CD-Review: Gothminister – Utopia (VÖ:17.05.2013)

Düstere Auferstehung

Mit Utopia präsentieren Gothminister ein außergewöhnliches Projekt. Zusätzlich zu der CD wird es einen 77-minütigen Film auf DVD geben, der die Welt zwischen Musik und Leinwand verbindet. Es ist das fünfte Album der norwegischen Goth-Metaler.


„Es wird eine Auferstehung der Toten, der Gerechten und der Bösen!“
Mit dem Titelsong „Utopia“ traten Gothminister beim norwegischen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest an, doch sie scheiterten und mussten Margaret Berger das Feld überlassen. Vielleicht war ihr düstere Show zu gruselig für die Anwesenden.

Das Cover deutet die Geschichte des Albums bereits an. Zu sehen ist Björn, mit blutverschmierten Mund, spitz zugefeilte Zähne reißen zusammen mit scharfen Fingernägeln ein Loch in die ursprüngliche, natürliche Hülle des Musikers. Die Auferstehung des Bösen! Schaurig schön, wie gewohnt!
Ruhige Töne untermalt mit einem Herzschlag leiten das Intro ein, es folgen Schritte, irgendwo weint ein Baby. Man wartet auf einen Schlag, einen Schrei, doch es kommen leichte Gitarrenriffs und die Streichinstrumente setzen ein. Mein Puls erhöht sich und die Gänsehaut auf meinem Rücken kann ich nicht mehr ignorieren. Diese bleibt, als die Stimme von Björn im zweiten Titel endlich ihren Einsatz hat. Tiefe Crowls dringen an mein Gehör, die immer wieder durch melodische Passagen besänftigt werden. Ein gelungener Wechsel zwischen aggressiven und sanften Tönen. Ein Kampf zwischen Gut und Böse? Die unheimliche Stimmung aus dem Intro bleibt, nur setzen jetzt die Gitarren alles auf schnelle Taktfolgen, unterstützt von den Drums, denen man fast nicht mehr folgen kann.
Wenn man „Utopia“ gehört hat und mit den restlichen Liedern des Albums vergleicht, weiß man genau, warum dieser Song für den Vorentscheid ausgewählt wurde. Einfach gestaltet, wenig Abwechslung, ein Refrain, der schnell zum Ohrwurm wird und eine weibliche Stimme, die im Hintergrund mitsäuselt. Keine sonderliche Überraschung.
„March“ fordert wieder die Fantasie des Hörers. Ich habe festgestellt, dass die rein instrumentalen Stücke über Kopfhörer eine noch viel intensivere Wirkung erreichen. Ich schloss die Augen, konnte die schreienden Menschen und die brechenden Knochen deutlich vor mir sehen. Die klassischen Instrumente steigern die Spannung und man bekommt Lust auf mehr Musik. Eine neue Facette liefert die „Horrorshow“, elektronische Beats, gefolgt von schnellen Drums ziehen das Tempo des Titels ab der Mitte deutlich an. Die Auferstehung beginnt.
„Helldemon“, „Eternal“ sowie die restlichen Stücken haben kaum Gemeinsamkeiten, immer wieder wird mit verschieden Elementen und Instrumenten gespielt. Orgelklänge und Violinen geben dem Werk und der Dramatik der Geschichte eine besondere Note, die vom Hörer sehr intensiv aufgenommen wird. Gerade „Eternal“ ist ein Stück, das zum Ende hin alle Elemente vereint und den Finalschlag einläutet.

Utopia ist ein gelungenes, starkes, abwechslungsreiches, faszinierendes Album. Ein Hörer, der genug Fantasie mitbringt, kann sich genau vorstellen, wie der Film zum Album wohl aussehen mag. Düster, unheimlich mit viel Wut, Gewalt und schaurigen Szenen. Die Arbeiten der Band in den letzten Jahren haben sich durchaus gelohnt.

moschmoschmoschmoschmosch

Anspieltipp: Someone is after me, Utopia

Audio CD (17. Mai 2013)
Anzahl Disks/Tonträger: 2
Label: Afm Records (Soulfood)
16,99 €

Tracklist:

CD-Tracklist:
1. The New Beginning
2. Someone Is After Me
3. Utopia
4. March
5. Horrorshow
6. Nightmare
7. Afterlife
8. Helldemon
9. All Alone
10. Purgatory
11. Eternal
12. Raise The Dead
13. Boogeyman

DVD-Tracklist:
14. Rapture
15. Purgatory
16. Eternal
17. Someone Is After Me
18. Stonehenge
19. Dusk Till Dawn
20. Beauty After Midnight
21. The Possession
22. Devil
23. Afterlife
24. Helldemon
25. Liar
26. Monsters
27. Darkside
28. March
29. Horrorshow
30. Happiness In Darkness
31. Utopia
32. The Resurrection

Bonus:
33. NRK Lydverket 31.10.2012 – Halloween Special
34. Behind The Scenes

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