Electro-böse

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Die tschechische Metal-Szene ist nicht gerade die bekannteste, aber sie bringt doch ganz hörbare Formationen hervor. So auch Liveevil, die bereits durch ihren Namen zeigen, was Sache ist. Das Anagramm ist recht gut durchdacht und deutet auf ein härteres Metal-Genre hin. Wenn man sich da mal nicht täuscht.

Das Album 3 Altering beginnt mit schönen Riffs, die vielversprechend auf guten, alten, gitarrenlastigen Metal hindeuten und Hoffnungen wecken, denen Liveevil schließlich doch nicht ganz standhalten können. Aber der Reihe nach. Nach dem Gitarrenintro grölt Petr Staneks Stimme los. Schön tief und rau, er weiß definitiv, was er tut und kann genauso wie Bandkollege Zbynek Rypar die tiefen Töne lange halten, um dem Text auch eine entsprechend düstere Note zu verleihen. Man merkt zwar feine Unterschiede zwischen beiden Sängern, gerade bei den ersten beiden Songs kann man dies feststellen, aber die Stimmen passen zusammen. Der Vergleich mit den Deathstars liegt wahrlich nicht fern. Dafür sorgen auch die Electroklänge, die ab und an die Melodie bestimmen. Es ist fast schade, dass dieser Mix aus klassischem Metal und modernem Electro entstanden ist, denn eine dieser Richtungen würde vollkommen ausreichen – in meinen Augen eher die Metalschiene, denn diese haben Liveevil wirklich gut drauf, zum Beispiel gepflegte Riffs, die mitreißen und einem schnell ins Ohr gehen. Zwischendurch lassen die beiden Sänger gute Growls von sich hören, und man könnte richtig gut zu den Songs abgehen.
Der Anfang von „Blackout“ klingt ein bisschen nach Mono Inc., könnte aber auch von Unzucht stammen, was man Liveevil gar nicht zutraut. Wenn man beide Bands besser kennt, verwirren diese Parallelen, ansonsten sind diese eher ein Stilelement, das nicht so recht auf das Album passen möchte, aber nun mal da ist und auf seine Weise okay ist. Immerhin schnell und ein gefundenes Fressen für die Electrotänzer. „Deep Cut“ schlägt in die gleiche Kerbe und bietet kaum Abwechslung, was das Album aber dennoch nicht langweilig werden lässt. Der balladeske Anfang von „Platonic Blue“ gibt dem etwas ruhigeren Song einen guten Einstieg. Doch auch hier bleibt nicht alles ruhig, es wird electronisch mit einem leichten Metal-Touch im Gesang. Es wäre hier interessant, hätte man eine komplette Metalnummer mit Drums, Bass und Gitarre draus gemacht. Auf jeden Fall lässt der Song die Option auf ein entsprechendes Cover offen.
Aber im Grunde ist es genau das: Nach den guten Riffs zu Beginn des Albums treten diese so stark in den Hintergrund, dass man eine Genrekorrektur vornehmen muss und hier eigentlich keine Metalband am Werk ist. Die überwiegenden Keyboardelemente lassen alles andere in den Hintergrund treten. Dennoch ist es ein gelungenes Album, das Fans von Deathstars oder Pain sehr gut gefallen dürfte, auch Blutengel-Hörer sollten sich die Scheibe reinziehen.

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch2:


Liveevil – 3 Altering
Metalgate Records, 2013
21,99 €
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Tracklist:
01. Cause Of Man Who Killed All The Idols
02. Blackout
03. Deep Cut
04. Platonic Blue
05. Remind Me!
06. About Them
07. Spirit And Water
08. Hope Of Broken Soul
09. Saddest Romancy

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