CD/Tape: Lock Howl – Pareidolia

Gothic Rock meets Death Rock meets Black Metal

coverErst kürzlich hatte ich mittels des Samplers Night Voices – Volume 1 das DIY-Underground-Label Occult Whispers Records aus Chicago vorgestellt (Link). Eine Veröffentlichung hat es mir besonders angetan: Lock Howl ist ein Ein-Mann-Projekt von James McBain aus dem englischen Aberdeen. Damit ist er natürlich bestens vertraut mit tristem und Melancholie erzeugendem nasskalten Regenwetter, das so unnachahmlich die Postpunk- und Gothic-Rock-Szene beeinflusste. Doch das ist McBain nicht genug, und so lässt er sich auch von der anderen Seite der Nordsee inspirieren, den tiefen und düsteren Wäldern Norwegens, wiederum Einfluss für die dortige Black-Metal-Szene.

Der Eröffnungstrack „The seventh room“ ist gut gewählt, denn er bietet alles, was das Album Pareidolia ausmacht: verstörende, an einen Horrorfilm erinnernde Klänge vorweg, die mit Halleffekt versehene Art des Gesangs und die Musik stammen vom Gothic Rock, der abschnittsweise Richtung Death Rock schielt, und im Backgroundgesang eine krächzende Stimme, die dem Black Metal entlehnt wurde. Mit Gothic Rock geht es auch bei „Echoes from the chemical void“ weiter. Der Song besticht vor allem durch den Kontrast zwischen dem recht hoch vorgetragenen Refrain und dem düsteren Bassspiel in den Strophen. Bei dem Titel „Nephilim“ muss man unweigerlich an die Gothic-Rock-Legende Fields of the Nephilim denken. Doch auch wenn der Song im Gothic-Rock-Bereich angesiedelt ist und man die Fields kurzzeitig hervorzublitzen meint, ist er doch eigenständig. Der treibende Sound erinnert mich eher an Bands wie Vendemmian oder Passion Play. „Into the darkness. Into the unknown.“ beginnt mit einer langen Gothic-rockigen Sequenz, diese wird dabei mit Keyboards begleitet, dessen Sound mehr verspricht. Und richtig, schließlich setzt der klagende und mit ordentlich Hall unterlegte Gesang ein, der von einer hohen weiblichen Background-Stimme unterstützt wird. Passagenweise gleitet der Gesang ins Kreischen über. Dies setzt sich auch bei „Graveless“ fort, wobei sich der Song im Refrain zu einer richtig geilen Death-Rock-Nummer entwickelt. Zwischendrin überrascht mich der Song mit einem Ska-Rhythmus, was ich eigentlich gar nicht mag, der sich hier aber hervorragend einfügt.
„Entre dos tierras“, kennt das noch jemand? Genau, „Lost in the static“ klingt als hätten die Heroes Del Silencio zusätzlich einen Black-Metal-Sänger engagiert, was für Kälte unter der südlichen Sonne sorgt. Das folgende „… And she was found by the lake“ ist so etwas wie eine Ballade, der allerdings jegliche handelsübliche Romantik fehlt. Mit sanften Gitarrenklängen beginnt der Song, und die Stimme setzt ebenso sanft ein. Im energetischen Refrain jedoch dominiert die gewaltig krächzende Black-Metal-Stimme – ein krasser Kontrast, aber genau das macht den Song aus. „Her“, der letzte Song auf Pareidolia, erinnert mich musikalisch an eine härtere Version von Cinema Strange. Batcave und Death Rock bilden das Grundgerüst des Songs, bei dem die harten Passagen für Abwechslung sorgen.

Fazit: Ich bin schwer begeistert. Die Mischung der verschiedenen Musikstile funktioniert hervorragend, und ich bin ehrlich gesagt ungläubig, dass Pareidolia bei all den verschiedenen Einflüssen das Werk einer Einzelperson ist. Gothic Rock meets Death Rock meets Black Metal. So würde Andrew Eldritch heute gern klingen, aber er hat leider vergessen, wie das geht.
Für schwerterschwingende trve-and-evil Black-Metal-Anhänger ist der Sound sicherlich zu weich, aber wer da etwas offener eingestellt ist, sollte hier unbedingt einmal reinhören. Selbiges gilt auch für klassische Gothic Rocker, die sonst nichts mit Black Metal anfangen können.

Anspieltips: Nephilim, Graveless, … And she was found by the lake

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch:

Lock Howl: Pareidolia
Occult Whisper Records, 14.02.2017
MP3 Download 2,00 £ / CD 6,00 £ / Tape 4,00 £, erhältlich über Bandcamp.
Homepage: de-de.facebook.com/LockHowlBand/
lockhowl.bandcamp.com/
occultwhispersrecords.bigcartel.com/

Tracklist :
01 The seventh room
02 Echoes from the chemical void
03 Nephilim
04 Into the darkness. Into the unknown.
05 Graveless
06 Lost in the static
07 … And she was found by the lake
08 Her

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1 Antwort
  1. Chrizzz
    Chrizzz says:

    Spitzen Album! Habe ich durch Zufall auch auf Bandcamp entdeckt.
    Der Kerl hat das, bis auf eine kleine Unterstützung, alles selbst gemacht. Respekt!

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