CD: Qntal – VIII-Nachtblume

Die Nachtblume ist erblüht

Qntal 8

Einleitende Worte zu Qntal zu verfassen kommt mir vor wie Eulen nach Athen tragen. Wuchtige Tanzflächenhymnen und romantische Balladen, passt das zusammen? Wer Qntal kennt, bejaht das. Längst haben sie sich den Ruf als eines der magischsten und mystischsten deutschen Musikprojekte erworben. Qntal sind mittelalterliche Melodien mit Electro/Synthie-Sounds, tolle Stimmen, schöne Texte, interessante Charaktere. Sie bestehen seit 1992 und haben seitdem sieben Alben herausgebracht. Das klingt vielleicht nach nicht so viel für 25 Jahre, aber sie widmeten sich in der Zeit ja auch anderen Projekten, vor allem ihrem rein akustischen Ensemble Estampie. Am 9. März 2018 erscheint ihr achtes Album. Knapp vier Jahre musste man warten, bis Michael Popp, Syrah und Mariko das Fan-Herz wieder in Wallung brachten.

Freudig halte ich den wunderschön gestalteten Silberling mit seinem fantastischen Artwork in den Händen. Ein nachtblaues Booklet passend zum Titel, mit Fotos und Texten, die es auch wert sind, gelesen zu werden, von bekannten Mittelalterdichtern und aus der Carmina Burana.
Mit „Nachtblume“ wird der musikalische Reigen eröffnet. Syrahs Stimme beginnt stark und doch zart, mittelalterliche Stimmung, da freut man sich auf’s Heidnische Dorf auf dem WGT in Leipzig. Aber dann kommt moderne Instrumentierung hinzu, man möchte innerhalb von wenigen Sekunden tanzen. Das zweite Stück nach Joseph von Eichendorff, „Die finstere Nacht“, kommt nicht mehr so romantisch daher. Der unheimliche Text, von Michael Popp gesungen, macht es seltsam düster: „Schlaf droben, mein Kind, bis der Tag erscheint, die finstre Nacht ist des Menschen Feind!“ Bei „Music on the waters“ kann man sich von Syrahs Gesang mittragen lassen, der Liedtext ist von Lord Byron. Ein rhythmisches Lied, dennoch ruhig, im Hintergrund leicht orientalisch. „Monteclair“, ganz auf Syrah zugeschnitten, könnte von der Melodie und Singweise ein Estampie-Stück sein, nur mit Schlagzeug, wilden Geigen und Synthesizer. „Echo“ ist ein flehentlich vorgetragenes Lied, fast schon ein Gedicht, wie bereits auf Qntal VII mit einem Text von Markus „Mahet“ Heitz. „Parlament of foules“ ist gleich von Anfang an rockiger, wie auch „Chint“, ein schnelles, treibendes Mittelalterlied aus der Carmina Burana. „Before the world was made“ unterbricht den rockigen Flow erstmal, es ist romantisch, mit zarten Flöten untermalt, nach einem Text von William Butler Yeats. „O fortuna“, wieder aus der Carmina Burana, kennt nun jeder. Dennoch mag man es hören, es ist einfach wieder ein bisschen anders interpretiert. Ein wenig beschwörend zu Beginn, klingt es dann nach Lebensfreude pur mit einem kalten Kirschbier im Tonkrug. Die nächsten beiden Stücke schließen wieder ein wenig den Kreis zu den romantischen Mittelalterstücken, die von Liebe handeln. „Wenn ich glücklich liebe, dann steigen meine Gefühle höher als der Schein der Sonne!“, so lautet die Übersetzung eines Teils aus „Minnelied“, und „Die Natur erstrahlt in den Farben des Sommers, das Spiel der Liebe kann beginnen“, so klingt es bei „Sumervar“ nach Ulrich von Lichtenstein. Eine Vorfreude auf den Frühling, auf den Sommer, auf draußen sein und unbeschwert lieben und geliebt werden. Fröhliche Lieder, harmonisch instrumentiert, die glockenklare Stimme von Syrah. Von „A chantar“, nach einem Text von Beatriz de Dia, der einzigen Frau in dem ganzen Dichterreigen, ist nur ein kleiner Teil übersetzt: „Ich muss singen von der Liebe und von meinem schönen aber hochmütigen Freund“. Es setzt sich als letztes Stück ein wenig ab. Ich verstehe den Text nicht, aber ich höre eine gewisse Schwermut heraus. Ihre Werke behandeln die höfische Liebe aus weiblicher Sicht. Die war wohl anders als die der Männer.

Mit viel Feingefühl und Sachverstand haben sich Qntal wieder einmal jahrhundertealter Texte und Melodien angenommen, sie transformierten diese in moderne Arrangements und belebten sie auf virtuose Weise. Qntal haben eine Verbindung zwischen Alt und Neu geschaffen, hier die teils traurigen alten Balladen, dort die Musik, die die Menschen animiert, sich auf der Tanzfläche auszutoben.

Qntal treten dieses Jahr erfreulicherweise wieder auf dem Wave Gotik Treffen in Leipzig auf (Pfingsten). Ebenso kann man sie in München am 4. Mai 2018 im Backstage sehen.

Mein Anspieltipp: Nachtblume

Qntal: VIII-Nachtblume
Drakkar Records/Soulfood Music, VÖ. 09.03.2018
CD 16,93, MP3 9,99 € (Digipack)

Tracklist:
01 Nachtblume
02 Die finstere Nacht
03 Music on the waters
04 Monteclair
05 Echo
06 Parliament of fowles
07 Chint
08 Before the world was made
09 O fortuna
10 Minnelied
11 Sumervar
12 A chanter

www.qntal.de
facebook.com/qntalmusic/

(479)