Horns up – breakdown

Da flattert das Album einer bisher viel zu wenig beachteten Band aus Hamburg in meinen CD-Player. Mal hören, ob da Einheitsbrei rauskommt, lahme Musik, ob da ein wenig der Mut fehlt, um wirklich in die Saiten zu hauen.
Burst My Marrow, kurz BMM, bieten mit ihrem Album „Oblivion“ aber alles andere, als eine Enttäuschung. Eben noch skeptisch auf Play gedrückt, lasse ich mal ganz schnell alles andere links liegen und höre nur auf die Musik.

„My chance, my life has broken“ wird ins Mikro gegrölt, dazu nur eine verhaltene E-Gitarre. Nach diesem Auftakt, der etwa eine Minute lang ist, geht es los: Klassisch mit Drums, Bass und Gitarre bewaffnet, unterstützen Torben Gerschau, Benjamin Lawrenz und Tim Rinka ihren Sänger Rico Meyer. Dieser hat es drauf und growlt gekonnt den Text zu einem schnellen, guten Sound.
Das zweite Lied „Aeon“ führt fort, was im ersten begonnen wurde: Schöne Riffs, gute Growls und Passagen, die man sehr gut in der Menge vor der Bühne mitsingen könnte. Da will der Kopf kaum stillhalten, sondern mitbangen!
Noch schneller wird dann der Rhythmus bei „Days Of Grace“. Hier unterstützte Leon Te Paa den Gesang. Überhaupt zieht sich guter Metalcore durch das gesamte Album, ohne dabei immer gleich zu klingen und langweilig zu werden. Hier wurden viel Können und musikalische Leidenschaft investiert. Sehr schön auch die Messages einiger Songs, beispielsweise: „Don’t stop to faith in you, don’t stop to faith in us, and light up this darkness“ aus dem Song “Light Up This Darkness”. Ein bisschen erinnert dieser an Filmmusik, etwa an den Soundtrack von „Transformers“ oder „Iron Man“: Dort haben immerhin keine Geringeren als Linkin Park, Green Day oder Nickelback mitgewirkt.
Ruhigere Töne werden im fünften Stück, „Grey Sunday“, angeschlagen. Ebenfalls rockig zwar, aber doch sanfter und vor allem weit langsamer präsentieren sich Burst My Marrow hier nachdenklich. Achtet man auf den Text, passt die Musik sehr gut zum beschriebenen tristen Sonntag.
Verschnaufen kann man jedoch nicht lange, denn mit voller Aggressivität beginnt „The Call“ und brettert wieder ordentlich rein. Unterbrochen an wenigen Stellen durch ruhigere Passagen, die dem Nacken mal eben Pause gönnen, bevor es mit Headbanging weitergeht..
In diesem Stil bewegt sich auch Nummer Sieben, „For those who…“. Wer genau hin hört, sollte mal auf die Gitarre achten, die teilweise sehr schön in den Mittelpunkt gestellt wird – und das nicht nur bei diesem Lied.
Mehr in die Metalcore-Richtung geht aber wieder „Support The Hopeless“, um in das grandiose Finale „ESC Reality“ überzugehen, das noch mal alles aus der Band rausholt. Dadurch schließt sich der Kreis: Mit aggressivem und schnellem Sound beginnt und endet das Album. Dazwischen finden sich ruhigere, aber keinesfalls langweilige Songs, die vor allem deutlich machen, dass BMM mehr können, als nur stur eine Musikrichtung zu präsentieren.

BMM schaffen es, mit den Großen mitzuhalten. Ihr Sound erinnert etwa an Exodus, Dimmu Borgir oder Sacred Reich, sieht man einmal von „Light Up This Darkness“ oder „Grey Sunday“ ab. Man kann Kopf, Arme und Beine kaum stillhalten und möchte moshen, bangen und das Quartett unbedingt live erleben – denn live ist vieles noch besser als auf CD.
Die vier Hamburger verdienen definitiv mehr Aufmerksamkeit und das gelungene Album „Oblivion“ wird hoffentlich nicht das letzte sein, was man von ihnen zu hören bekommt.
Noch ein paar Worte zum Booklett: In einem Grün-Grau-Schwarz gehalten, fliegen ein Haus und ein Mensch durch die Luft. Mit etwas Fantasie kann man auf die Idee kommen, dass beide durch den guten und harten Sound weggehauen werden. Ob beabsichtigt oder nicht, entsprechen die abgedruckten Songtexte nicht der Reihenfolge der Lieder. Auffällig ist aber, dass die Texte durchgängig geschrieben wurden und nicht in Versform, wie das häufig der Fall ist. Sehr schön mit leicht philosophischem Touch ist der in der Mitte abgedruckte Grabstein mit der Aufschrift „Buried in oblivion“. Zumindest das Projekt Burst My Marrow ist noch lange nicht in Vergessenheit begraben.

Anspieltipp: Days Of Grace

Hörprobe: Burst My Marrow – Light Up This Darkness


Burst My Marrow – Oblivion (2011)
01 – Aglossia
02 – Aeon
03 – Days Of Grace
04 – Light Up This Darkness
05 – Grey Sunday
06 – The Call
07 – For Those who…
08 – Support The Hopeless
09 – ESC Reality

Hier erhältlich.

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