CD: TRAITRS – Butcher’s coin

Back to Pornography

Butcher's coinAus dem kanadischen Toronto stammt das Duo TRAITRS, das mir, ich muss gestehen, bislang unbekannt gewesen ist. Allerdings haben sie sich erst 2015 gegründet, und nun legen Shawn Tucker und Sean-Patrick Nolan nach der Single Speak in tongues und dem Kurz-Album Heretic nun mit Butcher’s coin das erste Full-Length-Album vor. Post Punk und Cold Wave verspricht der Pressetext? Ja, bitte!

Mit „Pale“, also blass, beginnt Butcher’s coin, und der Titel des Openers ist in der Tat gut gewählt, denn ich werde wirklich etwas blass ob des tollen Sounds. Wave mit Tendenz zu Dark Wave transportiert mich direkt zurück in die Zeit der legendären drei The Cure Alben Seventeen Seconds, Faith und Pornography, was nicht zuletzt auch an der Stimme von Shawn Tucker liegt, die Robert Smith zwar nicht imitiert, eine gewisse Nähe aber erkennen lässt. Mit dem folgenden „Thin flesh“ lässt diese etwas nach, das deutlich Richtung Post Punk ausschlägt, so dass klar ist, dass TRAITRS keine Kopie sein wollen. Ein bemerkenswertes Zusammenspiel von Bass und Schlagzeug eröffnet „The suffering of spiders“, und hier verschmelzen tatsächlich die alten The Cure mit modernem Post Punk zu einer Einheit. Auf „Skinning“ setzt sich dies fort, allerdings ist der Song noch etwas rockiger umgesetzt worden, was vor allem live bestimmt richtig abgeht. Verdammt, waren TRAITRS doch auch erst beim WGT zugegen.
„Omen“ leitet die zweite Hälfte ein, und das mit einer Atmosphäre, die durchaus etwa an „The holy hour“ erinnert, und dennoch irgendwie zeitgemäßer klingt. Ich könnte dahinschweben. Auf dem ebenfalls ruhigen „The lovely wounded“ gewinnt der Einfluss von Dark Wave wieder die Oberhand, und das Stück zeichnet sich vor allem durch den Synthie-Soundteppich aus. Beim Intro von „I sit and watch the worm beneath my nails“ muss ich vom Sound her sofort an She Past Away denken, aber mit dem einsetzenden Gesang relativiert sich das wieder. Eine tolle, unterkühlte Stimmung wird erzeugt. Bei „Still from her sores“ meine ich Strukturen der Pet Shop Boys zu erkennen, insgesamt klingt der Song aber vor allem wegen der Art zu singen nach War Tapes, einer meiner Lieblings-Post-Punk-Bands. „Window from the old house“ führt uns zurück zum Anfang und nimmt die Stimmung von „Pale“ wieder auf, ohne jedoch den Song zu kopieren.

Fazit: Die Melange aus Post Punk und Dark bzw. Cold Wave, die TRAITRS auf Butcher’s coin fabrizieren, finde ich einfach nur großartig und habe ich in der Kombination noch nicht gehört. Es wundert mich, dass die Band bislang an mir unentdeckt vorbeigezogen ist, und noch mehr ärgert es mich, dass ich sie auf dem WGT verpasst habe. Dafür werde ich nun in den Backkatalog eintauchen. Ein Muss für jeden Gothic der alten Tage.

Anspieltipps: Pale, Skinning, I sit and watch the worm beneath my nails

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch:

TRAITRS: Butcher’s coin
Manic Depression Records, Alchera Visions, Pleasance, Vö. 18.05.2018
CD 15,00 €, LP 18,00 $, MP3 Download 7,00 $ – erhältlich über Bandcamp
Homepage: https://facebook.com/traitrs/

www.manicdepressionrecords.com
http://alchera.org/
http://www.pleasencerecords.com/

Tracklist:
01 Pale
02 Thin flesh
03 The suffering of spiders
04 Skinning
05 Omen
06 The lovely wounded
07 I sit and watch the worm beneath my nails
08 Still from her sores
09 Window from the old house

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  1. […] Genrefan glücklich machen sollte, aber im Vergleich zu den erst kürzlich rezensierten TRAITRS (Link) muss ich für mich persönlich leider einen Punkt abziehen. Aber Luft nach oben ist bei einem […]

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