Der Mann im schwarzen Anzug
Ich bin in der ARTE Mediathek auf diesen Film von 2021 gestoßen. Er beleuchtet das musikalische Leben Leonard Cohens anhand seines Liedes „Hallelujah“. Ein Lied, das die ganze Welt verzaubert hat.
Der 1934 in Kanada geborene Leonard Norman Cohen war zunächst ein Singer-Songwriter, Schriftsteller, Dichter und Maler. Erst 1966 kam er zum Singen. Er schrieb ein Gedicht mit dem Namen „Suzanne brings you down“, das er auf Drängen der Folksängerin Judy Collins vertonte.
1967 sang Cohen das Lied zum ersten Mal im New Yorker Central Park gemeinsam mit Judy Collins. Seitdem war er auch Musiker und Sänger. Er veröffentlichte sein erstes Album, das ihn international bekannt machte.
Leonard Cohen war kein typischer Star. Er war ein ruhiger Typ im schwarzen Anzug, eine Hand in der Hosentasche. Seine ruhigen, balladesken Songs mit ein wenig Pianogeklimper, ein bisschen an Saiteninstrumenten gezupft, kamen an. Er wollte explizit auch Geschichten von älteren Menschen erzählen. Mit 40 hat er in einem Interview erwähnt, dass er selbst 90 Jahre alt werden wolle. Doch dieser Mann mit seinen jüdischen Wurzeln, der die Mysterien des Lebens erforschen wollte, er war ein sehr sensibler Mensch, der sich um die Belange anderer gekümmert hat, denen es nicht so gut ging. Er hatte leider mit Depressionen zu kämpfen. Ende der 1970er Jahre kam er nach eigener Meinung am Tiefpunkt seines bisherigen Lebens an, er war in Los Angeles, ohne seine Familie, ganz alleine. Er stand schon lange nicht mehr im Rampenlicht. Er fing an, „Hallelujah“ zu schreiben. Dafür brauchte er etliche Jahre, beschrieb viele Notizbücher und hatte schlussendlich über 180 Verse für das Lied!
Columbia Records wollte ein Album mit ihm machen, und er war – für seine Verhältnisse – euphorisch! Er hatte ja „Hallelujah“! Doch seinem Hauslabel Columbia Records gefiel es nicht und entschied, die LP in Amerika nicht zu veröffentlichen. Es wurde bei einem völlig unbekannten Label herausgebracht. „Hallelujah“ ging gänzlich unter. Aber Bob Dylan hat es gefunden. Das war voll seins, und er sang es auf Konzerten. Dylan fragte Cohen, wie lang er für den Song gebraucht hat. Er erwiderte, ach so fünf Jahre. Er traute sich nicht zu sagen, dass er acht Jahre daran geschrieben hatte. Dylan ging damit auf Tour, mit modifiziertem Text, nicht mehr so religiös, jüdisch, weltlicher. Später kam John Cale an das Lied und machte es bekannt. Und erst dieser junge Typ, Jeff Buckley! Er ist völlig überraschend bekannt geworden, indem er in einem Club fremde Songs spielte. Buckley hörte John Cales Version von „Hallelujah“ und setzte ihn engelsgleich um. Alle kannten plötzlich „Hallelujah“.
Doch Leonard Cohen hatte Anfang der 1990er Jahre irgendwie den Sinn des Lebens verloren, auch den Sinn von Konzerten. Er fühlte sich wie eine Randfigur im Musikbusiness – er, mit seinen paar Alben, weil er für jedes immer vier bis fünf Jahre brauchte. Er hat eine kleine Tasche gepackt und ist irgendwo in den Bergen in ein kleines Zen-Kloster gegangen und verließ es erst fünf Jahre später wieder.
Mittlerweile hatte „Hallelujah“ Flügel bekommen. Erst kam John Cale, dann Jeff Buckley (der seinen Ruhm übrigens gar nicht mehr so recht mitbekommen konnte, weil er mit 30 Jahren unter mysteriösen Umständen in einem Fluss ertrunken ist), dann kam der Film Shrek, in dem „Hallelujah“ eine große Rolle spielte. Es gab da ein Jahr, wo das Lied in drei verschiedenen Versionen in den Charts war, Platz 1 war die Gewinnerin einer Talent Show, Platz 2 Jeff Buckley und Platz 36 Leonard Cohen. Das gab ihm ein Gefühl der Befriedigung. Immerhin wollte man den Song vor einiger Zeit in den Staaten wohl nicht haben!
Leonard Cohen legte mit 70 Jahren nochmal richtig los. Er hatte keine Depressionen mehr, er war produktiv, nahm mehrere Alben auf. Bis eines Tages der Geldautomat kein Geld mehr ausspuckte. Seine Managerin hatte ihn völlig abgezockt, es war keinerlei Geld mehr da. Er musste wieder rausgehen, auf Tour, nach 15 Jahren der Abstinenz, mit 75 Jahren. Es begann zuerst klein, aber das Publikum war begeistert, alle Konzerte waren immer ausverkauft. Er stand mit 80 Jahren drei Stunden lang auf den Bühnen der Welt und hüpfte dann am Ende ab (wirklich!). Er meinte damals mal, dieses Touren sei eigentlich eine gute Lösung für Alter und Tod. Bis zu diesem war er aktiv im Business. Das letzte Album, You want it darker, Link zur Review erschien im Oktober 2016, am 7. November 2016 ist Leonard Cohen verstorben.
In Hallelujah: Leonard Cohen, ein Leben, ein Lied zeichnen die amerikanischen Regisseure Dayna Goldfine und Dan Geller mit einer großen Fülle von bisher unveröffentlichtem Archiv- und Interviewmaterial ein vielschichtiges Porträt Cohens und des weltberühmten Songs vom Beginn seiner Karriere bis hin zu seinem letzten Auftritt (in jedem Konzert sang er „Hallelujah“). Wer das gesehen hat, wie er sich auf seinen Konzerten bis zum Schluss im hohen Alter benahm, wünscht sich nichts mehr, als einmal selbst mit dabei gewesen zu sein.
„Hallelujah“: Leonard Cohen, ein Leben, ein Lied
111 Min.
Bei ARTE TV-Ausstrahlung am Sonntag, 18. Mai um 10:40
Verfügbar in der Mediathek bis zum 07.06.2025
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