CD-Review: Fortið – Pagan Prophecies

Stimmen aus der Vergangenheit

pagan_prophecies_cover_300dpiPagan Metal ist in den letzten Jahren immer mehr zum Synonym für Party Metal geworden, Bands wie Korpiklaani oder Turisas verbreiten gute Laune und laden zu Bier, Gesang und Tanz ein (was ja auf keinen Fall schlecht sein muss). Doch das wirklich Heidnische, das Naturverbundene und die Rückbesinnung auf alte Götter und Mythen – das sollte man woanders suchen. Fortið – auf Isländisch „Vergangenheit“ – gehören zu diesen tiefgründigeren Bands, denen neben mitreißender Musik auch die Gedankenwelt dahinter wichtig ist. 2002 wurde das Projekt in Kópavogur von Einar „Eldur“ Thorberg ins Leben gerufen. Nach der im europäischen Untergrund sehr erfolgreichen Völuspá-Trilogie – Thor’s Anger, The Arrival of Fenris, Fall of the Ages –, die Eldur im Alleingang eingespielt hatte, zog er 2008 von Ísland nach Norwegen und bildete eine komplette Band. Pagan Prophecies das Ergebnis dieser Kooperation. Der Titel bezieht sich – ähnlich wie die ersten drei Alben – auf die Prophezeihungen der Völva, der Seherin in der „Völuspá“, dem ersten der sechzehn Götterlieder der Edda.

Weniger rauh und ungeschliffen wirken Fortið als noch auf den früheren Alben, man merkt die bessere Produktion, und insgesamt klingen die Songs wärmer und in sich ruhender. Black Metal gibt es natürlich immer noch, doch epische Midtempo-Passagen und ein etwas weniger keifender, zurückgenommener Gesang bilden das Grundgerüst von Pagan Prophecies.
Sieben überlange Songs befinden sich auf dem Album, die grundsätzlich demselben Muster folgen (ohne langweilig zu werden!) – schnelle, knüppelnde Passagen wechseln sich mit langsameren, atmosphärischeren Parts ab, hymnische Hintergrundgesänge untermalen die Riffs, die ab und an von wütenden Ausbrüchen aufgepeitscht werden.
Das alles ist sehr schön anzuhören, aber grundsätzlich noch nicht Aufsehen erregend. Was diese Platte ausmacht, sind die überraschenden Details: eine spanische Gitarre in „Spirit of the North“ passt sich genauso ins Pagan-Gefüge ein wie die Klavierpassagen und fast schon progressiven Rhythmen in „Sun turns black“, die auch „An Handan“ das besondere Etwas verleihen.

Größter Diskussionspunkt der Platte wird sicherlich der Bonustrack sein, der knapp 19 Minuten Gewitterdonnern, Regenprasseln und Wasserrauschen beinhaltet. Etwas weniger hätte es hier vielleicht auch getan, aber andererseits: besser ein mit Geräuschen gefüllter Bonustrack als die früher so verbreitete Unsitte, zwanzig Minuten Leerlauf einzubauen, um dann noch zwei Minuten einen Mini-Bonustrack nachzuschieben. Und abschalten kann man den CD-Spieler oder die mp3-Datei ja schließlich auch nach Belieben. Der akustische Regenschauer wirkt jedenfalls sehr entspannend nach dem intensiven Zuhören bei den vorherigen Tracks.

Als Gesamtfazit lässt sich sagen, dass meines Erachtens ein Unterschied zu den vorherigen Alben hörbar ist. Mir ganz persönlich hat die rohe und Black-Metal-lastigere Produktion der ersten drei Alben besser gefallen, doch ganz objektiv hat das zur Band gewachsene Projekt einen Fortschritt gemacht. Bessere Produktion, noch ausgereiftere Songs, dichtere Atmosphäre, auch wenn dies etwas zu Lasten der Härte und Brutalität geht. Aber dafür kann man ja die ersten drei Alben hören.
Alles in allem nicht ganz die Klasse von zum Beispiel Moonsorrow, Summoning und Enslaved oder der Kultfaktor von Bathory, aber für jeden Fan von ernsthaftem Pagan-(Black)-Metal empfehlenswert. Düstere Welten werden heraufbeschworen, man kann sich in den überlangen Songs verlieren, bei jedem Hördurchgang neue Details entdecken. Eine Platte zum Haareschütteln, zum Träumen, zum Nachdenken.

Anspieltipp: Ad Handan

1. Pagan Prophecies
2. Spirit of the North
3. Electric Horizon
4. Lesser Sons of greater Fathers
5. Sun turns black
6. Ad Handan
7. Endalok
8. Bonustrack

VÖ-Datum: 24.08.2012
Plattenfirma: Schwarzdorn Production
Preis: € 16,99 (z.B. amazon)

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