CD: Summoning – With Doom we come

Mittelerde im heimischen Wohnzimmer

summoning- with doom we come- cover2017 war von den Veröffentlichungen her ein solides Jahr. Manch eine Band, von der sicherlich nicht nur ich dachte, sie hätte sich aufgelöst, veröffentlichte auf einmal neues Material. Nicht immer war das von Erfolg gekrönt, und so manch eine Band ist heimlich, still und leise wieder in der Versenkung verschwunden. Meine Heroen der 90s, Summoning aus Österreich, die 1993 ihr erstes Demotape namens Upon the Viking Stallion veröffentlichten (das Tape war auf nur 50 Exemplare limitiert), waren zu jener Zeit musikalisch anders als der damalige Black Metal. Minas Morgul aus dem Jahr 1995 ist bis heute eines der besten jemals eingespielten Alben für mich. Bestehend aus Protector (Vocals, Guitars, Keyboard, Drum Programming) und Silenius (Vocals, Keyboards, Bass), erscheint am 05.01.2018 ihr nunmehr achtes reguläres Album With Doom we come über Napalm Records. Ich fühlte mich verpflichtet, für euch reinzuhören.

Wer Summoning kennt, wird wissen, dass sich alles um das Thema Mittelerde dreht. Der Rundling ist bombastisch wie eh und je. „Tor-Calion“ beginnt episch, fast wie ein Dark-Medieval-Song von Arcana. Fanfarenartige Bläser (erzeugt durch das Keyboard) begleiten einen majestätischen Rhythmus der programmierten Drums. Die gelegentlich eingestreuten Sprachsamples klingen nicht wirklich nach Friede, Freude und Eierkuchen. In „Silvertine“ versinkt man förmlich: erhabener Mittelerde-Metal, der sich über die Grenzen des Black Metal hinwegsetzt und völlig einzigartig ist – ich kann es nicht anders beschreiben. „Carcharot“ und „Herumor“ klingen etwas schwarzmetallischer, was dem Album sehr gut zu Gesicht steht. Vor allem „Herumor“ überzeugt durch ein leicht martialisch im Midtempo gehaltenes Drumming und wunderschöne chroalartige Passagen. Unweigerlich denke ich beim Hören dieses Albums an Der Herr der Ringe und dessen bildgewaltige Landschaften und Schlachten. Das rein instrumental gehaltene „Barrow-downs“ dient als musikalische Überleitung zum letzten Teil von With Doom we come. Der ungewöhnlichste, weil sehr hypnotisch gehaltene Track ist für mich „Night fell behind“. Etwas gewöhnungsbedürftig, da hier eher Space statt Mittelerde hervorsticht. Steht Summoning recht gut, aber mich reißt es ein wenig aus meiner Vorstellung, welche ich vor Augen habe beim Hören. Das recht oldschoolig gehaltene „Mirklands“ treibt mir sofort ein Grinsen ins Gesicht. Eine Reminiszenz an alte Klassiker wie eben ihr Album Minas Morgul, das für viele als bestes Werk von Summoning gilt. Das titelgebende „With Doom we come“ schließt eine mehr als gelungene Rückkehr der einzig legitimen Mittelerde-Black-Metaller ab. Attribute würden mir bestimmt Hunderte einfallen, aber eines reicht, um dieses Stück zu beschreiben: mächtig! Gesungene Passagen, die einem sämtliche Körperhaare zum Stehen bringen!

Fazit: Ich gebe zu, nicht mehr mit einem neuen Album von Summoning gerechnet zu haben, aber als ich das neue Album in Händen hielt, war meine Freude riesig. Ein Meisterwerk monumentaler Black-Metal-Kunst. Als ob sie niemals weg gewesen wären, schließt das neue Material nahtlos an die Vorgängeralben an. Eine Kaufempfehlung nicht nur für Metaller, sondern auch für Rollenspieler und alle, die Mittelerde und den Tolkien-Kosmos lieben. Bleibt nur zu hoffen, dass es bis zur nächsten Veröffentlichung nicht wieder Jahre dauert!

Summoning: With Doom we come
Napalm Records, Vö. 05.01.2018
14,99 €

Tracklist
1. Tar-Calion
2. Silvertine
3. Carcharoth
4. Herumor
5. Barrow-downs
6. Night Fell Behind
7. Mirklands
8. With Doom I Come

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