Metal für die Seele!
Ätherisch und einnehmend

Zu Beginn des jungen Jahres reiht sich bereits eine hochkarätige Veröffentlichung an die andere. Musikalisch ist bereits für jeden etwas dabei. Mich freut es immer besonders, wenn es sich bei den Alben um Black Metal, genauer gesagt um Melancholic Post Black Metal geht. Ganze vier Jahre nach ihrem wundervollen Album Beautiful ghost erschien Anfang Februar das neue Werk von Unreqvited: A pathway to the moon. Zugegeben war ich sehr gespannt, ob man den bereits perfekten Teppich aus Black Metal mit viel Atmosphäre, Melancholie und das ständige Gefühl von Verlorenheit noch weiterentwickeln kann. Wie immer möchte ich für euch meine Höreindrücke in Worte fassen.

Alleine der Blick auf das Label Prophecy Productions offenbart für mich Gutes. Wie es sich für ein Album gehört, eröffnet „Overture – I disintegrate“ den Reigen eines, so viel sei schon mal verraten, genialen Albums. Wie im Titel schon angedeutet, ist Disintegrate jetzt nicht unbedingt mit Positivität behaftet, und so kommt es auc, dass hier schon pure Melancholie und Tristesse Einzug erhalten. Eine geisterhaft und doch warme Klaviermelodie und ein Gesang, der ganz tief unter die Haut geht. Wunderschön! „The Antimatter“ ist dann gleich der erste Song des Albums, der die zehn Minuten Marke sprengt. Ich schätze sie sehr für ihre langen Tracks. Eine wirklich gespenstisch, unreale Kulisse, die sich einem beim Hören aufdrängt. Spannungsbögen voller Unbehagen verbreiten sich durch wirklich alle Black Metal Spielarten. Vom Keyboard-lastigen, rasenden Black Metal, der mich an Norwegen Mitte der 90er erinnert hin zu progressiven, groovigen Parts, untermauert von den so ziemlichen besten Schreien, die ich seit langem gehört habe. Zu keiner Sekunde hat die Langeweile auch nur die geringste Chance. Gegen Ende des Stücks bekommt man sogar mehr als gelungene Post Rock Melodien um die Ohren gepfeffert! Meine absolute Empfehlung des Albums ist „The Starforger“. Glaubt mir, ich habe mir das Stück bestimmt x-Mal hintereinander angehört, und jedes Mal hat es mich mehr umgeblasen. Lasst euch einfach fallen und macht eure Augen zu. Die verzerrte, mit Hall versehene Melodie zu Beginn leitet in ein Reich von Sehnsucht und Trauer über. Das Zusammenspiel von Melancholie und Verlorenheit, Sehnsucht und Verzweiflung, Hoffnung und Ewigkeit, das alles macht Unreqvited aus, und gut für euch ist, alles in diesem Stück in acht sehr schönen Minuten zusammengefasst. Leute das ist Post Black Metal mit ganz viel Gefühl! Die Latte lag schon nach dem dritten Stück sehr hoch! „Void essence / Frozen tears“ begibt sich wieder in etwas dunklere Gefilde. Das Stück packt einem ebenfalls vom ersten Moment an. Diese tollen Melodien, die sich mit verspielten Synthies kombinieren und mit einem fast geisterhaft wirkenden Gesang, der von gelegentlich einsetzendem Gekeife durchbrochen wird, nehmen einem förmlich gefangen ohne Chance auf entkommen. „In the starlit beyond“ führt man das Hauptthema des Albums dann auch musikalisch fort. Man hat das Gefühl von All, Dunkelheit und Kälte, nie steril sondern auch immer einnehmend warm. Der Black Metal Part gegen Ende des Songs ist einfach nur göttlich! „Celestial sleep“ vertont die unendliche Weite (nein, nicht Raumschiff Enterprise). Dieser Ambient mit Echo und Hall erzeugt eine Weite, die schon recht gewaltig vor dem geistigen Auge erscheint. „Departure: Everlasting dream“ ist verdammt positiv für dieses Album. Man fühlt Licht, Wärme, Melancholie zwar auch, aber in anderer Form. Musikalisch mitreißend wie jede Sekunde dieses Albums. Ein wunderbar gewählter Abschluss!

Fazit: Wirklich selten zuvor hat mich ein Album so dermaßen umgehauen. Eine Symbiose aus musikalischer Perfektion, gottgleichem Songwriting, Gespür für elegische Melodien und Kreativität, dass es für mindestens weitere zehn Releases reicht (ich hoffe doch inbrünstig). Für Fans von Alcest oder auch Harakiri for the Sky, aber auch für Metaller, die etwas Besonderes suchen. Die Produktion ist wie sie sein muss und der dichten Atmosphäre sehr zuträglich, und was man nie vergessen sollte, es geht hier um ein Ein-Mann-Projekt. Ich freue mich auf das, was da noch kommen mag von Unreqvited, und bis dahin holt euch das Album. Es gibt auch sehr schöne Vinylversionen (nur so nebenbei).

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Unreqvited: A pathway to the moon
Bandcamp, Vö. 07.02.2025

Tracklist
1 Overture: I disintegrate
2 The Antimatter
3 The Starforger
4 Void essence / Frozen tears
5 Into the starlit beyond
6 Celestial sleep
7 Departure: Everlasting dream

Band: https://unreqvited.bandcamp.com/album/a-pathway-to-the-moon
Facebook: https://www.facebook.com/unreqvited/
USD 6,99

 

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