CD: Starset – Vessels

Epische Hymnen

starsetStarset aus Columbus (USA) sind als Band neu für mich, daher habe ich mich zunächst einmal näher über die Band informiert. Sie besteht seit 2013 und wurde von Dustin Bates, dem früheren Frontmann der Band Downplay, mit dem Zweck gegründet, die Starset Society einem größeren Publikum nänerzubringen. Die weiteren Bandmitglieder sind Ron DeChant, Brock Richards und Adam Gilbert.
Die Starset Society ist eine Gruppe von Wissenschaftlern, die sich mit quasi apokalyptischen Zukunftsthemen beschäftigen und vor ihnen warnen wollen.
Nach Transmission von 2014 ist nun mit Vessels das zweite Album von Starset erschienen. Die CD kommt im edlen Digipack daher und beinhaltet ein wirklich schönes Artwork. Im Beiblatt wird einem der Begriff „Vessels“ näher erläutert. Dazu gibt es fünf verschiedene Deutungsmöglichkeiten, die jeweils mit einem dazu passenden Gemälde unterstrichen werden. Wohl dem also, der eine LP in den Händen hält. Schade ist nur, dass die Lyrics nicht mitabgedruckt wurden und die Bedeutung der Songs nicht näher erläutert werden. Dabei wäre das im Rahmen des wissenschaftlichen Ansatzes nur konsequent gewesen, wenn es darum geht, sein Wissen unters Volk zu bringen. Themen wie Genmanipulation, künstliche Intelligenz und Exoplaneten sind es durchaus wert sich damit zu beschäftigen. Insofern sei an dieser Stelle auf die Internet-Links am Ende verwiesen.

Aber nun zur eigentlichen Musik. Das kurze „The Order“ mit seinen unheilschwangeren Synthesizersounds hat die Funktion eines Intros, bevor mit „Satellite“ das eigentliche Album beginnt. Hier wird im Prinzip schon alles präsentiert, was Vessel[i]s[/i] ausmachen wird. Progressiver Alternative-Rock mischt sich mit Synthesizerprogramming und wird mit hymnenhaften Refrains abgerundet. Es werden Erinnerungen an Breaking Benjamin und Linkin Park ohne deren Rap-Anteile wach. „Frequency“ überrascht aber zusätzlich mit gegrunzten Metal-Vocals. Im Gegensatz dazu steht der epische Refrain vom folgenden „Die for you“. Die dritte Single „Ricochet“ ist trotz mehrerer Breaks sehr eingängig, ebenso wie „Starlight“, das sehr ruhige und atmosphärische Zwischenparts beinhaltet. „Into the unknown“ ist wohl der härteste Song des Albums und startet direkt mit einem Metal-Riff. Darüberhinaus sind auch einige Growls zu hören, der Refrain entwickelt sich aber wie gewohnt zu einer Hymne. „Gravity of you“ schließt quasi nahtlos an, da der Refrain hier zum Teil Hardcore-ähnlichen Brüllgesang bietet.

Die zweite Single „Back to the earth“ startet mit einem epischen Gesang, der ein wenig an Ghost erinnert, dazu gibt es Marschmusik-ähnliches Schlagzeugspiel. Der Refrain wird von weiblichem Backgroundgesang unterstützt. Der orchestrale Höhepunkt des Songs erinnert ebenfalls wieder an Ghost. „Last to fall“ beginnt mit ruhigem Gesang und leisen elektronischen Klängen, bevor dann beim Refrain mit Wucht eine Gitarrenwand samt Schlagzeug über dem Hörer hereinbricht. Durch dieses Wechselspiel sticht der Song ebenso heraus wie durch die Schlusspassage, die mich stark an orchestrale Filmmusik erinnert. Hier passt die selbst gewählte Schublade Cinematic Rock bestens. Bei „Bringing it down“ beginnt das Intro zunächst mit einem zarten Glockenspiel, dem dann allerdings fette Gitarrenriffs entgegengestellt werden. Diese Kombination dominiert den Song bis auf den Refrain, zu dem ordentlich gerockt wird, sogar einige Growls sind zu hören. „Unbecoming“ ist ein Rocksong, der für mich insgesamt auf diesem Album am meisten untergeht. Der folgende Track wirkt dagegen besser, denn kombiniert man eine an A-ha erinnernde Gesangsmelodie mit Depeche Mode-typischen Synthiesounds und einer Prise Alternativ Rock, dann erhält man ungefähr den Song „Monster“, der auch gleich als erste Single veröffentlicht wurde. In „Telepathic“ steht der Gesang weniger im Vordergrund, dafür sind die programmierten Klänge und Geräuschsamples interessant, die von Trent Reznor stammen könnten. „Everglow“ ist zumindest in der ersten Häfte trotz der enthaltenen Geräuschelemente der ruhigste und zum anderen auch der längste Song von Vessels und führt das Album so zu einem Abschluss, zu dem das Orchester noch einmal aufspielt.

Fazit: Progressiver Alternative-Rock trifft auf Synthesizerklänge. Fans von Breaking Benjamin, Linkin Park und epischer Rockmusik generell sollten unbedingt einmal reinhören. Auch Einflüsse von Nine Inch Nails lassen sich immer wieder heraushören. Was mir sehr positiv auffällt, ist die Dynamik in der Produktion von Rob Graves, die von sehr leisen bis zu richtig lauten Passagen bei den hymnenhaften Refrains die komplette Bandbreite abdeckt und somit die einzelnen Songs optimal unterstützt. So paradox das jetzt klingt, mit dem so erzeugten durchgehend hohen musikalischen Niveau habe ich aber gleichzeitig auch ein Problem: Trotz der durchaus vorhandenen Unterschiede in den Songs wird dadurch eine gewisse Gleichförmigkeit erzeugt, und das Album neigt dazu mit zunehmender Länge durchzuplätschern. Manchmal ist weniger mehr, und so hätte ich Vessels wohl eher auf zehn Songs begrenzt und vielleicht eine Bonus-EP angehängt. Trotzdem ist es ein starkes Album, aus den genannten Kritikgründen und den fehlenden Texten ziehe ich einen Punkt ab.

Anspieltips zusätzlich zu den drei Singles: Into the unknown, Last to fall

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch2:

Starset: Vessels
Razor & Tie, VÖ: 20.01.2017
MP3 Download 9,29 €, CD 13,99 €, LP 30,83 €, erhältlich über amazon.de

Homepage:
starsetonline.com
facebook.com/starsetonline/
thestarsetsociety.org

Tracklist:
01 The Order
02 Satellite
03 Frequency
04 Die for you
05 Ricochet
06 Starlight
07 Into the unknown
08 Gravity of you
09 Back to the earth
10 Last to fall
11 Bringing it down
12 Unbecoming
13 Monster
14 Telepathic
15 Everglow

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  1. […] den letzten zwei Wochen haben wir euch unter anderem Vessels und Schattensaiten vorgestellt. In dieser Woche habt ihr die Gelegenheit, jeweils einen dieser […]

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