Doctor-Who-Special – Teil 4: Die Köpfe dahinter

In Teil 1, 2 und 3 ist lateranus in unserer Doctor-Who-Serie auf die Grundsätze der Serie, den Doctor, seine Begleiter und seine Feinde eingegangen. Aber wer steckt hinter dem Geniestreich Doctor Who? Das ist keine leichte Frage, wechseln sich doch viele mitunter sehr bekannte Autoren hier ab.

Die Autoren

50 Jahre Seriengeschichte schreibt man nicht nur mit hervorragenden Schauspielern und ein paar guten Ideen, die Autoren der Serie sind hier ein ebenso großer Faktor.
Terry Nation, der unter anderem die Daleks erfunden hat, schrieb zahlreiche Episoden. In den 70er Jahren hat er die dystopischen Science-Fiction-Serien Survivors und Blake’s 7 geschaffen, später auch Episoden der nicht unbekannten Fernsehserie MacGyver geschrieben und produziert.
Außerhalb des Doctor-Who-Universums vielleicht bekannter ist der Autor Ben Aaranovitch, der zwei bemerkenswerte Episoden für Doctor Who schrieb („Remembrance of the Daleks“ und „Battlefield“), in Deutschland aber eher durch seine Die Flüsse von London-Reihe bekannt sein dürfte.
Ein weiterer, mit Sicherheit außerhalb des Doctor-Who-Universums bekannter Autor wäre Sci-Fi-Legende Douglas Adams, dem wir die Episoden „The Pirate Planet“, „City of Death“ und „Shada“ verdanken. Bei den „New Who“-Autoren darf man Neil Gaiman nicht verschweigen: „The Doctor’s Wife“, „Die Frau des Doctors“, und Staffel 7 Episode 12 „Nightmare in Silver“ („Albtraum in Silber“) stammen aus seiner Feder.
Der derzeitige Showrunner und Autor zahlreicher Episoden Steven Moffat und der Autor Mark Gatiss sind hierzulande vor allem aus dem BBC-Geniestreich Sherlock bekannt. Vor Moffat (Staffeln 1 bis 4) war Russell T. Davies Hauptautor und Showrunner – und auch derjenige, der Doctor Who nach 16 Jahren Pause wieder von den Toten auferstehen ließ.

Aufzuzählen, von wem die Geschichten dieser Autoren beeinflusst sind, macht so viel Sinn wie den Sand der Sahara zu zählen. Bezüge zu den Hitchhiker’s Guide-Romanen von Adams kommen nicht nur in den von ihm geschriebenen Episoden vor; würden wir Figuren wie Doyles Sherlock Holmes nehmen, kämen wir nicht nur zum vierten Doctor. Es ist ein Fass ohne Boden.

Steven Moffat

Fragt man nach dem Einfluss der Sendung auf andere Künstler, kommt man recht schnell auf Namen, die inzwischen fest mit Doctor Who verbunden sind: Peter Capaldi, der derzeit den Doctor mimt, war in seiner Kindheit ein großer Fan der Show und wurde sicher genauso wie David Tennant in der Berufswahl von einer der Episoden aus Doctor Who in Richtung „Schauspielkarriere“ gelenkt. Nimmt man noch dazu, dass Steven Moffat ein alter Fan der Serie ist, muss man den Schluss ziehen, dass die Show von den Fans übernommen wurde und fest in ihren Händen ist.

Referenzen, Eastereggs und Querverweise

Andere Fans der Serie sind offenbar Peter Jackson, von dem gemunkelt wird, dass er eine Einzel- oder Doppelfolge machen möchte (und dafür mit Daleks bezahlt werden will), und Matt Groening, der in Futurama und den Simpsons zahlreiche Anspielungen auf Daleks, Doctors und TARDISes versteckt hat. NCIS Special Agent McGee scheint die Serie auch gerne zu sehen – und dass Big Bang Theorys Sheldon Cooper diese Sendung verehrt, überrascht sicher auch nicht. Trey Parker und Matt Stone haben den Daleks eine Folge in ihrer Show Southpark gewidmet. Rowan Atkinson hat nicht nur als Mr. Bean mit einem Spielzeug-Dalek eine Krippe überfallen, er hat sogar selbst den Doctor in einem von Steven Moffat geschriebenen Comedy Special gespielt. Star Trek – The Next Generation greift ebenfalls gerne auf Doctor Who zurück; im Maschinenraum gibt es einen Sonic Screwdriver (Lieblingswerkzeug des modernen Doctors) und die Namen der Doctor-Who-Darsteller tauchen auf Listen auf. Ganz zu schweigen davon, dass der Kriegercodex der Klingonen verdächtig an den der Sontaraner erinnert und die Borg den Cybermen ähneln (angeblich aber von den Daleks „abgepaust“ wurden).

