CD: Peter and the Test Tube Babies – That shallot

Zwiebelalarm

Peter And The Test Tube Babies - That Shallot - ArtworkPeter and the Test Tube Babies haben sich bereits 1978 gegründet und sind aller Besetzungswechsel zum Trotz bis heute aktiv. Damit gelten sie völlig zu Recht als eine der Legenden im englischen Punk. Die beiden Gründungsmitglieder, Sänger Peter Bywaters und Gitarrist Derek Greening, werden seit 2003 von Caveman Dave am Schlagzeug begleitet, und auf dem neuen Album That shallot ist der neue Bassist Nick Abnett zu hören. Fünf Jahre sind seit dem letzten Werk Piss ups vergangen, und Peter wurde kürzlich die Einreise in die USA verweigert, weil er bei der letztjährigen Presidential-Tour Donald Trump verunglimpft haben soll. Höchste Zeit also, den Punk mal wieder rauszulassen.

Den Eröffnungssong „In yer face“ auf That shallot kann man fast wörtlich nehmen, denn hier springt einem der typische UK-Punk kurz und knapp direkt ins Gesicht und macht Lust auf mehr. Das folgende „C U next Tuesday“ ist dagegen etwas melodiöser, wird im Refrain von weiblichen Chorstimmen unterstützt und sorgt so weiter für gute Stimmung. „None of your fucking business“ hat das Zeug ein Klassiker zu werden, nicht nur wegen der namensgebenden und äußerst punkkompatiblen Refrainzeile, die zum Mitgrölen einlädt. Der Song klingt einfach so typisch englisch, wie man es sich nur wünschen kann und wird sogar dezent von einer Posaune untermalt, ohne gleich zu Ska zu verkommen. Es folgt ein spaciges und leicht experimentelles Intro, dann geht es bei „Wrong“ aber etwas rockiger zu, und der Gesang scheint dazu eine Spur rauer aufgenommen worden zu sein, was dem Song gut steht. Besonders hervorheben muss ich hier die schöne Rhythmusarbeit des neuen Bassisten Nick Abnett. Der Country-Song „Silicone beer gut“ ist wohl die Überraschung der Platte, macht aber auch richtig Spaß. Das Banjo sorgt für Western-Flair, und dazu fidelt eine Geige. Auch der Damenchor kommt hier wieder zum Einsatz. Zitat: „Yeeha!“ Nach diesem Ausflug geht es als Kontrast wieder zurück in die heimischen Punkgefilde, denn „Youth of today“ und „Say what you want“ sind schöne Uptempo-Songs, zu denen man prima Pogo tanzen kann, und die sich beim Refrain direkt einprägen. „Tramp killer“ heißt der nächste Song und rockt dementsprechend erstmal los, doch dann werde ich von einer sehr angenehmen Frauenstimme überrascht, und es entwickelt sich eine Rockballade, bei der auch wieder Blechblasinstrumente zum Einsatz kommen. Die Gastsängerin übernimmt fast das gesamte Lied. Ungewöhnlich, aber schön. Weniger schön ist es natürlich „When girlfriends attack“. Der Song hat passend dazu eine treibende und bedrohliche Wirkung, und die Instrumente und der Gesang klingen düster. Dazu kommen verschiedene Sprachsamples aus dem Off. Etwas schneller und mit großem Kontrabass gespielt könnte dies eine Psychobilly-Nummer sein.
„What next“ könnte sich die Band dann tatsächlich gefragt haben, denn diese Rocknummer empfinde ich zwar nicht unbedingt als schlecht, aber irgendwie als beliebig und uninspirierend. Hier fehlt einfach der Kick. Zur Entschädigung folgt aber die Punkrock-Nummer „Crap californian punk band“, das tatsächlich beschwingt klingt, als sei es vom Skaten unter kalifornischer Sonne inspiriert. Wegen verschiedener Liveauftritte blieb der Band nicht die Zeit für einen Videodreh, also sprang die echte Skate Punk Band The Barracks für die Performance ein, wobei sie witzige Pappmasken tragen. Darüber hinaus haben der Rancid-Sänger Lars Fredericksen und die coole Schwestern-Punkband Maid of Ace Gastauftritte – eine schöne Geste, die nächste Generation damit zu promoten. Das leise Intro zu „Honesty“ klingt so kitschig, das kann nur ironisch gemeint sein. „You really were a fouling wine. I just pity the man now in your life. Which is selfish and so rude. What the hell did I see in you?“ Doch mit dem Einsetzen der Instrumente nimmt der Song dann zum Glück doch eine rockige Richtung. Das schräge „17 Red“ ist schwer einzuordnen. Ich hatte dabei Assoziationen zu solch unterschiedlichen Bands wie Alice Cooper („Poison“), New Model Army („I need more time“), Foyer des Arts („Komm‘ in den Garten“) und Alien Sex Fiend allgemein, auf jeden Fall ungewöhnlich. Das Zusammenspiel von Gesang in der Strophe und der folgenden Gitarrenmelodie beim letzten Song „Pissedenstein“ erinnert mich irgendwie latent an die Bandhymne „The Jinx“, doch leider bleibt der Track dann eher verhalten und somit hinter den Möglichkeiten zurück.

Fazit: That shallot ist wohl gar kein schlechter Name für das Album, da es vielschichtig und abwechslungsreich ausgefallen ist. Wie bei einer Zwiebel offenbart es Schicht für Schicht die verschiedenen musikalischen Ausrichtungen. Insgesamt fehlt mir stellenweise trotz einiger toller Songs ein wenig der Biss früherer Tage. Vielleicht hätte man das Album um ein, zwei Titel kürzen sollen, vielleicht muss man die Songs auch einfach live erleben, dies wird traditionell gegen Jahresende wieder möglich sein. Trotzdem ist That shallot beileibe kein schlechtes Album, die Messlatte hängt bei einer Legende wie Peter and the Test Tube Babies nur etwas höher, was Kritik angeht.

Anspieltips: None of your fucking business, Silicone beer gut, Tramp killer, Crap californian punk band

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch2:

Peter and the Test Tube Babies: That shallot
Arising Empire, VÖ: 15.09.2017
CD 14,99€, LP 17,99€, erhältlich über Arising Empire

Homepage: testtubebabies.co.uk
de-de.facebook.com/PeterAndTheTestTubeBabies/
http://www.arising-empire.com/

Tracklist:
01 In yer face
02 C U next tuesday
03 None of your fucking business
04 Wrong
05 Silicone beer gut
06 Youth of today
07 Say what you want
08 Tramp killer
09 When girlfriends attack
10 What next
11 Crap californian punk band
12 Honesty
13 17 Red
14 Pissedenstein

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