CD-Review: Sebastian Bach – ABachalypse Now (live)

Youth Gone Wild

sebastian-bach-abach-coverZu dem Kanadier Sebastian Bach (bürgerlich: Sebastian Bierk, Jahrgang 1968) muss man nicht mehr viel sagen, zu lange bewegt er sich schon äußerst erfolgreich in der (Melodic)-Metal/Glam-Rock-Szene. Von 1987 bis 1996 war er Frontmann von Skid Row, nach der Trennung von der Band startete er eine Karriere am Broadway und in Musicals wie Jesus Christ Superstar, nahm an verschiedenen TV-Formaten teil, versuchte sich als Schauspieler (Nebenrolle in der beliebten Serie Gilmore Girls), ging Kooperationen mit vielen Musikern ein und baute nicht zuletzt eine erfolgreiche Solokarriere auf. Aus dieser gingen bereits fünf Soloalben hervor. Mit ABachalypse Now legt Bach nun seine erste Live-CD vor, und das ist auch gleich ein richtiges Luxuspaket: Doppel-Live-CD mit zwei vollständigen Auftritten (Hellfest, Frankreich, 2012; Club Nokia, Los Angeles, 2012), Live-DVD mit drei vollständigen Auftritten (Hellfest, Frankreich, 2012; Club Nokia, Los Angeles, 2012; Graspop, Belgien, 2012) und drei Bonus-Videos. 

Grundlage dieser Rezension sind allerdings nur die CDs, was das Bewerten ein wenig erschwert hat. Eine Live-CD zu rezensieren ist nie leicht, denn normalerweise enthält sie kein neues Material des Künstlers, folgt auch nicht immer einem inneren Aufbau, wie ihn eine reguläre Veröffentlichung oft hat; je nach Anlass (Festival oder Headlinertour) ähnelt die Zusammenstellung einer Best-of-CD, die es vielleicht auch schon vom betreffenden Künstler gibt. Wie nötig ist also eine Live-CD? Der Sound ist oft schlechter als auf den Studioalben, manche Lieder werden vielleicht auch so verändert, dass sie dem Hörer gar nicht mehr gefallen, ohne Bild fällt es dem Hörer schwerer, in die Atmosphäre einzutauchen. Letztere Frage spielt beim Kauf dieses Paketes für den geneigten Fan eine weniger große Rolle, da ja Filmaufnahmen auf der DVD vorhanden sind. Dennoch müssen die CDs auch für sich bestehen können.

CD 1 beinhaltet den vollständigen Auftritt Bachs auf dem französischen Hellfest in Clisson im Jahr 2012. Bach beweist exzellente Entertainerqualitäten, geht mit vielen französischen Ansagen und Kommentaren aufs Publikum ein – das es ihm mit frenetischem Beifall dankt – und präsentiert sich insgesamt als begnadete Rampensau.
Die Setlist setzt sich zu großen Teilen aus Liedern von den erfolgreichen ersten zwei SkidRow-Alben Skid Row und Slave To The Grind zusammen. Sie werden sehr rau und rockig vorgetragen, besonders stechen die sehr mitreißende Version von „18 & Live“ sowie die vor allem im Mittelteil überraschend experimentelle Version von „Monkey Business“ heraus, bei der Sebastian Bach zeigt, was wirklich alles in seiner Stimme steckt. Der Mann sollte definitiv öfter tief singen und weniger schreien (was er auch gut kann, aber harmonischer klingen die tieferen Tonlagen). „Youth Gone Wild“ bildet dann den Abschluss dieses umjubelten Auftritts, und auch nach zahlreichem Hören über die Jahre hinweg hat dieser Song nichts von seiner Kraft verloren.
Von seinen Solo-Sachen haben es leider nur zwei Lieder in die Setlist geschafft, „Kicking & Screaming“ sowie „American Metalhead“. Der Sound geht für ein Live-Album in Ordnung, auch wenn mir persönlich das Publikum oft etwas zu präsent ist, Bachs Stimme etwas zu sehr im Hintergrund verschwindet und die Backing Vocals doch recht schief sitzen.

Setlist CD 1:
1. Slave To The Grind (Slave To The Grind)
2. Kicking & Screaming (Kicking & Screaming)
3. Here I Am: (Skid Row)
4. Big Guns: (Skid Row)
5. Piece Of Me (Skid Row)
6. 18 & Live (Skid Row)
7. American Metalhead (Angel Down)
8. Monkey Business (Slave To The Grind)
9. I Remember You (Skid Row)
10. Youth Gone Wild (Skid Row)

CD 2 wurde im Club Nokia in Los Angeles mitgeschnitten und bietet leider eine fast identische Setlist zur ersten CD, allerdings mit etwas geänderter Reihenfolge und insgesamt drei Songs aus der Solokarriere Bachs.
Dennoch sticht auch hier die Version von „18 & Live“ hervor, hier macht sich das nachträgliche Mastering sehr positiv bemerkbar, ebenso wie auch bei anderen Titeln. „American Metalhead“ wirkt um einiges mächtiger als auf der ersten CD, und insgesamt ist die Balance aus Publikum, Live-Atmosphäre und Sound besser. Das kann natürlich auch daran liegen, dass hier ein Clubkonzert mitgeschnitten wurde, im Gegensatz zu dem Freilichtauftritt in Frankreich.
Auch hier fallen mir neben den SkidRow-Klassikern durchaus positiv seine Solo-Sachen auf, wie etwa „Tunnelvision“, und es ist schade, dass er da nicht mehr davon ausgewählt hat, gerade bei einem Clubgig vor Heimatpublikum (bei dem auch diverse Gäste aus der amerikanischen Hardrock-/Metal-Szene mit auf der Bühne waren).

Setlist CD 2:
1. Big Guns (Skid Row)
2. (Love Is A) Bitch Slap (Angel Down)
3. Piece of me (Skid Row)
4. 18 & Live (Skid Row)
5. American Metalhead (Angel Down)
6. Monkey Business (Slave To The Grind)
7. I Remember You (Skid Row)
8. Tunnelvision (Kicking & Screaming)
9. Youth Gone Wild (Skid Row)

Fazit: In meinen Augen eine gerechtfertigte Live-Veröffentlichung, die Live-Versionen sind doch um einiges rockiger und rotziger als auf CD. Der Sound geht in Ordnung (auf CD 2 noch etwas mehr als auf CD 1), Bach ist gut bei Stimme, und seine Band spielt solide. Die Setlists sind natürlich für einen alten SkidRow-Fan wie mich wunderbar, doch finde ich es insgesamt trotzdem schade, dass er sich so sehr auf das Material seiner alten Band konzentriert. Sicher, das Publikum will höchstwahrscheinlich genau das hören, aber seine Solo-Sachen können da absolut mithalten.

Da es meines Wissens nach auch keine Live-Veröffentlichung von Skid Row gibt, können hier alte SkidRow-Fans und jüngere SebastianBach-Anhänger bedenkenlos zuschlagen, und wenn die DVD dieselbe Qualität hat, dann dürfte das ein sehr wertiges Paket darstellen.

Plattenfirma: Frontiers Records
VÖ-Datum: 22. März 2013
Erhältlich z.B. bei: amazon zum Preis von € 19,99

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