CDs: Ildjarn – „Ildjarn“ und „Strength and Anger“

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Hier scheiden sich die Geister

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Das norwegische Ein-Mann-Projekt Ildjarn gehört zu der Sorte Black Metal, wie sie nur die Neunziger hervorbringen konnten: Monoton, düster, kraftvoll, bösartig und extrem kalt. In diesem Jahr entschied sich Seasons Of Mist, die beiden ersten Alben, Ildjarn (das stolze 27 Tracks aufweist) und Strength And Anger (das mit insgesamt 18 Songs auch nicht gerade kurz ausfällt), erstmals 1995 und 1996 erschienen, neu zu veröffentlichen.
Melodie und Abwechslung sucht man hier vergebens, und der Charme bleibt auch in der Neuauflage gewahrt: Die Produktion ist unterirdisch schlecht. Aus den gut eingestellten Boxen dröhnt Demo-Tape-Brei, und ich habe das Gefühl, hier mitten in meine wilde Jugend zurückversetzt zu werden – damals klang alles so. Lyrische Ergüsse? Fehlanzeige. Auf beiden Alben erwartet den Hörer vor allem eins: Geräusch. Und dennoch haben die Stücke ein ganz eigenes Flair, und inmitten all dieses gesichts- und geistlosen Melodiegedudels, das man heutzutage Black Metal schimpft, tut jemand wie Ildjarn, der sich einen Mist um Mainstream und Kommerz schert und das musikalisch auch zum Ausdruck bringt, hin und wieder wirklich gut.
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Klar, man muss schon in einer sehr speziellen Stimmung sein, um sich auf diese Klangkulisse einzulassen, aus der man hin und wieder, mit etwas Glück, ein Riff heraushören kann oder in der man eine interessante Passage entdeckt. Zuerst wird man erschlagen von der unendlichen Monotonie, den hölzernen Drums, dem sinnbefreiten Gedresche. Beide Alben sind das musikalische Äquivalent zu einer hirnlosen Zombie-Horde, die marodierend durch die Städte zieht. Aber manchmal muss es eben roh, brutal und monoton sein – in diesen Momenten greift man zu Ildjarn.

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IldjarnIldjarn
IldjarnStrength and Anger
Seasons of Mist, Re-Release 2013
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