CD: Schwarzschild – Radius

Elektronische Beats und dunkle Geschichten

radius_SchwarzschildIm Mai habe ich euch die Synth-Pop-Debütanten SCHWARZSCHILD vorgestellt, endlich bin ich dazu gekommen, mir ihre erste Veröffentlichung anzuhören. Radius hat sich mit seinen schwermütigen, deutschen Texten und den dennoch tanzbaren elektronischen Beats in meine Favoriten-Liste verankert. Ich kann euch sagen warum:

Die „Gravitationswelle“ kommt aus dem tiefen weiten Raum, genauso wie diese metallische Stimme und dieser Weltall-Sound, das fängt gleich sehr gut an! Die Musik gleitet zu „Auferstehen“ ruhig weiter, bis die elektronischen Töne einsetzen und diese raue Stimme uns von den psychischen und physischen Verletzungen erzählt, im Chorus klingt der Gesang heller, ein gelungener Gegensatz. Mein erster Favorit folgt mit „Bis zum Ende der Zeit“, perfekter kann man die Trauer um eine geliebte Person nicht ausdrücken (allein diese Textstelle „wenn Momente zu Eis gefrieren“). Die elektronischen Beats lassen es aber auch zu, bei diesem düsterem Gefühlscocktail mitzusingen und -wippen. Zu dem Track gibt es auf dem Album eine zweite Version von Reaktor, hier klingt der Song sphärischer und entrückter. Schon beim ersten Anhören folge ich tanzend dem „Ruf der Nacht“ (mit einem wirkungsvollen weiblichen Sopran im Hintergrund), genauso geht es mir bei „In meinem Blut“. Ein weiteres persönliches Highlight ist „Der letzte Weg“, hier kommen musiktechnisch Erinnerungen an Seabound bei mir auf. Ein langsamer Song, der die Sterbehilfe zum Thema hat. Dagegen befinden wir uns mit „Das Erwachen (Ruf der Nacht Part 2)“ eher im Reich der Vampire. Dumpfe Beats, nachhallende Synthesizer: „Mein Feind“, eine persönliche Hinterfragung und der Umgang mit den inneren Kämpfen. Viele traurige Fragen wirft „Heute“ auf, es geht um das Alleinsein und die Hoffnung darauf, doch noch jemand zu finden, der das Leben mit einem teilt. So einige Bands haben in der letzten Zeit von sich behauptet, eine Hymne für die Schwarze Szene geschrieben zu haben (ich war da nicht so überzeugt), aber „Wir sind nicht allein“ hat diesen Titel verdient. Der Tanzsound und dieses innere Schwarz drücken genau das aus, was ich von einer solchen Szenen-Hymne erwarte. Ein aufziehendes Synthesizer-Gewitter bei „Zuviel Leben“ ist gelungen komponiert. Wir zeigen wohl alle oftmals eine Maske, um unsere wahren Gefühle bzw. inneren Kämpfe vor der Außenwelt versteckt zu halten.

Peter Daams hat durch sein Programming und das Mixen des Albums großartige Arbeit geleistet, er lässt die Zuhörer tanzen und reißt sie mit. Dino Serci erzählt uns mit seiner wandelbaren Stimmfarbe emotionale Geschichten, die auch zum Nachdenken anregen. Im Gegensatz zu einer erst kürzlich besprochenen Synth-Pop-CD hören wir hier unterschiedliche Melodien, die innovativ und perfekt arrangiert sind. Ich kann allen Synth-Pop- und Gothic-Fans nur eine absolute Kaufempfehlung für Radius mit auf den Weg geben!

Anspieltipp: Bis zum Ende der Zeit, Der letzte Weg, Heute

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Schwarzschild: Radius
Echozone, 26.05.2017
14,95 €
POPoNAUT

Tracklist:
1 Gravitationswelle (Intro) 02:37
2 Auferstehen (Album Edit) 05:38
3 Bis zum Ende der Zeit 04:47
4 Ruf der Nacht (Album Edit) 04:58
5 In meinem Blut (Album Edit) 04:31
6 Der letzte Weg 05:54
7 Das Erwachen (Ruf der Nacht Part 2) 05:22
8 Mein Feind 05:34
9 Heute 06:20
10 Wir sind nicht allein 05:03
11 Zuviel Leben 05:05
12 Bis zum Ende der Zeit (Ray of Hope edit by Reaktor) 05:00

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