Play it loud and be ready!

32 Jahre lang war Phil Campbell der Lead-Gitarrist von Motörhead. Nach dem traurigen Bandende besann er sich auf seine eigenen Wünsche, veröffentlichte 2018 zusammen mit seinen Söhnen und Neil Starr ein Debütalbum unter dem Bandnamen Phil Campbell and the Bastard Sons und 2019 ein Album unter eigenem Namen in Zusammenarbeit mit vielen bekannten Köpfen aus dem Rockfach (Old lions still roar). We’re the Bastards zeigt im CD-Titel schon auf, dass die einmal beschrittenen Pfade ausgeweitet wurden. Musik ist eben Phils Passion und mit den neuen erdigen und zeitlosen Rocksongs bleibt er seinem Genre treu und bereitet seinen Fans eine große Freude.

Der Titeltrack ist schon mal ein guter Einstieg, ein rockiger und eingängiger Song, mit Wiedererkennungswert. Zu „Son of a gun“ ist die Rhythmusabteilung klar im Vordergrund und das Tempo hoch. Einen Blick in die 70er kann man mit „Promises are poison“ werfen, ähnlich wirkt „Keep your jacket on“. Ein kleiner Stonerrock-Einschlag wurde „Bite my tongue“ verpasst, passend erklingt als nächstes der bluesig angehauchte „Desert song“, als Verstärkung wird eine Mundharmonika eingesetzt. Zurück im good old Rock sind wir mit „Lie to me“, mit einem vordergründigen Oldschool-Hi-Hat-Einsatz. „Riding straight to hell“ ist wieder so ein gelungener Rocksong, da fängt der Kopf von alleine an zu nicken und das „set me free“ kommt von allein an passender Stelle über die Lippen. „Hate machine“ lässt wieder mächtig Tempo aufkommen, da kommen Erinnerungen an Motörhead auf, ich tippe mal auf einen schweißnassen Tanz bei einer irgendwann möglichen Live-Performance, Ähnliches lässt „Destroyed“ vermuten. Der Basslauf und das ruhigere Spiel zu „Waves“ lassen den Adrenalinspiegel wieder runtergehen, dieser Song entlässt einen mit einem bluesigen Gitarreneinsatz und dann doch wieder höherem Tempo aus diesem Rock-Album.

We’re the Bastards ist großartiger Rock ‘n Roll mit allen dazugehörigen Zutaten, herauszustellen sind vor allem die prägnanten und großartig gespielten Riffs (Todd und Phil Campbell), der immer wieder in Szene gesetzte Bass (Tyla Campbell), der Schlagzeuger (Dane Campbell), unter anderem mit dem Feeling für die 70er Jahre und dafür verantwortlich, die Herren in die richtigen Bahnen zu lenken, und der absolut dazu passende Gesang (Neil Starr). Überraschend war der Ausklang des Albums, aber der hat genauso seine Richtigkeit. Im Lockdown hatte die Band genug Zeit, sich auf das neue Album ein- und untereinander abzustimmen. Neil Starr meinte dazu: „We know there are people that want to hear it, but the truth is that we just had fun with it. Once again, we made the record we wanted to make and it’s been really exciting. Also, we really wanted to do something in lockdown, because there was nothing else happening! We’ve got a studio in Wales that Todd owns, so we said ‘Let’s do what we can and make the best of a bad situation’.”
Die Herren verlieren sich nicht in Schnörkeln, die Tracks sind genau auf den Punkt, perfekt abgemischt, und sollten die Aufmerksamkeit bekommen, die Starr beschreibt: „Play it loud and be ready!”

Anspieltipp: We’re the bastards – Born to roam – Waves

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch: 

Phil Campbell and the Bastard Sons: We’re the Bastards
Nuclear Blast, Vö. 13.11.2020
15,99 €

Tracklist:
1 We’re the bastards
2 Son of a gun
3 Promises are poison
4 Born to roam
5 Animals
6 Bite my tongue
7 Desert song
8 Keep your jacket on
9 Lie to me
10 Riding straight to hell
11 Hate machine
12 Destroyed
13 Waves

(289)