CD: Uada – Cult of a dying sun

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Neues unter der (sterbenden) Sonne

Vor Ostern 2018 sagten mir Uada noch rein gar nichts. Dann kam das Dark Easter Metal Meeting, bei dem die vier Herren aus Portland, Oregon, eine Wahnsinnsperformance ablieferten, ich hing sofort am Haken. Das gefeierte Debütalbum Devoid of light läuft seitdem in Dauerschleife, und wie der Rest der Fangemeinde war ich gespannt, wie sich wohl der Nachfolger Cult of a dying sun, der am 25. Mai bei Eisenwald erschienen ist, machen wird.

Uada_CoverMit dem Eröffnungstrack „The purging fire“ machen Uada von Sekunde eins an klar, was einen hier erwartet: kraftvolle, sägende Riffs, fette Blastbeats und grandiose Basslines, dazu die vielfältige Stimme von Sänger Jake Superchi. Das alles erzeugt einen giftigen Sound mit einer Atmosphäre so düster wie eine Sonnenfinsternis, die einen sofort gefangen nimmt. Bei allem Vollgas kommen auch die Melodien nicht zu kurz, sodass das etwas knarzig produzierte Album nicht allzu quer im Gehörgang liegt. Übergangslos weiter geht es mit „Snakes & vultures“, das in den ersten Minuten überraschend groovig daherkommt. Auch hier haben wir es mit einem knapp Zehnminüter zu tun, ein Markenzeichen Uadas, die sich in ihren Songs gerne Zeit nehmen. Langeweile kommt dabei nicht auf: die Lieder sind abwechslungsreich, komplex und hervorragend komponiert, sodass man weder über- noch unterfordert wird. Der Titeltrack wird dann streckenweise etwas doomig, vor allem im letzten Drittel, aber inzwischen haben wir gelernt: Wann immer Uada das Tempo rausnehmen, müssen wir uns auf den nachfolgenden Hagelsturm gefasst machen!

Die erste richtige Pause bekommt man erst mit „The wanderer“, mit fünfeinhalb Minuten das kürzeste Stück der Platte (und zugleich das ruhigste). Djembe, Akustikgitarre, rituelle Gesänge, Hintergrundgeräusche aus der Natur und eine grandiose Melodie lassen den Hörer in eine Art Trance fallen, aus der man jedoch mit „Blood sand ash“ schnell wieder gerissen wird. Dessen Aggressivität tragen einen flugs weiter zu „Sphere (Imprisonment)“, das mit seinen heulenden Vocals streckenweise an Depressive Black Metal erinnert. Nach einem kurzen Klavieroutro landet man schließlich bei „Mirrors“, dem letzten Track des Albums, und wundert sich, wie schnell so eine Stunde eigentlich vergeht, wenn man so exzellenter Musik lauscht. Hier geben Uada nach einem langsam-düsteren Einstieg schnell wieder alles, sodass Cult of a dying sun so endet, wie es begann: voller schwarzem Hass und einer aggressiven Energie.

Mit Cult of a dying sun haben Uada (was im Übrigen aus dem Lateinischen stammt und so viel wie „heimgesucht“ bedeutet) definitiv einen würdigen Nachfolger zu Devoid of light abgeliefert. Etwas wirklich Neues unter der (sterbenden) Sonne wird hier zwar nicht präsentiert, aber Album Nummer zwei ist runder und ausgewogener als das Debüt. Es ist wirklich ein Genuss, wie die verschiedenen Elemente mit viel Geduld zu überlangen Songs zusammengesetzt werden, die gerade abwechslungsreich genug sind, um keine Langeweile aufkommen zu lassen, aber trotzdem nicht so komplex sind, dass man nicht mehr folgen kann. So bleibt man gerne dabei, folgt der Musik um jede Ecke, in jede Kurve, macht jede Kehrtwende mit. Dabei entsteht ein ganz eigener Sound, aus dem man zwar nordische Einflüsse heraushören kann, aber auch viel, viel Eigenmarke. Vielleicht brauchen wir langsam ein neues Sub-Genre: „Pacific Northwest Black Metal“.

Auch optisch macht Cult of a dying sun was her: Für das Artwork zeichnet kein Geringerer als Kris Verwimp verantwortlich, der unter anderem für SuidakraMardukThyrfing oder Dark Fortress Cover gestaltet hat. Das Innere geht auf die Feder von Chris Kiesling/Misanthropic Arts zurück, der unter anderem schon mit Pillorian und Narvik gearbeitet hat. Die Bandfotos stammen von Vice-Fotografen Peter Beste (dessen Black-Metal-Bildband in jedes gut sortierte Bücherregal gehört), der den Vierer, der viel Wert auf Anonymität legt, mehr als gekonnt in grandiosen Landschaftskulissen in Szene gesetzt hat.

Anspieltipp: „Snakes & vultures“ (Youtube)

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Uada: Cult of a dying sun
Eisenwald, Vö.: 25. Mai 2018
13,90 € – Eisenwald Store

Tracklist: 
1. The purging fire (5:59)
2. Snakes & vultures (9:37)
3. Cult of a dying sun (8:18)
4. The wanderer (5:39)
5. Blood sand ash (7:55)
6. Sphere (Imprisonment) (8:00)
7. Mirrors (10:28)
Gesamtspielzeit: 55:51

Line-up: 
Vocals/Guitar – Jake Superchi
Lead Guitar – Jame Sloan
Bass – Robb Bockman (der inzwischen von Ed Harpin ersetzt wurde)
Drums – Brent Boutte (der inzwischen von Josiah Babcock ersetzt wurde)

UADA_2018_band4

Foto: Peter Beste

 

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