CD-Review: Totengeflüster: Vom Seelensterben (VÖ: 01.02.2013)

Wenn Seelen in der Kälte verenden

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Vom Seelensterben ist eigentlich keine CD. Es ist eher ein Gedichtzyklus, den jemand mit symphonischem Black Metal unterlegt und mit einem grandiosen Artwork bebildert hat.
Aber der Reihe nach: Totengeflüster sind eine noch relativ junge Band, 2007 von Totleben gegründet, die jetzt ihren Erstling komplett in Eigenregie auf den Markt geworfen haben. Musik, Lyrics, Artwork – alles handgemacht, und man merkt schnell, dass hier absolute Profis am Werk sind (insbesondere, was das beeindruckende Artwork betrifft).

Den Hörer erwartet eine Dreiviertelstunde lang kalter, sehr melodischer Black Metal. Und wenn ich eingangs „symphonisch“ sagte, dann meinte ich das auch so: Die Instrumentation kann sich hören lassen, Dimmu Borgir, Cradle of Filth, Agathodaimon oder auch Imperium Dekadenz hätten es nicht besser machen können.


Die symphonischen Elemente verbinden sich mit druckvollem, abartig schnellem Black Metal zu einem harmonischen Ganzen, das mich an Dornenreich – vor allem diese geflüsterten Passagen, die mir Schauer über den Rücken jagen und Wahnsinn evozieren – und die von mir über alles geliebte Taverne von Nocte Obducta denken lässt. Auf jeden Fall sind Komposition und Produktion ein fetter Pluspunkt für Totengeflüster!

„Die Prophezeiung“ heißt das rein instrumentale Intro, in das ich mich sofort verliebt habe, und das dann nahtlos übergeht in „Ein Traumgespinst“ – Einsatz Drums, kehliges Kreischen, los geht’s! Jetzt begibt sich die Seele auf Reisen, durchbricht das starre Korsett der Wirklichkeit, hält einen „Monolog im Mondschein“, um dann „gefrorne Tränen“ zu weinen, bis sie irgendwann, gefühlte Äonen später, „Im Tau der toten Morgensonne“ ihr Leben aushaucht. Hier gilt: Zurücklehnen und sich einfach von der Musik mitnehmen lassen, die immer wieder in seelische Abgründe, zu ungeahnten Höhen, in absolute Einsamkeit führt.
Unterstrichen wird dieser Eindruck rein optisch durch das geniale Artwork, für das sich, wie bereits erwähnt, ebenfalls Totleben verantwortlich zeichnet: Als Grafiker kann er unter anderem Imperium Dekadenz, Necronomicon und Lyfthrasyr zu seinen Kunden zählen.

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Bei „Der Pakt“ hat man kurzzeitig das Gefühl, gerade aus Versehen die Platte gewechselt zu haben: Keine Geigen mehr, brutaler, beinahe roher Sound läutet den Track ein, der in meiner Interpretation einen Höhepunkt, eine Wende in der Geschichte herbeiführt. Es geht dann schon wieder symphonisch weiter, keine Sorge – dieser „Break“, wenn man ihn denn so nennen möchte, bricht die bisherigen Strukturen noch einmal auf, rundet das Gesamtpaket ab. Auch „Blutsegen“ verfolgt eine etwas härtere Gangart, bevor dann mit „Ein neuer Pfad“ wieder in gewohnte melodischere Bahnen gelenkt wird. Und gibt es einen besseren Titel als „Im Tau der toten Morgensonne“ für einen finalen Track eines Albums? Ich lasse diese rhetorische Frage einfach so im Raum stehen, das möchte jeder selbst für sich beantworten.

Als Zuckerl gibt’s einen instrumentalen Bonustrack dazu, zu dem mir, ehrlich gesagt, kein Superlativ mehr einfällt, den ich oben nicht schon einmal bemüht habe.

Insgesamt lässt sich festhalten: Kaufen, und zwar sofort! Die Schwarzmetaller von Totengeflüster haben definitiv Aufmerksamkeit verdient nach diesem hervorragenden Silberling, den sie abgeliefert haben! Aber seid gewarnt: Man braucht Zeit für dieses Album, das ist nichts, was nebenher laufen kann, sondern komplexe Musik, die vollste Konzentration erfordert. Wenn ihr leichte, eingängige Songs wollt, seid ihr hier an der falschen Adresse!

Anspieltipp: CD rein, „Play drücken“, einmal durchhören!

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch:

Totengeflüster: Vom Seelensterben
VÖ: 01.02.2013
Kaufen!
Totengeflüster.de

Tracklist
01. Die Prophezeihung
02. Ein Traumgespinst
03. Ein Monolog im Mondschein
04. gefrorne Tränen
05. Vom Seelensterben
06. Der Pakt
07. Blutsegen – Die strömende Erkenntnis
08. Ein neuer Pfad
09. Im Tau der toten Morgensonne
Bonustrack:
10. Ein Monolog im Mondschein (Orchestral Version)

(Laufzeit: 46 Minuten)

Line-up:
Totleben: Composition, Guitars, Bass, Orchestration & Artwork
Narbengrund: Lyrics, Vocals, Concept
Schattendorn: Live Drum

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1 Antwort
  1. supermetal666
    supermetal666 says:

    Servus, ja wirklich geiles album. eine frage: wie funktioniert oder wo bekomme ich diesen geilen moshing smilie ;)

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