Aber genug von Doctor Who Easter Eggs und Referenzen im Fernsehen. Selbst in Computerspielen findet sich mal eine TARDIS (Fallout 2, Lemmings 2: The Tribes – übrigens gibt es in Google Maps Street View auch eine betretbare TARDIS, wenn man weiß, wo), man stolpert über die Namen von Darstellern wie Tom Baker (Borderlands 2), Daleks (Beneath a Steel Sky, Paradroid), man trifft in Runescape die Begleiter des elften Doctors Amelia und Rory, der zehnte Doctor hat einen Auftritt in Pokemon Platinum, die Opfer in Destroy All Humans 2 in der Stadt Albion (sieht verdächtig nach London aus, oder nicht?) rufen nach der Hilfe des Doctors, wenn sie sterben, und in Hugo II Whodunit kommt man ohne den vierten Doctor nicht aus. Selbst WoW ist nicht davor gefeit, man stößt auf Cybermen (nun, nennen wir sie Mechagnomes) und erhält in der Boreanischen Tundra als Quest Item einen Ultrasonic Screwdriver.

Verity Lambert inmitten des Doctor-Who-Originalcasts

Wenn man aufmerksam ist, stößt man mittlerweile fast überall auf Referenzen und Verweise zu Doctor Who. Mit welcher Folge auch immer man beginnen möchte (siehe Teil 2 unserer Reihe für Tips hierzu [[Link]]), die Serie anzuschauen, man hat eine ganz eigene Welt vor sich, eine riesige Welt, die oftmals mehr Tiefgang hat als man bei einer Serie mit Gummimonstern vermuten möchte. Verity Lambert und Sidney Newman konnten nicht wissen, was sie da aus dem Nichts erschufen – in einem Studio, in dem immer wieder die Sprinkleranlagen den Dreh unterbrachen, mit kaum Budget und lediglich 20-minütigen Teilepisoden. Das Special zum 50. Geburtstag der Sendung war in 3D, wurde weltweit übertragen und brach einige Rekorde. Wer sich für diese Entstehungszeit interessiert, dem empfehle ich dringend die BBC-Produktion An Adventure in Time and Space/Ein Abenteuer in Raum und Zeit, die anlässlich des Geburtstages die Geburt der Serie nachspielt.

Kennt man die Serie nicht, findet man so viele Ostereier, verborgene Hinweise und letztendlich auch Gags nicht; kennt man sie, tritt man ein in eine Welt mit ganz eigener Mythologie, die zahllose Science-Fiction-Universen beeinflusst hat. Man hat Fernsehfolgen, Specials und Filme, es gibt Bücher, Comics und Hörspiele. Und so viele Eigenproduktionen, die Fans mit viel Herzblut und Arbeit hergestellt und bei Youtube und anderen Plattformen eingestellt haben – es ist beeindruckend. Und die Macher sehen das: Beispielsweise ist das Intro zur 8. Staffel eigentlich von einem Fan designed und animiert worden; Steven Moffat sah es auf Youtube, war begeistert und holte den Fan ins Boot.

Spin-Offs

Sarah Jane Smith, die seit dem dritten Doctor in der Serie mitspielte, bekam ihre eigene Spin-Off-Serie, die Sarah Jane Adventures (2007-2011), bei der sie (der Name lässt es irgendwie vermuten) die Hauptfigur ist. Jedoch tritt hier auch der Doctor in Nebenrollen auf und Sarah Janes Roboterhund K-9 spielt ebenfalls mit.

Das Torchwood-Team

Die Serie Torchwood widmet sich einer von Queen Victoria gegründeten Spezialeinheit (Torchwood ist ein Anagramm zu Doctor Who). Diese Spezialeinheit taucht öfter im Verlauf der vielen Staffeln auf und gehört nicht unbedingt zu den Freunden (aber auch nicht zu den Feinden) des Doctors. Die Serie dreht sich um die Cardiff-Sektion der Organisation, geführt von Captain Jack Harkness, der immer wieder mit dem neunten und zehnten Doctor innerhalb der Stammserie zusammentrifft und von John Barrowman gespielt wird.

In diesem Sinne: Oh my giddy aunt! So viel zu schauen, so viele Folgen!

Dies war der vorletzte Teil unserer Doctor-Who-Reihe, klickt auch nächsten Montag wieder rein, um Teil 5 zu lesen.

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