dieses Mal ein Schellenkranz, der mittlerweile bekannte Gitarrensynthesizer ist auch wieder mit von der Partie. Die Saitenanschläge vermitteln manchmal die Vorstellung, dass sich Wasserkaskaden herab bewegen, genauso wie der Regenfall vor dem Fenster, und stoppen plötzlich nach 10.05 Minuten. Mit „II“ erfolgt ein Übergang zu helleren Tönen, das Stück erinnert mich etwas an unseren bayerischen Gitarrenvirtuosen Willy Astor, vor Kurzem habe ich noch eine seiner The Sound of Islands CDs gehört. Hinzu kommt im Verlauf diese typische psychedelische Ausrichtung. Der Beginn von „III“ ist zaghaft, der Gitarrensynthesizer lässt die Luft flimmern, Bass und Schlagzeug mischen sich erst später ein und führen über 9.24 Minuten ein eindrucksvolles Klangschauspiel auf, inklusive Gitarrenfontänen. Das über 11 Minuten lange „IV“ bietet eine heraufbeschworene Erinnerung an Jimi Hendrix und an einen seiner großen Gitarrenparts – sehr retro und sehr stimmig.

Papir i studio

Instrumentalmusik ist was für Liebhaber von Spielfertigkeit und -freude, diese wird hier zur vollsten Zufriedenheit ausgeführt. Viel psychedelischer Gitarreneinsatz, der mitunter auch als Wasserfontäne und -fall erscheinen mag, sowie das übereinstimmende Zusammenspiel trägt zum Gelingen bei. Für einen beschaulichen Abend ist VI die richtige Untermalung, inklusive überraschender Wendungen. Dieses Mal hat die Band die komplette Produktion inklusive Mix, Recording und Artwork selbst gestemmt, das ist sehr engagiert neben der eigentlichen Musik, wie ich finde. Das Gesamtpaket kann man nur belohnen:

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch:

Papir: VI
Stickman Records, 17.05.2019
7 € (oder mehr) über Bandcamp

https://www.facebook.com/pg/papirband/about/?ref=page_internal

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