Metal up your Glam!

Sister-SUFM-CV-3k[1]Als Vorband von Wednesday 13 haben Sister aus Stockholm, Schweden, vor drei Jahren mit ihrer Mischung aus Glam, Punk und Metal den Hauptact locker an die Wand gespielt. Nun präsentieren sie ihr drittes Album Stand up, Forward, March!, das statt von Martin Sweet von Crashdiet von Jona Tee von der Band H.e.a.t. produziert wurde, da Martin den ausgeschiedenen Bassisten Rikki Riot ersetzt. Man darf also gespannt sein, ob und wie sich der Besetzungswechsel musikalisch ausgewirkt hat. Tim Tweak an der Gitarre, Cari Crow am Schlagzeug und nicht zuletzt Sänger Jamie Anderson vervollständigen das Lineup.

Die Gitarrenklänge, mit denen der Opener „Destination Dust“ beginnt, erinnern mich latent an Metallicas „One“ und könnten eine kleine entlehnte Variation des langen Intros sein. Zusammen mit dem einsetzenden Schlagzeug baut sich langsam eine Spannung auf, die sich in einem langgezogenen Schrei entlädt. Cool gemacht. Rauer Gesang, eine eingängige Melodie und nach 80er Jahre klingende aufjaulende Gitarren runden den Song ab. Asche zu Asche, Endstation Staub – da geht die Reise für uns alle hin. Der Background Chor in „Carved in Stone“, der ersten ausgekoppelten Single von Stand up, Forward, March!, bereitet ein für mich überraschendes 70er Jahre Flair, trotzdem vergessen Sister natürlich das Rocken nicht. Mit einem wuchtigen Riff wartet „Lost In Line“ auf, dazu gibt es einen Background Chor, der mit seinem „ohoho“ ein wenig an Misfits erinnert. „Trail of Destruction“ frisst sich trotz des sehr rauen Gesangs mit einem eingängigen Refrain in die Gehörgänge, abgerundet durch klassische 80er Jahre Gitarrenparts. Bei „Carry On“ wird zunächst einmal das Tempo rausgenommen, was an dieser Stelle eine willkommene Atempause darstellt. Der Gesang ist hier am klarsten auf dem Album, dennoch entwickelt sich der Song zu einer Art Powerballade und zeigt eine andere Facette von Sister.
Mit „Unbeliever“, der zweiten Single, gibt es aber wieder fette Riffs, die die Nackenmuskeln strapazieren, dazu eine tolle Melodieführung und einen Refrain, den man einfach mitsingen muss. „Let it bleed“ ist ein ruhiger und atmosphärischer Song, der eine sehr getragene Stimmung verbreitet und mich in eine eiskalte Winterlandschaft versetzt. Der Gesang beinhaltet einige lang nachhallende Schreie, die man so auch im Black Metal vorfinden könnte. Ein geflüstertes Intro ist die Überraschung von „Liberation Song“, der dann aber vor allem mit dem Refrain einen Ohrwurmcharakter bekommt. „Dead Man’s Dirt“ beginnt mit einer düsteren Bassmelodie, die den Song prägt. Im Chorus rockt dann alles zusammen und lädt zum Mitsingen ein. Die Instrumentalpassage und das Sample im zweiten Teil erinnnern an Guns ’n‘ Roses.
„Endangered Species“ ist trotz eines gleichnamigen Titels leider kein Antiworld-Cover, wie ich erst gehofft hatte. Trotzdem bringt das fette Riff einen direkt in den Mitwippmodus. Der Gesang wird hier weniger hart vorgetragen, was für Abwechslung sorgt. Dafür springt einem „Piece of Shame“ direkt ins Gesicht und vereint noch einmal alles, was Sister ausmacht. Die Textzeile „I’m too perfect to die“ aus dem Refrain ist der Wegweiser in die Zukunft, denn hier ist mit Sister noch lange nicht Schluss. Das hat nicht zuletzt auch das Konzert vom 01.12.2016 (Link zur Review) im Backstage bewiesen.

Fazit: Sister führen mit ihrem dritten Album ihre musikalische Entwicklung konsequent fort. War das Debüt Hated noch deutlich Sleaze-orientierter, nimmt beim zweiten Album Disguised Vultures der Glamfaktor schon ab, und der Gesang wird rauer. Stand up, Forward, March! ist auf diesem Weg die logische Konsequenz. Weniger Glam, mehr Metal und eine noch rauere Stimme, die zumindest zum Teil durch Distortion verzerrt zu sein scheint. Die 80er sind weniger präsent, dafür klingen Sister aktueller, sie sind in der Neuzeit angekommen. Wer sie noch nicht kennt, sollte auf jeden Fall mal reinhören, egal wo die Präferenzen liegen, denn mit ihrer Metal-Punk-Glam-Mischung sind Sister ziemlich einzigartig.
Mit der Stimme habe ich persönlich zugegebenermaßen meine Probleme, da ich kein Fan dieser Gesangsart bin. Doch ich gewöhne mich daran, je öfter ich die Scheibe höre, und desto mehr geht sie mir ins Ohr. Rockt!

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Sister: Stand up, Forward, March!
Metal Blade Records, VÖ: 25.11.2016
MP3 Download 8,99 € (Amazon), CD 12,99 €, LP 15,99 €, LP farbig 17,99 € erhältlich über emp.de

Homepage: sisterofficial.com
facebook.com/sisterband

Tracklist:
01 Destination Dust
02 Carved in Stone
03 Lost in Line
04 Trail of Destruction
05 Carry on
06 Unbeliever
07 Let it bleed
08 Liberation Song
09 Dead Man’s Dirt
10 Endangered Species
11 Piece of Shame

(1896)