CD: The Stompcrash – Swear by the moon

Herzblut

StompcrashTrotz bislang vier veröffentlichen Alben sind mir The Stompcrash auf dem Sampler This is Gothic Rock Vol1 das erste Mal bewusst begegnet, daher bin ich nun gespannt auf das aktuelle Album Swear by the moon. Das Mailänder Quartett hat sich düsterer und melancholischer Musik verschrieben und bezieht einen nicht geringen Teil der Inspiration aus den Werken von Kafka, Poe und Lovecraft. Auch auf den Bandfotos zeigen sich The Stompcrash geprägt vom klassischen Gothic-Stil der viktorianischen Ära.

Schon mit den ersten Klängen von „My tied bride“ wird klar, hier läuft echter Gothic. Als auch noch der dunkel gefärbte Gesang einsetzt, fühle ich mich angenehm an die Hamburger Paralysed Age erinnert, die in den 90ern ein Geheimtipp gewesen sind. Generell ist der Sound aber eher von englischen Bands inspiriert, was bei „Plague doctor“ auch deutlich wird, auch wenn ich zu Beginn von „Twisted Souls“ eine Prise der Schweden The Exploding Boy heraushören kann. Im Refrain wird aber eine bombastähnliche Atmosphäre erzeugt, ähnlich wie The Mission das so unnachahmlich machen, trotzdem läuft der Song nie Gefahr, zu einer bloßen Kopie zu verkommen. Auch „Conciousness“ ist eine melancholische Mischung aus Post-Punk und Gothic Rock, dessen hervorgehobene Basseinsätze supercool sind. „Dance like marionettes“ besitzt dank der Keyboardteppiche eine etwas getragene Stimmung, fast so, als würde der Song von den Marionettenfäden daran gehindert, einfach loszurocken. Stattdessen bewegt er sich kontrolliert im gemächlichen Tanz.
Dafür leitet mit „Love is the deepest sea“ eine energetische Gothic Rock Nummer die zweite Hälfte von Swear by the moon ein und ist mit seinem dramatischen Refrain auch gleichzeitig mein Favorit. Der Song hätte auch auf das Debütalbum von Diary Of Dreams gepasst. „The wedding knell“ behält den Stil bei und besticht durch seine Keyboard-Parts und das düstere Bassspiel in den ruhigen Passagen. Das setzt sich in „High seas“ zunächst fort, bevor nachhallende Gitarren das Kommando übernehmen. Die Stimme, die im Refrain die düstere Ebene verlässt und in höhere Sphären aufsteigt, rundet den Song ab. Das anschließende „Take me away“ passt hervorragend dazu, da sie bei diesem Post-Punk-orientiertem Song am besten zum Tragen kommt und man dabei ins Träumen geraten kann. Etwas ruhiger klingt das Album schlussendlich mit „Mirrors“ aus.

Fazit: The Stompcrash spielen eine wirklich feine Mischung aus Gothic Rock und Post-Punk, und man kann das hineingeflossene Herzblut quasi jede Sekunde heraushören. Insgesamt empfinde ich Lautstärke und Tempo auf Swear by the moon als relativ ähnlich. Hier würde ich mir mehr Variationen erhoffen, was den Punktabzug erklärt, auch wenn man mir dafür Jammern auf hohem Niveau vorwerfen kann. Dennoch ist Swear by the moon für mich der Anreiz, mir auch den Backkatalog der Band zu Gemüte zu führen und tiefer in den Gothic-Kosmos von The Stompcrash einzudringen.
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Anspieltips: Twisted Souls, Love is the deepest sea, Take me away

The Stompcrash – Swear by the moon
Label: Darktunes Music Group, VÖ: 20.01.2017
MP3 Download 9,99 €, erhältlich über amazon.de
CD 14,00 €, erhältlich über https://thestompcrash.bandcamp.com/album/swear-by-the-moon
Homepage: thestompcrash.comfacebook.com/thestompcrash

Tracklist:
01 My tied bride
02 Plague doctor
03 Twisted Souls
04 Conciousness
05 Dance like marionettes
06 Love is the deepest sea
07 The wedding knell
08 High seas
09 Take me away
10 Mirrors

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