CD: Weesp – The Void

Zwei Gesichter

Die Elektro-Rocker Weesp aus Weißrussland haben sich vor einer ganzen Weile bei uns als Band der Woche vorgestellt, und in ihre EP This will destroy us habe ich damals ebenfalls hineingehört. Schon damals hat mir der Abwechslungsreichtum ihrer Musik gefallen, und ich fand das ganze Projekt sehr vielversprechend. Jetzt ist es endlich soweit – Weesp präsentieren ihr erstes Studioalbum The Void, und ich habe sehr gespannt reingehört.

Wir starten mit dem bereits bekannten „Livan“, das fürs Album etwas aufpoliert, aber keineswegs glattgebügelt wurde. Es ist ein zahmer Einstieg, macht aber sofort klar, dass wir auf The Void einiges zu erwarten haben.
Mit Track zwei, „Solar Empire“, für den sich Weesp Cory Brandan von Norma Jean für die Shouts ins Boot geholt haben, geht es dann kraftvoll weiter, allerdings kann ich mit dem Song im Allgemeinen nicht viel anfangen. „Unstable Matter“ trifft deutlich mehr meinen Geschmack, und Weesp zeigen, was mir schon auf ihrer EP so gut gefallen hat: eine ausgewogene Mischung aus Synthieklängen und solider Rockband-Basis, aus klarem Gesang und Shouts, alles perfekt abgewogen. Der Refrain trifft den Nagel auf den Kopf – „I will show you how it’s done!“
Und so geht es dann eine knappe Stunde weiter: „Beware the blind Spots“ kommt schwer daher, direkt gefolgt vom fetzigen „Icarus Flight“, in dem die Herren auch einmal ihre Muttersprache auspacken. Dann folgen zwei meiner Favoriten: „Charcoal and Chalk“, das sich düster und verzweifelt anhört, sich aber nicht in Melancholie wälzt, sondern alles herausschreit und viele Facetten hat – kraftvoll und interessant. Es folgt die Ballade „Bruises and the Cuts“, die eine wunderbare Atmosphäre aufbaut. Dass Weesp auch ruhig können, haben sie ja bereits mit ihrer Single „Caves unplugged“ gezeigt, und hier greifen sie auf ähnliche Tricks zurück: percussiv, ruhige, atmosphärische Klänge und gefühlvoller Gesang. Da passt einfach alles.
„Murderers“ packt wieder mehr Rumms aus und animiert zum Kopfwippen, obwohl mir nicht ganz klar ist, warum es als Single ausgewählt wurde – ich hätte da andere Favoriten. Es geht etwas derber weiter bei Track Nummer neun, „Full Stop“, doch auch hier zeigt sich, dass Weesp ungern nur wild oder nur soft daherkommen. Die Mischung macht’s. Als nächstes eins meiner großen Highlights – The Prodigys „Omen“ wird mit reichlich E-Gitarren und fetten eigenen Sounds aufgelegt und macht so richtig Laune, wild kopfschüttelnd auf- und abzuspringen.
Auch das titelgebende „The Void“ punktet ganz groß bei mir mit seinen zwei Gesichtern aus akustischen Gitarren, scheppernden Drums und kreischenden Synthies, die dann in ein mitreißendes Instrumental übergehen. Dann kommt nochmal Cory Brandan zum Einsatz, doch wie schon bei seinem ersten Gastauftritt ist „Everything Burns“ nicht so weit oben auf meiner Hitliste wie andere Songs von diesem Album.
Mit „Waves“ schließen wir das Album ab, und hier findet sich mein absoluter Lieblingsmoment des Albums: Eingebettet in die wellenartigen Klänge einer tosenden See aus Synthiesounds findet man einen großartigen, gänsehautinduzierenden Ruhepol.

The Void ist wirklich ein Album mit zwei Gesichtern. Nicht unbedingt eingängig, man wird es aber trotzdem nicht wieder los. Eine tolle Arbeit an den Synthies, aber auch ein solider Alternative-Rock-Sound, nichts wird stiefmütterlich behandelt. Die Melodien sind oft geprägt durch lange, getragene Töne, während im Hintergrund viel Bewegung stattfindet.
Dabei ist der Klang von Weesp aber mittlerweile weniger „planlos“, als er mir auf der EP noch vorkam, und entwickelt einen eigenen, starken Charakter, den man so schnell nicht vergisst. Weesp sind keine alternative Garagenband, die wild auf Instrumente drischt, sondern sie verstehen ihr Handwerk. The Void ist sauber produziert, der Sound ist ausgewogen und steckt voller Energie. Meiner Meinung nach ist Weesp eine Band, die man sich auf jeden Fall zu Gemüte führen sollte, wenn man auf Rock mit Synthieklängen steht, denn das beherrschen sie wirklich meisterlich.

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch:

Anspieltipps: Charcoal and Chalk, Omen, The Void

Tracklist:
01. Livan
02. Solar Empire
03. Unstable Matter
04. Beware the Blind Spots
05. Icarus Flight
06. Charcoal and Chalk
07. Bruises and the Cuts
08. Murderers
09. Full Stop
10. Omen
11. The Void
12. Everything Burns
13. Waves

Weesp – The Void (VÖ 20.8. 2015)
8,99 €
iTunes https://itunes.apple.com/de/album/the-void/id1021337146
Bandcamp https://weesp.bandcamp.com/album/the-void/

http://www.weespband.com/

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